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Die Relation von Zigarettenspitze und Traurigkeit.

Das Faultier sitzt in der Badewanne, es trägt seine Kapitänsmütze und weint. „Was ist los“, frage ich, „und warum sitzt du ohne Badewasser in der Badewanne?“ „Ich bin unglücklich“, sagt das Faultier, „von Herzen und ohne Wenn und Aber.“ Es zieht an seiner Zigarettenspitze. „Seit wann rauchst du?“, frage ich. „Seit ich so furchtbar traurig bin“, sagt es. „Ich finde zu echtem Traurigsein gehört eine Zigarettenspitze.“ Ich nicke. Insgeheim glaube ich, das Faultier hat zu oft Frühstück bei Tiffany gesehen. „Und warum bist du unglücklich?“, frage ich. „Ich habe keinen Grund“, sagt das Faultier, „brauche ich auch nicht. Man kann auch einmal ohne konkreten Grund traurig sein. Besonders sonntags. Der Sonntag bietet sich geradezu an, zum Unglücklich sein und Rauchen.“ „Na gut, wenn ich dir irgendwie helfen kann, sag Bescheid“, sage ich und mache Anstalten, das Badezimmer zu verlassen. „Duuu“, haucht das Faultier theatralisch. „Ja?“, sage ich. Es schaut mich mit großen, glasigen Faultieraugen an und blinzelt ein wenig. „Könntest mir helfen. Kannst du gucken, ob am Kiosk um die Ecke Champagner gibt? Es wäre …

Abriss

[Logbuch] „Wir könnten eine Party feiern“, sagt Faultier. „Jetzt?“, frage ich. „Jetzt“, sagt es. „Warum?“, frage ich. „Mir steht der Sinn nach Abriss“, sagt das Faultier, „also schmeiß ein Brett von einem Drumnbasstune an und lass uns raven.“ Man kann es sich kaum vorstellen: Ein tanzendes Faultier. Ja, der Anblick ist selten, rar, aber doch: Es gibt ihn. Und wenn es denn mal tanzt, so ein Faultier, dann mit Herz, Seele und jeder Menge Körpereinsatz. Mit Armen wie Schlangen und Beinen aus Flummigummi. Mit zuckenden Augen und muckenden Gliedern, jedes will in eine andere Richtung. Mit wippender Nase und kickenden Füßen. Man kann es kaum vorstellen, aber wenn man es einmal gesehen hat, ein Faultier, das tanzt, dann kann man es nie mehr vergessen.

Dosentelefonrevolution

[Logbuch] „Ich habe einen Plan“, sagt das Faultier. Es hat die Hände hinterm Rücken und grinst schelmisch. „Lass mich raten“, sage ich. Das wird leicht. Denn das Faultier hat seit eh und je, also genau genommen seit es auf der Welt ist, genau zwei Aufträge. Erstens faulenzen und zweitens andere zum Faulenzen zu bewegen. „Nein!“, sagt das Faultier, „für Ratespiele haben wir überhaupt keine Zeit. Pläne wollen umgesetzt werden. Tadaaa.“ Es zieht die Hände nach vorn und präsentiert mir ein Dosentelefon.  Des Faultiers neue Wunderwaffe… „Jetzt guck doch nicht so doof“, sagt es. „Ich verstehe es nur nicht“, sage ich.  „Drei Worte in einem“, sagt das Faultier, „dann ist alles klar. DOSEN-TELEFON-REVOLUTION.“ Ich nicke langsam mit schräg gelegtem Kopf und betrachte das Dosentelefon. „Du guckst immer noch genauso. Du bist doch sonst nicht so schwer von Begriff.“ „Jaaaa“, sage ich gedehnt, „Dosentelefonrevolution.“ „Genau“, sagt das Faultier,“ pass auf, es ist ganz einfach. Wir ersetzen jedes Smartphone dieser Welt, jedes Handy, jedes normale Telefon durch ein Dosentelefon. Das wird die Welt auf einen Schlag verändern. Es …

Spekulatiussaison

  [Logbuch] Fred und Murks stopfen sich Sepkulatius in die Münder. „Oh du fröhliche“, singt der fliegende Teppich. „Ühä, ne“, sagt das Faultier, „bleib mir fern. Keine Lust Geschenke zu kaufen. Keine Lust auf Weihnachtsmarktgedränge. Und ich hasse, hasse, hasse Weihnachtslieder.“ Es verdreht die Augen. „Aber Lust auf Spekulatius?“, frage ich. „Die Spekulatiussaison hängt ganz offensichtlich nicht mit der Vorweihnachtszeit zusammen. Nur insofern vielleicht, als dass die Vorweihnachtszeit in die Spekulatiussaison fällt.“

Astronaut müsste man sein.

[Logbuch] „Wie weit kannst du fliegen?“, frage ich den fliegenden Teppich. „Sehr weit“, sagt er, „so weit du willst eigentlich. Einmal um die Welt. Oder zweimal. Hin wieder muss ich allerdings eine Pause einlegen, mich ausschütteln und die Flusen entfernen. Das könntest du allerdings auch beim Fliegen machen.“ „Der Flusenroller ist der Kopfkrauler des Teppichs“, sagt das Faultier. „Ja, aber ich meine: Fliegst du nur weltweit oder noch weiter?“ „Du meinst, ob ich das Universum zu meinem Flugraum zähle? Ob ich Sterne ansteuern kann und den Mond?“ „Ja.“ „Nein.“ „Schade“, sage ich. „Hast du wieder zu viele Nachrichten gelesen?“, fragt das Faultier. „Hm.“ „Lass das doch.“ „Verdrängen ändert nichts. Das Elend ist da. Ich kann mir die Augen zuhalten: Es ist immer noch da. Hier auf diesem Planeten. Dem einzigen, den wir haben. Dem wir nicht entkommen können und der vermutlich bald explodieren wird.“ „Schön wärs“, sagt das Faultier, „ich glaube nicht, er wird eher langsam ausbluten, verkohlen, ersticken an der Ignoranz und der Dummheit seiner Bewohner.“ „Vielleicht wird auch nur die Menschheit untergehen“, sagt …

Nase in den Wind und eine Bottle voll rum

[Logbuch] „Aaarrrgh. Ich raste aus. Ich raste aus. Ich raste aus“, Fred läuft durch die Wohnung, die Hände über dem Kopf, die Augen aufgerissen. Zappelglieder. „Mir ist so langweilig. Mir war noch nie so langweilig. Es ist furchtbar. Schrecklich. Hör sofort auf an der Bachelorarbeit zu schreiben. Ich ertrage es nicht mehr, dir dabei zu zusehen, wie du in irgendwelche Bücher starrst. Ich bin so faul, es macht mich mürbe. UND ICH BIN EIN VERDAMMTES FAULTIER.“ Es springt vom Sofa auf den Sessel auf den Tisch und wieder zurück. „Ich will was unternehmen, ich will was machen, ich will was anderes sehen als dein uninspiriertes Wissenschaftsgesicht. Schreib einfach irgendwas auf die Seiten und dann hauen wir ab. Oder wir hauen gleich ab. Irgendwohin wo das Meer türkis ist und der Strand weiß und die Menschen schön, die Musik groovy und die Drogen gut. Damit wir die Pflichten vergessen können, OK?!“ „Kannst du mal das Licht anmachen, bitte?“ „Das ist alles? Das ist alles, was du auf meinen grandiosen Plan zu antworten hast?“, Fred massiert sich …

Acht Uhr morgens und der Imperativ des Rausches

[Logbuch] Das Faultier rülpst mir ins Ohr. Murks macht Handstand auf meiner Brust. Nur der fliegende Teppich scheint nicht damit befasst zu sein, mich aus dem Schlaf zu reißen. Das macht ihn zum meinem einzigen Freund an diesem Morgen. „Es ist acht Uhr morgens“, sage ich.  „JA“, rülpst das Faultier. „Warum?“, frage ich. „Betrunksen“, sagt der Affe. Er lallt es eher, aber immerhin rülpst er es nicht. Ich richte mich auf, was dazu führt das der Affe absürzt und auf dem Bauch landet: „Huuuui“, macht er und grinst. „Ich bin müde“, sage ich. „Oh jaa. Oh jaa“, sagt das Faultier, „und wir erst. Müde, aber auch gar nicht müde. Kochst du uns was? Was mit Nudeln? Oder was mit Pizza?“ „Wie kann man was mit Pizza kochen?“, frage ich, „was isst man denn zur ner Pizza?“ „Das ist“, das Faultier stockt, hebt den Fingern und versucht mich anzuschauen, „nicht von Bedeutung. Es reicht auch eine Pizza. Oder zwei. Wir sind ja zwei. Zwei sehr sehr hungrige angeheiterte Kumpanen. “ „Hicks“, macht der Affe. Mehrmals. Und …

Blaupause

Nicht das Faultier. Aber eine artverwandte Gattung: Die kleine Schwester [Logbuch] „Eh“, sagt das Faultier, „du schreibst in letzter Zeit ständig so ernste Sachen.“ „Ja“, sage ich, „ich lese zu viel Zeitung. Da kommt schon morgens schlechte Stimmung auf und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Maya doch Recht hatten mit ihrer Weltuntergangsprognose. Sie haben sich nur um ein par Jährchen vertan. Was ja mal passieren kann bei so einer komplexen Rechnung.“ „Schön und gut, also ja eigentlich nicht, aber auf jeden Fall – Welteruntergangsstimmung hin oder her – ich fühle mich vernachlässigt.“ „Ja, ich kann mich bloß so schlecht lösen von all dem Trübsal.“ „Trübsal macht trübsinnig. Deswegen ist es gerade wichtig sich auch mit was Schönem zu beschäftigen und darüber zu schreiben. Über mich zum Beispiel. Wie ich auf dem fliegendem Teppich durch die Nacht düse und Farbbomben auf graue Fassaden werfe. Oder wie ich im Einhornkostüm durch die Gegend tanze und singe. Oder einfach nur auf deinem Kopf sitze und ihn dir massiere.“ „Du sitzt immer nur da. Aber ans …