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Liebesbrief an das Mädchen ohne Arm

(Zeichnung: U.Ulusoy)  Schon die Überschrift ist so unglücklich gewählt, dass ich sie entweder noch ändern oder diesen Brief niemals werde abschicken können. Was du daran verabscheuen würdest:1) Das Wort Liebe in Liebesbrief. (Du hältst es sicher für eine furchtbare Illusion. Schlimmer noch für eine abgeschmackte Ideologie. „Du liegst falsch. Ich halte es weder für eine Illusion, noch für eine Ideologie. Sondern schlicht für eine schlechte Idee. Mitunter haben natürlich auch schlechte Ideen so ihre Magie. Aber das sind flüchtige Glanzpunkte in der Düsternis“, würdest du kontern. Was sollte ich darauf erwidern?) 2) Dass ich dich Mädchen nenne. (Nicht, dass du es zugeben würdest oder mir gar mit irgendwelchen feministischen Argumenten kommen. Aber im Stillen würdest du mir doch unterstellen, ich wolle dich degradieren. Dabei finde ich Mädchen schlicht zärtlicher als Frau. Aber selbst diese Zärtlichkeit empfändest du sicher als eine Zumutung.) 3) Das Attribut ohne Arm. („Als wäre es das einzige, was mich ausmacht. Als wäre es das, was mich definiert“, würdest du mit Nachdruck flüstern, so wie du immer flüsterst, wenn es dir ernst …

Zeitfenster

(Fred sagt, ich solle keine zusammenhangslosen pseudoliterarischen Ergüsse posten. Das interessiere niemanden. Auf meine Entgegunge, es sei fraglich, ob sich überhaupt jemand für irgendwelche meiner Ergüsse interessiere, wie auch immer sie geartet seien, antwortete es, dass das zwar stimme, aber man müsse es ja nicht noch schlimmer machen. Ich tues trotzdem. Etwas zu tun, von dem andere mir abraten ist sowieso seit eh und je meine Lieblingsbeschäftigung. Reaktanz for life, jiha (sinnlose Ausrufe am Ende des Satzes zählen übrigens auch dazu!)) In griechischen Ruinen saß irgendwo ein alter Mann und dachte nach. Er sinnierte so über dieses und jenes, wie nur diejenigen sinnieren, die alle Zeit der Welt haben, weil ihnen sonst nichts geblieben ist. Dabei aß er Oliven, deren Kerne er auf den Boden spuckte. So wuchs um ihn herum langsam aber stetig ein Berg Olivenkerne. Der alte Mann war sehr alt. Sehr, sehr alt. Es fehlten ihm die Haare auf dem Kopf, dafür war sein Bart umso länger. Er schwitzte sehr darunter, aber ihn zu schneiden, dafür waren seine Bewegungen zu tatterig, die …

Ruhe Sendung

Was machen, wenn einem die Worte fehlen? Sich welche ausschneiden. Aus Zeitungen, Zeitschriften und Katalogen. Da gibt’s jede Menge eingängiger Sprüche, Fragen, Überschriften, Weisheiten, Nichtigkeiten – alles was das Herz begehrt. Das kann man dann munter kombinieren. Hab ich gemacht. Kann man lesen. Jetzt zum Beispiel. Da unten. Ich will nicht zu viel versprechen, aber das ist wahre Poesie. Das geht unter die Haut. Das wirft Fragen auf, die einem den Schädel brummen lassen. Das haut einen von den Socken, ob sie Löcher haben oder nicht. Das ändert die Sicht auf die Dinge um dreihundertsechzig Grad. Ganz genau. Also Ruhe, jetzt ist Sendung hier! Glotzpöppel groß und Worte schnabulieren. #superpoet #flowasgoetheflows (# zu machen fühlt sich sowas von lustig an. Ich meine: #, das ist doch total verrückt!!) (Alternativ könnte man auch was anderes schnabulieren. Walnüsse zum Beispiel. Nur das in der Dose, in der bisher immer ein paar leckere Walnüsse auf die grabschenden Hände eines hungrigen Wohnungsbewohner warteten, jetzt gähende Leere herrscht. Aber vielleicht sieht das ja anderswo besser aus.) Täglich mehr als eine …