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DIESES GANZE LEBEN. Zwischen Aufbruchsstimmung und Traurigkeit.

Alle fragen sich ja immer, wie das geht. Diese Erinnerungskultur. Dieses Nichtvergessen. Das Regieduo krügerxweiss übt sich im Erinnern und besinnt sich im Theaterprojekt WERDEN auf das, was wir tun, seitdem wir da sind: Erzählen. Wer bist du? Was zeichnet dich aus? Wovon träumst du? Diese und andere Fragen haben Marie Luise Krüger und Christian Weiß (krügerxweiss) unter 18 und über 65 Jährigen gestellt. Hier diejenigen, die sich ihr Leben in den wildesten Farben ausmalen und dort diejenigen, die auf bereits Gelebtes zurückblicken können. Aus diesen Interviews* haben krügerxweiss einen Theatertext kreiert, der das Leben abbildet. Von Anfang bis Ende. Mit allem, was dazu gehört. Mit Träumen vom Singen auf der großen Bühne, von der einen wahren Liebe, vom immer wieder an den gleichen Stellen scheitern, vom sich Trennen und wieder Heiraten, von Aufbruchsstimmung und Traurigkeit, von Krankheit und Liebe, von Hoffnung und Tod. Und das wird erzählt. Stellvertretend für ihre Generationen machen das auf der Bühne die 16-jährige Klara Herbel und die 75-jährige Christina Falbe, die den jeweiligen Text über Kopfhörer hören und parallel …

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Pflaster, die keine sind und Wunden, die Luft brauchen

“Warum”, frage ich mich, “hatet man eigentlich meist eher die Neue vom Ex als den Ex selber?” “Ich weiß nicht”, antworte ich, “aber ist nicht die Frage, warum hatet man überhaupt?” “Ja”, sage ich, “weil manche Menschen das halt provozieren, weil sie so sind wie sie sind.” Ich lege mir den Finger auf den Mund und den Kopf schief. Ich kenne diese Pose, ich mache sie immer, wenn ich ins Grübeln komme. Nach einer Weile sage ich zu mir: “Es ist wegen vorhin, oder? Wegen ihres Instagramaccounts.” Ich schüttle sehr energisch den Kopf. “Klar”, ertappe ich mich selbst, “ist es deswegen.” “Na gut, ja. All dieses Glück und #liebe und wir liegen uns im Arm und machen einen auf voll heile Welt und zeigen halt nicht den Rest, wer zeigt auch bitte den Rest, den ganzen schmutzigen Rest, die Streits und die #manistderscheiße-Momente, niemand zeigt den, willkommen in Social-Media, eigentlich kann ich das reflektieren, aber genau jetzt kann ich nicht, genau jetzt nimmt zumindest mein Herz alles für bare Münze und die haben das, was …

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Abys­sus des Firlefanzes

Ich habe sehr lange da gesessen, abwechselnd auf das neue Dokument und das Schmierpapier neben mir starrend. Ich wollte etwas schreiben, unbedingt, etwas über den Schock und den Schmerz und die Angst vor der Zukunft. Über die Unwirtlichkeit, die Kälte, die Vernebelung. Traurig oder wütend, wütend wäre vielleicht besser, denn Wut sorgt für den Pfiff. Wut gibt Texten Pfeffer. Traurigkeit verändert eher die Farben und den Aggregatzustand von Texten. Macht, dass sie schweben oder sehr schwer werden. Wut hingegen kann Texte zu kleinen handlichen Wurfgeschossen transformieren. Ich hätte jetzt sehr gerne so eines zur Hand. Besser noch zwei oder drei. Eigentlich kann man gar nicht genug davon haben, eigentlich möchte ich doch hinausschreien, wie furchtbar, erschreckend, ekelhaft es da draußen gerade läuft. Oder die bleierne Schwere der Traurigkeit – fabelhaft, wunderbar, ich hätte sie mit Kusshand genommen und einige langsame, wiegende Tänze mit ihr getanzt. Ach, meinetwegen auch die Hysterie mit der sich kreischend lachen und auf die Schenkel klopfen ließe, bis einem irgendwann die Luft ausgeht. Die Panik, ja!, ja!, die Luft raubende, beklemmende …