Monate: September 2014

Ein Katkus platt wie eine Flunder

Das hier ist eine Geschichte für alle, die sich auch mal wie ein platter Kaktus fühlen. Hat man ja hin und wieder, so Kaktustage (steckt ja schon im Wort, die Kacke, haha). Mal nicht zum Lesen, sondern zum Hören. Weil ich technisch so unglaublich gut ausgestattet bin mit Verkehrsgeräuschen und Knacken und Rauschen. Und one take wonder, sowieso, weil ichs kann. Nur auf meinen Ohrringen müsste mal wer die Fingerabdrück abwischen. Aber unser Butler liegt schon wieder betrunken unterm Tisch. Tja, so ist das mit den Bediensteten. Und für alle anderen alkoholisierten, die doppelt sehen oder vielleicht gerade auch gar nichts mehr: Augen entspannen und Ohren auf. Whoop whoop.  Und ansonsten: Keep it real und so.    Ein Kaktus platt wie eine Flunder from Lisa Fred on Vimeo.

Baumbinder: Videolesung

Voll im Videodrehmodus. Schlechtes Videobearbeitungsprogramm: Check. Mittelmäßige Kamera: Check. Eigentlich null Ahnung: Check. Aber Macken machen bekanntlich charmant („ich mach mir die Welt, widde widde widde wie sie mir gefällt!“)und die Schallplatten früher waren doch auch nur so gut, weil sie immer so schon geknackt haben. Danke an die tollste Mitbewohnerin der Welt (yes: abgeschmackte Superlative und oberharte Schleimereien: yummi!) für diesen fancigen Sessel. Konnte ich mir nicht nehmen lassen, den von oben bis unten zu filmen. Damit der auch mal zur Geltung kommt. Allein diese Fransen. Das passt dann auch zum Schallplattenknacken. In diesem Sinn: Play!

Baumbinder

Das Schönste in der Gegend hier war lange Zeit das Klo. Die von der Stadt haben es aufgestellt, damit sie nicht immer an die Häuserwände und die Bushaltestelle schiffen. Das hat auch ganz gut funktioniert. Vielleicht weil das Klo so modern daherkam und es darauf nicht so sehr stank, weil immer ein guter Luftzug durchwehte oder vielleicht auch, weil es angenehmer war mal in Ruhe und unbeobachtet zu pissen. Er weiß es nicht so genau. Manchmal denkt er auch, dass das Klo vielleicht so einen Erfolg hatte, weil es der einzige Ort war, an dem man mal seine Ruhe haben konnte von den Nervensägen. Die anderen halt. Haben ständig was zu meckern alle und immer gibt es was zu diskutieren und selten sind sie sich einig. Er auch nicht. Er ist sich auch nie einig mit den anderen. Aufs Maul gibt‘s nicht mehr so oft. Liegt wahrscheinlich am Alter. Sie haben alle weniger Kraft und weniger Schwung als früher. Das Alter macht sie alle zittrig und sie können schlechter zielen als früher, das auch. Wenn …

Gesunken

Großes erreichen wollen, aber sich nicht einmal ein kleines Bisschen bewegen. Zu neuen Ufern aufbrechen wollen, aber nicht die Segel hissen. Träume, die Träume bleiben und die Resignation, die mit kalten Lippen Todesküsse verteilt, an alles, was sich je ausgemalt wurde. Dann eben nicht und wozu denn auch und geht auch ohne und ist doch egal. Und sich verbieten größer zu denken, stattdessen die Erwartungen dämpfen, die Hoffnung mininieren. Lieber von sich enttäuscht sein, als vom Leben, denn dann hat man immerhin jemanden, dem man die Schuld geben kann.

Rototom

Nachts sind die Wolken über Benicassim fast ebenso rötlich wie der Sand der Berge. Durch die Äste des Mandelbaums lassen sie sich am tiefblauen Himmel beobachten. Dazwischen das Silber der Sterne. Tagsüber flimmert die Luft am Strand und das Meer in allen Nuancen von Türkis und die Bäume machen Geräusche.  Oder wohl eher die Tiere in den Bäumen. Ein knarzendes Surren, das an- und abschwillt und sich in die herüberschallende Musik mischt.  Ich liege in der Hängematte meiner Zeltnachbarn und lasse alles baumeln, was man so baumeln lassen kann: Die Füße, die Arme, die Haare, die Seele. Lu lässt auch baumeln. Es ist der letzte Abend und obwohl ich mich auf ein richtiges Bett und allerlei anderes Komfortables freue, wird mir mit einem Blick auf die uns umgebende Szenerie klar, dass ich auch eine ganze Menge vermissen werde. Genau diesen Moment zum Beispiel. Unter freien Himmel in der Hängematte dösen, der Wind pustet dir die Schweißperlen von der Stirn, von überall Musik. Oder: Den ganzen Tag am Meer verbringen, umgeben von lauter Dreadheads und Friedenspfeife …

Nichtstun

[Logbuch] Alle machen irgendwas. Fred und ich liegen rum und betrachten die Lichtpunkte, die durch die Jalousie fallen. „Hast du auch manchmal diesen Drang Großes vollbringen zu wollen, irgendetwas zu leisten?“, fragt das Faultier. „Schon“, sage ich, „irgendwie. Aber ich kann nicht benennen, ob das mein Drang ist oder nur die Auswüchse der Leistungsgesellschaftspropaganda, die meine Gedankenströme konterminieren.“ „Ja“, sagt es und schweigt eine Weile, „kenne ich. Wo nehmen die nur alle die Kraft her?“ „Am Kaffee kann’s nicht liegen“, sage ich,“ mehr Kaffee als wir kann man eigentlich nicht trinken ohne einen Herzklabaster zu bekommen.“ „Vielleicht brauchen die keinen Kaffee. Weil die unter Dauerstrom stehen. Vielleicht sind die einfach so aktiv. Immer.“ „Immer?“, ich mache große Augen. „Immer“, flüstert Fred und macht noch größere Augen. „Dann ist es vielleicht gut, dass es uns gibt“, sage ich, „wegen Ying und Yang. Balance halten und sowas. Stell dir mal vor, alle wären so. Das würde die Erde bestimmt nicht lange mitmachen. Die würde implodieren vor lauter energiegelandener Menschen. Wir retten also quasi gerade die Welt.“ „Wir …

Liebesbrief an das Mädchen ohne Arm

(Zeichnung: U.Ulusoy)  Schon die Überschrift ist so unglücklich gewählt, dass ich sie entweder noch ändern oder diesen Brief niemals werde abschicken können. Was du daran verabscheuen würdest:1) Das Wort Liebe in Liebesbrief. (Du hältst es sicher für eine furchtbare Illusion. Schlimmer noch für eine abgeschmackte Ideologie. „Du liegst falsch. Ich halte es weder für eine Illusion, noch für eine Ideologie. Sondern schlicht für eine schlechte Idee. Mitunter haben natürlich auch schlechte Ideen so ihre Magie. Aber das sind flüchtige Glanzpunkte in der Düsternis“, würdest du kontern. Was sollte ich darauf erwidern?) 2) Dass ich dich Mädchen nenne. (Nicht, dass du es zugeben würdest oder mir gar mit irgendwelchen feministischen Argumenten kommen. Aber im Stillen würdest du mir doch unterstellen, ich wolle dich degradieren. Dabei finde ich Mädchen schlicht zärtlicher als Frau. Aber selbst diese Zärtlichkeit empfändest du sicher als eine Zumutung.) 3) Das Attribut ohne Arm. („Als wäre es das einzige, was mich ausmacht. Als wäre es das, was mich definiert“, würdest du mit Nachdruck flüstern, so wie du immer flüsterst, wenn es dir ernst …

Nicht jeder Affe trägt Frack

[Logbuch] Das Faultier hat einen Affen mitgebracht.  „Hallo, ich bin Murks“, sagt der Affe. „Murks?“ „Genau, Murks. Wie vermurkst. Meinen Eltern haben einen schrägen Sinn für Humor.“ „Du hast gar keinen Frack an“, stellt der alte Mann, der gerade zur Tür hereinkommt, verwundert fest. Ganz so, als ob sich Affe und alter Mann schon Ewigkeiten kennen würden und so als ob der Affe seit all diesen Ewigkeiten Frack getragen hätte. Dabei kennen sie sich erst genau diese Minute lang, die der alte Mann jetzt im Zimmer steht. „Nicht jeder Affe trägt Frack. Am Besten noch in Rot und mit goldenen Knöpfen. Also echt“, der Affe schnaubt empört, „es mag auch nicht jeder Affe Bananen.“ „So isset“, steigt das Faultier mit ein, „und nicht jedes Faultier ist faul.“ „Verstehe“, sage ich. „Was“, fragt das Faultier. „Warum ihr so gut harmoniert. Einer mag keine Bananen und einer ist eben nicht faul.“ „Das kann ich eigentlich nicht bestätigen“, sagt der Affe mit Blick auf das Faultier. „Und ich kann nicht leugnen, dass du dir allezuoft drei Bananen auf …