Monate: Januar 2014

Photoautomat Berlin

Tage in Berlin: Modulor. Prinzessinengarten. Moritzplatz. Zeit vertreiben. Schlendern. Der Mann, der mir den Automaten erklärt, scheint öfters Fotos von sich zu machen. Er trägt Bart und eine verwaschene Cap zum Fototermin. Das herbe Derbe der Stadt. Der Sisalteppich im Treppenhaus. Der seltsame Geruch in der Küche. Gemüsedöner und jeden Morgen Kaffee im Pappbecher. Der Springbrungen mit der Riesenfontäne vor der Tür. Karl Marx Cafe. Abgelaufene Donuts, aber sehr nette Gespräche. Nachts am Ostbahnhof. Yaam. An der Spree sitzen. Menschen gucken. So viele Menschen. Die Katzen auf dem Hausflur. Blutflecken im Aufzug. Kochbananen. -Over and out-

Berlin

    Berlin, Berlin, Berlin. Sehnsuchtsort der verzweifelten Seelen, die sich selbst irgendwann verloren haben und hoffen, sich hier wieder zu finden. Oder ganz unterzugehen. Aber auch: gutes Revier für Streifzüge. Umherstreifen, die Augen groß, das Herz weit. Alles aufsaugen. Jede Sekunde jede Menge eindrücke. Synapsen auf Hochleistung.

Knittergesicht

[Logbuch] Ahoi Sexy! Feststellung: Selbstporträt klingt hundert Mal epischer als Selfie. Ein Selbstproträt trägt teuren Anzug und Whisky, ein Selfie Hornbrille und Club Mate. Vermutlich. Fred sagt, ich solle nicht an Narziss denken, mit dem es ja nun kein gutes Ende genommen habe. „Wer sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt, wird am Ende darin untergehen“, sagt Fred mit erhobenem Zeigefinger, „oder wie David Foster Wallace gesagt hat: ‚Wenn Sie ihren Körper, die Schönheit und erotische Reize anbeten, dann werden Sie sich immer hässlich finden, und wenn sich Zeit und Alter bemerkbar machen, werden Sie tausend Tode sterben, bevor man Sie dann wirklich unter die Erde bringt‘. Also: Auf dem Boden bleiben meine Liebe.“ Ich konterte, Selbstporträts könnten auch helfen, zu sich selbst zu finden. Aber Fred hörte schon gar nicht mehr, sondern döste am Türrahmen baumelt vor sich hin. -Over and out-

Photoautomat Florenz

Das Warten ist hier wärmer als in Berlin. Und nirgendwo Schatten. Die Minuten zerfließen zähflüssig, wie die Luft, die aber steht statt zu zerfließen und ich mittendrin. Der Automat lockt in Deutsch mit dem Photovergnüngen. Diesmal auch kein Passant, der beflissentlich erklärt, bevor er selbst in der Kabine verschwindet. Nur die Sonnenstrahlen lugen in den Photokasten. -Over and out-

Florenz

Title// [alley] Title// [some dollars I] Title// [some dollars II] Title// [L. picking the money] Draußen ist es kalt und grau. Deswegen in Erinnerungen schwelgen. Florenz im letzten Herbst: Neue und alte Kunst überall. Warme Luft. Enge Gassen. Eine Reihe von Bäumen mit deren Blättern der Wind spielt. Die Sonne – ein Lichtspiel von hell und dunkelgrün. Ein kleines, dickes Baby im weißen Spitzenkleidchen mit kaum Haaren. Die tropfenförmigen, lila blau schillernden Ohrringe seiner essenden Oma. Sie bestellt einen Espresso und Tiramisu.Wir sitzen und gucken. Eine Ruine voller unechter Dollarnoten. Alle Straßenschilder angemalt. Die besten Secondhandshops. Selbstgemachtes Eis am Stiel an jeder Ecke. Die schlechteste Reggaeparty aller Zeiten, trotzdem viel Spaß gehabt. Nackter Mann am Fenster (oh weh, der liebe Alkohol). Nackte Männer ohne Penis im Palast (Napoleon hat sie damals abbrechen lassen, der Olle). Der Kanadier, der mich wegen meiner Dunks heiraten wollte. Nachts die Lichter der Stadt, die sich im Fluss spiegeln. Hier spiegelt sich schemenhaft die Umrisse der Stadt in den Pfützen des Regens, der eigentlich Schnee sein sollte. -Over and out-

Doggystyle

Mit der alten Fressmühle durchs Gelände gejiggert. Wieder einmal festgestellt: Hunde sind die besseren Katzen und eh die besten Homies. Weiterhin bemerkt: Elmo hats drauf mit dem Posieren vor der Kamera. Vielleicht sollte er eine Karriere als Model anstreben. Oder Youtubestar werden. Aber er kann weder Gitarre spielen noch grummlig gucken. Wir also nichts. Egal. Dafür ist er Meister im Stöckchen holen und sich tot stellen (nur der Schwanz, der wedelt immer).  Nach dem Spaziergang vor dem Kamin gedöst, solange bis Haut und Fell aufgeheizt waren. Guter Tag!  -Over and out-

Smoking in the snow

Nach Party gestern gemeinsam mit N. durch den Schnee nach Hause gestiefelt. Darüber sinniert, dass Rückwege einen nicht ganz unerheblichen Teil unserer gemeinsam verbrachten Zeit ausmachen. Wege im Allgemeinen, nicht nur Rückwege. In einem ABC der Freundschaft müsste das auf jeden Fall unter W erscheinen. Wege irgendwohin und irgendwo weg. Seien es Partys, Kinos, Festivals, Urlaube, Theaterbesuche, Wege zur Schule, Wege zur Uni, Wege zur Arbeit, Wege zum Schwimmen, Wege in den Park, Wege zu Bars und Kneipen, Wege zu Supermärkten, in die Stadt und so weiter und so fort. Wahrscheinlich haben wir insgesamt mehr Zeit mit den Wegen zugebracht, als am Ziel. Bei uns trifft und passt der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ wie die Faust aufs Auge. Spaß haben auf einer Party, das kann jeder. Aber auf dem endlos erscheinen Heimweg zu Fuß bei Minusgraden? Da nicht in ein Grummelloch zu fallen und schweigend nebeneinenader herzustapfen, das ist schon schwerer. Wir sind Wegprofis. Eingespielte Wandergesellen. Verläßliche Zugfahrpartner. Ein gutes Team auf allen Wegen halt. Jetzt steht aber erstmal der Weg zur Kaffeemaschine …

Fette Flocken

Es schneit handtellergroße Flocken vom Himmel. Habe überhaupt noch nie so große Flocken gesehen. Direkt die Kleine gepackt, rausgestürmt und Zunge rausgestreckt. Flocken fangen. Das Knirschen der Füße auf weißem Grund und diese friedliche Gedämpftheit der Geräusche. Sanfte Stille schwebt über den Berghängen und Häusern. Jedes Mal, wenn es schneit, der gleiche, ritualisierte Handlungsablauf: Mund auf, Schnee rein Schneeengel machen Schneeball nach der jeweilig anwesenden Person werfen Schneemann oder wahl- und versuchsweise ein Iglo bauen Am Ende dann, durchnässt und durchgefroren nach drinnen flüchten und eingemummelt in warme Decken das Schneegestöber durch die Fenster beobachten. -Over and out-