Alle Artikel in: Prosa

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Alles ist Perfomance, Baby.

Eines Tages, ich erinnere mich nicht, welcher genau es war, ging ich in meinem Kopf spazieren. Dabei muss ich wohl verloren gegangen sein, denn ich bin nie zurückgekehrt. Manchmal versuche ich mir Rauchzeichen zu geben. Postkarten schicken geht nicht, ich kenne die Adresse ja nicht. Ich finde es immer rührend, wenn jemand sagt: Ich vermisse dich, weil ich dann denke: Ja, so geht’s mir auch. Wenn jemand reden will, sage ich: Vorübergehend nicht erreichbar. Aber wenn jemand dann fragt „Wie lange?“, kann ich auch mit den Schultern zucken. Also falls du mal vorbei schaust: Ich ist nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich bin nicht da. Ich …

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Nebel

Obwohl ich nicht rauche, drehe ich mir eine Zigarette. Und noch eine. Und noch eine. Ich starre aus dem Fenster. Draußen wird es dunkel. Du lehnst am Herd. Hinter dir steigt Wasserdampf auf. Gleich werden die Fenster beschlagen. Zünde mir eine Zigarette an, nur um etwas zu sagen und mich in der Handlung zu verankern, um nicht gleich fortgespült zu werden vom dem, was du sagst. Außerdem unterstreicht das Rauchen meine Gestik, ich versuche auch ein gewichtiges Gesicht zu machen. Die Ästhetik des Alltäglichen. „Alles ist aus Glas“, sagst du, „vor allem wir.“ Schnipse gegen meine Zigarette um abzuaschen. Die Asche fällt auf den Boden. Du siehst blass aus. Die Luft wird schon ganz neblig und feucht von dem aufsteigenden Wasserdampf. Kochst du eigentlich wirklich oder lässt du nur Wasser aufsteigen? Deine Augen fixieren mich. Ob du nicht schwitzt? Du musst Rücken doch schon ganz nass sein. Selbst mir setzten sich Wasserperlen im Gesicht ab. Könnte dir die Wirbelsäule hinabstreichen, den herabrinnenden Schweißperlen folgend. Atme aus. Der Rauch zieht bloß einige dünne Fäden, statt in …

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Das ganze Leben ist eine Beule im kosmischen Gleichklang.

Gespräch mit meinem imaginären Freud: Freud: “Setzen Sie sich” Ich setze mich auf das nicht vorhandene Sofa Freud: “Was brennt ihnen auf der Seele?” Ich: “Hmpf” Freud: “Na ja. Sie müssen schon Klartext reden. Die Hosen runterlassen.” Ich: “Ich trage Opaschlüpper.” Freud: “Ich nehme an, dabei handelt es sich nicht um ihr eigentliches Problem.” Ich – druckse herum. Ich: „Bin ich tatsächlich ein armes Würstchen? Bin ich krank? Weil ich den Unterschied kenne? Weil ich weiß wie sich mein Bauch mit und wie sich mein Bauch ohne dieses Gefühl anfühlt? Oder bin ich einfach nur faul? Bin ich ein Simulant, weil ich diese Dinge – ja was? Empfinde? Zu empfinden denke? Weil ich sie nicht abstellen, sie nicht runterschlucken kann? Bin ich depressiv? Weil mir das Leben so grausam, so unfair, so chaotisch, so sinnlos erscheint? Weil ich nicht sagen kann, dass das hier wundervoll ist oder weil es so aussieht, als könne ich nicht sehen, was für ein Glück ich hatte, im Vergleich zu anderen? Weil es mir nicht gelingt, zu verhindern Schmerz zu …

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Keine Heldentag II

Es sind Tage an denen die Ideen fehlen. Die Pläne. Es sind Tage, an denen die Visionen fehlen, davon, wie man aussehen will. Davon, wer man sein will. Dass man das auch immer wissen soll. Es sind Tage, an denen die Antworten auf die Fragen fehlen, die gar nicht erst gestellt werden. Das Schwierige an einer Antwort ist immer die Frage. Einem fallen keine ein. Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Und zwischendrin manchmal eine Pause. Wann hat es angefangen? Jedenfalls lange bevor in der Wohnung nebenan jemand war. Irgendwann war zwischen all den Dingen, die man so tat, plötzlich die Frage aufgetaucht: Warum eigentlich? Die fegte in ihrer Intensität und ihrer Nichtbeantwortbarkeit alles hinweg. Den Boden, den Himmel, die Ecken, die Kanten. Den Antrieb, den Auftrieb, das Für und Wieder. Nach etwas streben: Warum eigentlich? Sich verschwenden: Warum eigentlich? Alles mitnehmen: Warum eigentlich? Für etwas brennen: Warum eigentlich? Gegen etwas sein: Warum eigentlich? Lieben: Warum eigentlich? Hassen: Warum eigentlich? Dann: Rien ne va plus. Die Welt hörte auf sich zu drehen, dafür …

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Ballon

Und wo immer wir hingingen, wir nahmen immer alles mit. All diese Erinnerungen an die Zeit, damals. Damals, als wir noch klein und unsere Träume groß waren. Damals, als die Stadt uns noch keine Angst gemacht hat, denn wir waren jung und schnell. Genauso schnell wie sie und manchmal schneller. Wir waren mittendrin, waren ihr Motor. Haben dazu beigetragen, dass sie wächst und sind mit ihr gewachsen. Dann wuchs uns die Sache über den Kopf. Sie drohte uns zu verschlingen. Wir ergriffen die Flucht. Aber das Damals nahmen wir mit. Es schwebte über uns, stets und immer, wohin wir auch gingen.  

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Heldentage I

Dass da jetzt jemand war. Nebenan. Das war eine gute Sache. Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Und zwischendrin manchmal eine Pause. Aber immer weiter. Irgendwann. Selbst wenn sonst nichts geschah, einfach nichts passierte und man nie wusste, ob das jetzt das Ende war, der Stillstand der Zeit, oder nur ihr zäher Fluss, manchmal hörte man Schritte. Oder das Knarzen einer Tür. In der Langsamkeit lag Eile oder war es umgekehrt? Es ging darum Schritte zu machen. Zum Ziel zu gelangen. Aber um Schnelligkeit? Das schien so fern. Alles. Dieser Rückwärtssog. Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Das war alles. Nie Musik, nie Gespräche, nicht mal Wortfetzen, keine Stimmen. Aber Bewegungen, deren Geräusche gut taten in der eigenen Bewegungslosigkeit. Das Knarzen der Türen wie ein Signal der Zeit. Ich bin noch da. Wohin die Schritt gingen. Immer nach vorne. In welche Richtung spielte dabei keine Rolle. Egal in welche Richtig, es war wenigstens Bewegung. Es sind keine Heldentage. Es sind Tage an denen es regnet, obwohl für jeden anderen die Sonne …

Liebesbrief an das Mädchen ohne Arm: Videolesung I

Heute gibt’s wieder was auf die Ohren: “Liebesbrief an das Mädchen ohne Arm”. Wer es nicht so mit Texten hat oder wem beim Zuhören die Ohren bluten, weil er meine Stimme nicht mag, sei hiermit herzlich eingeladen ohne Ton zu gucken und statt des Textes meinen Hut zu bewundern. Ich wünsche sowohl bei dem Einen als bei dem Anderen viel Freude und natürlich sowieso und überhaupt ein allerfeinstes Wochenende! Treibt’s bunt und bleibt munter. Ps. Den zweiten Teil gibt’s morgen. Für so einen schönen “allesineinem”- Abwasch ist meine Ausstattung leider nicht gut genug. Aber he! Zwei Teile! Da kann man einen Cliffhanger einbauen,da bleibts spannend und die Leute zahlen zwei Mal an der Kinokasse. Nur, dass es hier keine Kasse gibt. Tja.

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Baumbinder: Videolesung

Voll im Videodrehmodus. Schlechtes Videobearbeitungsprogramm: Check. Mittelmäßige Kamera: Check. Eigentlich null Ahnung: Check. Aber Macken machen bekanntlich charmant (“ich mach mir die Welt, widde widde widde wie sie mir gefällt!”)und die Schallplatten früher waren doch auch nur so gut, weil sie immer so schon geknackt haben. Danke an die tollste Mitbewohnerin der Welt (yes: abgeschmackte Superlative und oberharte Schleimereien: yummi!) für diesen fancigen Sessel. Konnte ich mir nicht nehmen lassen, den von oben bis unten zu filmen. Damit der auch mal zur Geltung kommt. Allein diese Fransen. Das passt dann auch zum Schallplattenknacken. In diesem Sinn: Play!

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Baumbinder

Das Schönste in der Gegend hier war lange Zeit das Klo. Die von der Stadt haben es aufgestellt, damit sie nicht immer an die Häuserwände und die Bushaltestelle schiffen. Das hat auch ganz gut funktioniert. Vielleicht weil das Klo so modern daherkam und es darauf nicht so sehr stank, weil immer ein guter Luftzug durchwehte oder vielleicht auch, weil es angenehmer war mal in Ruhe und unbeobachtet zu pissen. Er weiß es nicht so genau. Manchmal denkt er auch, dass das Klo vielleicht so einen Erfolg hatte, weil es der einzige Ort war, an dem man mal seine Ruhe haben konnte von den Nervensägen. Die anderen halt. Haben ständig was zu meckern alle und immer gibt es was zu diskutieren und selten sind sie sich einig. Er auch nicht. Er ist sich auch nie einig mit den anderen. Aufs Maul gibt‘s nicht mehr so oft. Liegt wahrscheinlich am Alter. Sie haben alle weniger Kraft und weniger Schwung als früher. Das Alter macht sie alle zittrig und sie können schlechter zielen als früher, das auch. Wenn …