Monate: Januar 2014

Um’s Eck

Auf dem Weg zum alten Mann im Geiste die Schönheiten notiert. Abends mit dem Fahrrad durch die Gegend pesen ist eh das Größte. Die Vorfreude in der Brust ist da nur die Kirsche auf der Sahne. Wie Kleinigkeiten plötzlich mit Bedeutung überzogen werden, zur Kulisse des eigenen Glücks mutieren. Wie Liebe die Dinge mit Bedeutsamkeit färbt und sie einen mit Zärtlichkeit betrachten lässt: Der Park. Im Dunkeln die Lichter dahinter. Der Hundesalon mit den alten vergilbten Spitzengardinen und dem rot-weißen Schild. Der Kiosk mit dem unfreundlichen Besitzer. Die lange Straße, die auf dein Haus zuführt. Der knorrige Baum neben der Hauptstraße. Der alte Mann mit dem alten Fotostudio. Die drei roten Leuchtreklamen, ein Supermarkt, ein Bäcker, ein Erotikshop, alle in einer Reihe. Die Lichterkette neben deinem Haus. Das weiße Top im ersten Stock am Treppengeländer. Der Traumfänger an deinem Fenster. Der Notenständer mit deinen Schals. Der Holzstuhl, auf dem jetzt auch meine Sachen hängen. Die gefalteten Boxershorts. Die Palme im Flur. Das Geschirr im Badezimmer. Der Blick in die Bibliothek. Die kaputte Bettwäsche. Die Löcher …

IMG_1525 (2)

Durch die Nacht düsen

Ahoi Sexy! Nix zu tun gehabt und also aufs Fahrrad geschwungen und die Nacht bei ihrer täglichen Arbeit besucht. Läuft alles rund soweit. Die Nacht klagt weder über Burnout, noch über Langeweile. “Alles wie gehabt”, sagt sie. “Alles gut, alles beim Alten.” Es sei nach wie vor schön die Auswirkungen des eignene Tuns sofort zu sehen zu bekommen. Keine Angst also, die Nacht macht ihr Ding auch weiterhin so zuverlässig wie eh und je. Bis ihr irgendwann der Himmel auf den Kopf fällt vermutlich. In diesem Sinne: -Over and out-  

IMG_0023

Grimassen

{Warum nicht}Warum nicht jeden Tag vor dem Spiegel Grimassen üben? Warum nicht Meckeropis, fiesen Busfahrern und allen anderen renitenten Nervensägen Fratzen schneiden? Warum nicht Augen verdrehen, am Ohr ziehen und dabei Zunge rausstrecken? Warum nicht vor Freude mit den Ohren wackeln und mit der Nase hupen?Also meine Nase jedenfalls, die kann hupen. Fred sagt, seine könne es nicht mehr, seit es mal darauf gefallen sei. “Ein heftiger Wind hat mich erfasst und fast über die Reling geschleudert. Zum Glück bin ich dann aber doch nur auf die Nase gefallen und nicht ins Meer.” Es verstehe aber ohnehin nicht, was man mit einer hupenden Nase anfangen könne. Mein überzeugtes “Jede Menge” wischt es mit einer Handbewegung weg. Ich glaub, das ist der Neid. Eine hupende Nase, das ist ohne jede Frage eine wahre Bereicherung der sonstigen, standartmäßig vorhandenen Köperfunktionen. Aber was nicht ist, Fred, kann ja immer noch werden!Pce!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hands up

{Warum nicht} Warum nicht: Hände in die Luft. Einfach so. Eins, zwei, drei: Hands up. In der U-Bahn. Im Cafe. Auf der Straße. In der Schule. Im Büro. Überall eben, wo einem der Sinn zu steht. Es doch nämlich eigentlich bemerkenswert, dass schon so eine einfach Bewegung als seltsam, ja verrückt vergenommen wird. Einfach nur deswegen, weil der öffentliche Raum so sehr von Ritualen und Gewohnheiten, von Normen und Regeln überzogen ist, dass kaum jemand nach links und rechts ausweicht. Aber Arme hoch, das ist zumindest für ein paar Sekunden aus dem Korsett ausbrechen. Das ist Protest für Sekunden. Warum nicht? [title:// S. smoking and reaching out for the stars]

IMG_2564

Täglich

Die Strategie dieser Tage: Versuchen zu verdrängen. Das mulmige Gefühl, das sich breit macht, das in der Magenkuhle sitzt und zwickt und ziept, einfach überhören. All die Nachrichten, all die Schlagzeilen, all das Elend, das man gezeigt bekommt und das, das man nicht gezeigt bekommt, runterschlucken und weitermachen. Denn wenn du einmal anfängst, es dir genau anzusehen, wenn du innehältst und dir en Detail ins Auge rufst, was alles so passiert hier, auf diesem Planeten, der ja auch dein Planet ist, dem du nicht entkommen kannst, dann wird deine eigene Fassungslosigkeit dich niederringen. Also lautet die Parole weitermachen und weggucken. Oder hingucken, aber nicht hinfühlen, so tun, als seien es Bilder einer anderen Welt, als würden diese Bilder nichts mit dir und deinem Lebensraum zu tun haben. Als hinge nicht alles unweigerlich zusammen.