Autor: Kyra Mevert

Grab them by the melons: Früchte des Zorns.

Und dann findest du dich da wieder: In der Firmenzentrale einer großen Supermarktkette am Rande der Stadt, in einem Büro mit großen Fenstern, in einem gepolsterten Drehstuhl mit Armlehnen. Alle haben hier heute so einen Stuhl, alle sitzen fürchterlich bequem. Alle, das sind heute vier. Zwei auf der einen, zwei auf der anderen Seite. Zwei, die in der Firmenzentrale arbeiten, an hoher Position, mit viel Verantwortung. Zwei, die woanders arbeiten, wo Positionen ein bisschen egal sind, weil alle gleich viel Verantwortung tragen. Zwei dort, ein bisschen irritiert, zwei hier, ein bisschen wütend. Anlass dieser Zusammenkunft ist eine von mir verfasste E-Mail. Anlass dieser E-Mail war eine vom Unternehmen geschaltete Werbung. Auf einer Din A5 Karte ist eine Frau zu sehen. Sie blickt lüstern in die Kamera, der Reißverschluss ihrer Hotpants ist geöffnet, vor der nackten Brust trägt sie einen Melonenschnitz. Daneben der originelle Spruch: „Wer hat die schönsten Melonen Braunschweigs?“ Auf der Rückseite wird deutlich: Es handelt sich hierbei um eine Anwerbung von neuen Auszubildenden. Alle vier Personen haben unterschiedliche Lebenswege zurück gelegt, um jetzt …

werden

DIESES GANZE LEBEN. Zwischen Aufbruchsstimmung und Traurigkeit.

Alle fragen sich ja immer, wie das geht. Diese Erinnerungskultur. Dieses Nichtvergessen. Das Regieduo krügerxweiss übt sich im Erinnern und besinnt sich im Theaterprojekt WERDEN auf das, was wir tun, seitdem wir da sind: Erzählen. Wer bist du? Was zeichnet dich aus? Wovon träumst du? Diese und andere Fragen haben Marie Luise Krüger und Christian Weiß (krügerxweiss) unter 18 und über 65 Jährigen gestellt. Hier diejenigen, die sich ihr Leben in den wildesten Farben ausmalen und dort diejenigen, die auf bereits Gelebtes zurückblicken können. Aus diesen Interviews* haben krügerxweiss einen Theatertext kreiert, der das Leben abbildet. Von Anfang bis Ende. Mit allem, was dazu gehört. Mit Träumen vom Singen auf der großen Bühne, von der einen wahren Liebe, vom immer wieder an den gleichen Stellen scheitern, vom sich Trennen und wieder Heiraten, von Aufbruchsstimmung und Traurigkeit, von Krankheit und Liebe, von Hoffnung und Tod. Und das wird erzählt. Stellvertretend für ihre Generationen machen das auf der Bühne die 16-jährige Klara Herbel und die 75-jährige Christina Falbe, die den jeweiligen Text über Kopfhörer hören und parallel …