Alle Artikel in: Blog

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Pflaster, die keine sind und Wunden, die Luft brauchen

“Warum”, frage ich mich, “hatet man eigentlich meist eher die Neue vom Ex als den Ex selber?” “Ich weiß nicht”, antworte ich, “aber ist nicht die Frage, warum hatet man überhaupt?” “Ja”, sage ich, “weil manche Menschen das halt provozieren, weil sie so sind wie sie sind.” Ich lege mir den Finger auf den Mund und den Kopf schief. Ich kenne diese Pose, ich mache sie immer, wenn ich ins Grübeln komme. Nach einer Weile sage ich zu mir: “Es ist wegen vorhin, oder? Wegen ihres Instagramaccounts.” Ich schüttle sehr energisch den Kopf. “Klar”, ertappe ich mich selbst, “ist es deswegen.” “Na gut, ja. All dieses Glück und #liebe und wir liegen uns im Arm und machen einen auf voll heile Welt und zeigen halt nicht den Rest, wer zeigt auch bitte den Rest, den ganzen schmutzigen Rest, die Streits und die #manistderscheiße-Momente, niemand zeigt den, willkommen in Social-Media, eigentlich kann ich das reflektieren, aber genau jetzt kann ich nicht, genau jetzt nimmt zumindest mein Herz alles für bare Münze und die haben das, was …

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13//08//2016

Wie alles anders ist und manches schön und manches so grausam beschissen, dass es einem den Atem raubt. – Vieles scheint für immer verloren und verloren auch die Kraft oder der Wille oder beides um daran etwas zu ändern. – Ach, diese Stadt. – An manchen Tagen bin ich mindestens 94 und das auf die schlechte Art. – Man klammert sich ja regelrecht an den “Frieden”, daran, dass jetzt gerade hier alles gut ist. Man klammert sich an eine Illusion. Daran, dass sich die eigene Welt vom Rest der Welt abspalten ließe. – Manchmal fragt man sich, was man Leben noch zu erwarten hat und vermisst in einem melancholieverseuchten Moment die Jugend. Als wäre es jemals einmal anders gewesen, als wäre einem die Welt früher ständig wie ein verheißungsvoller Ort erschienen. – Der Irrglaube alles verdichte sich, obwohl es gerade dabei ist zu verpuffen. – Auf einer Baustelle zu arbeiten tut ertaunlich gut. Endlich mal wirklich etwas machen, etwas, das man sieht und nicht bloß vor dem Bildschirm hocken und Dinge tun, die außerhalb dessen …

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Living life golden

Es gibt so ne Alben und solchne Alben und noch ganze andere. So ne Alben, da kommen so ein zwei Tracks richtig fett, ein paar sind ganz nice und der Rest eher mau. Dann sind da solchne Alben, die mag man überhaupt nicht. Und die ganz anderen? Die ganze anderen sind feinste Perlen, höchster Hörgenuss, jeder Track ein Treffer und dein Herz hüpft im Beat. Alles stimmt und das Ding läuft auf Dauerschleife. Alben dieser Art passieren nicht jeden Tag, auch nicht jeden zweiten. Sie kommen selten, aber wenn, dann schlagen sie richtig ein. Und für einige Tage beginnt man jedes Mal zu schweben, wenn der Beat einsetzt. Elliphants Album LIVING LIFE GOLDEN ist so ein Album. Für mich definitiv ihr Bestes bisher. Der Name ist Programm, denn beim Hören legt sich eine feine Schicht Gold über das eigene Leben, beginnt alles zu schimmern und in der Sonne zu funkeln. Genau so ein Album ist das. Es serviert dir von vorne bis hinten goldenen Schimmer und macht jeden Moment erhabener. Egal, ob du gerade auf …

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Monkey Man/ Erfahrungsbericht.

Sonntagmorgen. Katerkopf. Die letzte Nacht schmerzt bis in den kleinen Zeh, der Atem riecht wie eine Schnapsfabrik und selbst mit den Nasenflügeln zu wackeln tut weh. Was tun? Weiterschlafen? Konterbier trinken? Den Kopf über die Toilette hängen? Alles schön und gut. Aber das wirklich wahre, einzig hilfreiche Mittel lautet: Hochseilgarten. Was gelogen ist. Total gelogen. Es gibt ungefähr nichts Schlimmeres. Deswegen musste mein guter Freund N. nach der ersten Route aufgeben und während des Kletterns davor tapfer runterschlucken, was sich seinen Weg nach draußen zu bahnen drohte. Überhaupt ist das ja auch ganz unverantwortlich und man sollte stets ganz nüchtern klettern. Echt jetzt, ist doch klar und eh, wer ist so unmenschlich und überredet Menschen am Sonntagmorgen zum Klettern? Ich. Weil es furchtbar lustig ist, sie über die Bretter stokeln und verzweifelt an den Seilen hängen zu sehen, während man selber beim Rutschen auf den Knie merkt wie verdammt alt man doch geworden ist. Anblicke und Erkenntnisse, die es einen fast vergessen machen wie teuer der Spaß doch ist. Das ist nämlich echt ein Manko. …

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Zürich

Menschen, die ich Pfeife rauchen sah: 1 Menschen mit Strohhüten, die ich sah: 12 Augenblicke in denen ich dachte “Verdammt, wie schön ist diese Stadt?”: zu viele für eine Strichliste – Alles ist so schön, dass es schon wieder kühl erscheint. Glatt und klar wie das Wasser der vielen Brunnen. – Ein Schwindel und eine Schwere. Drückende Müdigkeit. Die Augenlider wollen zu und der Kopf in einer ruckartigen Bewegung nach vorne fallen. – Im kühlen Luftstrom der Klimaanlage vor einem Einführungstext zu Francis Picaba auf dem kühlen Museumsboden im dezenten Kunstlicht fühle ich mich wieder frischer, weniger krank und so als könne ich selber hier sehr alt werden, konservatorisch gut aufgehoben. – Ich belausche die Menschen und bestaune sie. Bin Voyeur. Fühle mich viel weiter von zuhause entfernt als sechs Stunden Zugfahrt. – Es scheint, als brodle es unter der Oberfläche. – Zitate, die ich mochte: “Ich bin weder Maler, noch Literat, noch Spanier, noch Kubaner, noch Amerikaner (…), noch Dada. Ich bin lebendig.” (Francis Picaba) “Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung …

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24//06//2016

Was kann man eigentlich tun in dieser Welt, die einem von Tag zu Tag immer fremder erscheint? Was kann man einer Entwicklung entgegenstellen, die in eine Richtung geht, die man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht ausgemalt hätte? Was macht man mit dieser Ungewissheit, mit der Angst, dass alles immer düsterer wird, kälter, unwirtlicher? Wie geht man um mit dem Gefühl, dass die schrecklichsten aller Geister auferstehen und durch die Länder wüten und sie zu etwas machen, womit man nichts zu tun haben möchte? Wie reißt man das Ruder rum? Es schleicht sich ein Gefühl der Ohnmacht ein. Als müsse man das jetzt einfach aushalten, als könne man gar nicht tun, als zählten die eigenen Vorstellungen nichts. Als seien sie ohnehin unrealistisch, verklärt, naiv. Dabei ist das Gegenteil der Fall, daran glaube ich fest. Ich glaube an die Liebe. Ich glaube an die Freiheit. Ich glaube an die Grenzlosigkeit. Ich glaube an die Machtlosigkeit (als etwas Gutes). Ich glaube daran, dass man Ängsten anders begegnen kann, anders begegnen muss als mit Hass. Und ich glaube, …

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No, No, No.

„Ich vermisse meine Freunde“, sagt das Faultier. „Ich auch“, sage ich. „So gefällt mir das alles nicht“, sagt das Faultier, „alles schön und hell hier, aber in meinem Inneren schaut es dunkel aus.“ „Oh“, sage ich, „solche Töne von dir?“ „Ich mag ja flapsig sein manchmal, aber ich habe auch ein Inneres.“ Das Faultier verschränkt die Arme. „Was tun?“, frage ich. „Eingestehen, dass alles eine Scheißidee war und die Sache wieder rückgängig machen. „Ach“, sage ich, „gib dem Ganzen doch noch eine Chance.“ „Keine Chance für Scheiße“, sagt das Faultier. Ich nicke, weil es Recht hat. „Also alles wieder rückgängig?“ „Auch sich wieder umzudrehen ist von der Gegenwart her gesehen eine Vorwärtsbewegung.“ „Na dann.“ „Geile Scheiße!“, jubiliert das Faultier und zieht einen Rucksack unter dem Bett hervor. „Meine Sachen sind gepackt“, sagt es, „komm, gehen wir nach Hause!“

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Leckerschmecker Holland

Urlaub? Abhängen? Nichts als chillen? Nix für uns! Ohne Arbeit fühlen wir uns leer und verloren, Nichtstun ist nicht auszuhalten. Deswegen haben wir den Aufenthalt in Holland für das Abarbeiten wichtiger Punkte auf unseren To-do-Listen genutzt. Endlich konnten wir brennende Fragen klären wie: Ist der günstige Sparkling Eistee so gut wie das Markenprodukt? Schmeckt eigentlich dieser Kuchen aus den netten Pappverpackungen? Wie süß muss eine Limo sein, damit sie so richtig eklig ist? Und nicht zuletzt: Welche Streusel sind die Besten? Um all das herauszufinden haben wir weder Kosten noch Mühe noch dicke Bäuche gescheut und präsentieren jetzt unseren Holland Gourmetführer. Ihr erfahrt alles Wichtige über nach dem Zufallsprinzip und spontaner persönlicher Neigung ausgesuchter Produkte. Zum Beispiel wie uns das Design gefallen hat. Oder ob es einen WOW-Faktor gab (also wie sehr uns das Produkt überrascht hat). Und, klar, auch wie es so schmeckt. In diesem Sinne: Guten Appetit. Mango Juice Der oben von Jesusverschnitt präsentierte Mangojuice macht den Anfang und bekommt für den WOW-Faktor 4,8, das Design 4 und den Geschmack 7 Punkte. Hätte …

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Holland.

Wir waren in Holland. Diesem kleinen netten Land wo alle ganz entspannt bei 130 über die Autobahn tuckern, die Streusel vielfältiger sind und das Gras grüner. Mit den kleinen Häusern und den großen Parkgebühren. Aber natürlich waren wir nicht einfach so da, um die Nase in die Meeresbrise zu halten und die Seele baumeln zu lassen. Oder etwa um uns mit Pommes vollzustopfen, nachdem wir die vielen kleinen Second-Hand-Läden leergeräumt haben. Oder um den lieben langen Tag in der Sonne zu brutzeln, weil auf einmal und plötzlich Sommer war. Vermutlich die einzigen paar Tage, wenn man das Wetter draußen jetzt so betrachtet. NEIN! Wir haben richtig was geleistet vor Ort, man kann kaum noch von Urlaub sprechen, so fleißig waren wir, man muss wirklich eher Geschäftsreise sagen. Denn wir haben live und direkt und ohne Skrupel nicht nur einen Gourmetessenstest gemacht, sondern auch die heißesten Campingsplatzlooks, die Trendteile des Zeltens gespottet und sofort authentisch in Szene gesetzt. Also bitte, denkt nicht, wir hätten nur ein paar mickrige Fotos in petto oder bloß dieses zauberhafte mit …

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27//05//2016

-Wie das Gefühl sich die Intuition abzutrainieren oder abtrainieren zu sollen mich total blockiert. Wie alles, was ich bewusst konstruiere sich wie eine Lüge anfühlt. Wie ich also wieder lernen muss, mich dazu anzuhalten, intuitiv zu handeln. Was für ein Wahnsinn. – “Wir haben zu spielen.” Es ist doch total unmögich, alles ernst zu nehmen. -Es ist so eine Unverschämtheit, das es scheitert zwischen Menschen, obwohl man es doch will. Oder wollte. Und dann vermisst man plötzlich, zwischendurch, mit voller Wucht. Risse im Alltag. Allein darüf muss man schon wieder lieben. Für die Risse. -Menschen, Menschen, Menschen. Wenn man zu viel Zeit mit ihnen verbringt, weiß man wieder, warum man das nicht wollte. -Nach einem Tag allein und der Ruhe des Bei-sich-selbst-seins fühlt sich alles so wohlig an. Wie nach einem Tag in der Sonne in die Kühle der Wohnung kommen. -Jemand erzählt, was über mich erzählt wurde. Ich kann es nicht leiden und keinen Abstand halten. Versuche es mit Säten, die ich mir vorbete. Wichtig ist nur, was du von dir denkst. Es taugt …