Monate: Dezember 2014

Dosentelefonrevolution

[Logbuch] „Ich habe einen Plan“, sagt das Faultier. Es hat die Hände hinterm Rücken und grinst schelmisch. „Lass mich raten“, sage ich. Das wird leicht. Denn das Faultier hat seit eh und je, also genau genommen seit es auf der Welt ist, genau zwei Aufträge. Erstens faulenzen und zweitens andere zum Faulenzen zu bewegen. „Nein!“, sagt das Faultier, „für Ratespiele haben wir überhaupt keine Zeit. Pläne wollen umgesetzt werden. Tadaaa.“ Es zieht die Hände nach vorn und präsentiert mir ein Dosentelefon.  Des Faultiers neue Wunderwaffe… „Jetzt guck doch nicht so doof“, sagt es. „Ich verstehe es nur nicht“, sage ich.  „Drei Worte in einem“, sagt das Faultier, „dann ist alles klar. DOSEN-TELEFON-REVOLUTION.“ Ich nicke langsam mit schräg gelegtem Kopf und betrachte das Dosentelefon. „Du guckst immer noch genauso. Du bist doch sonst nicht so schwer von Begriff.“ „Jaaaa“, sage ich gedehnt, „Dosentelefonrevolution.“ „Genau“, sagt das Faultier,“ pass auf, es ist ganz einfach. Wir ersetzen jedes Smartphone dieser Welt, jedes Handy, jedes normale Telefon durch ein Dosentelefon. Das wird die Welt auf einen Schlag verändern. Es …

Blumentopflayouterin und andere Zukunftsperpektiven

Wie immer über Weihnachten: Sehnsuchtsvolles Warten auf deine Rückkehr. Vertreibe mir die Zeit damit häßliche Skizzen von deinem Kaktus anzufertigen und ihm neue Muster für seinen Blumentopf zu entwerfen. Zukunftsperspektive: Blumentopflayouterin.  Gestern seltsames Gespräch über meine partnerschaftliche Entwicklung geführt. Werde in letzter Zeit ständig mit Ansichten konfrontiert, die ich gefühlt einer längst vergangenen Zeit zugeordnet hätte.  „Und was ist bei euch der nächste Step?“ „Wie der nächste Step?“ „Na ja, zusammen ziehen oder so?“ „Achso. Ja. Da ist noch nichts geplant. Also wenn dann sowie nur mit L.“ „Wie? Nur mit L.?“ „Na ja sie ist meine Beste. Ohne sie zieh ich nirgendwo hin.“ „Aber du kannst doch nicht ewig mit deiner besten Freundin zusammen wohnen.“ „Doch. Kann ich.“ Abwinkende Handbewegung : „Ach vermutlich wird sich das eh von allein auseinanderleben.“   Direkt dramatisches Szenario vor Augen: Wir verabschieden uns voneinander, du schenkst mir zum Abschied den Kaktus. Er wird mein einziger Gesprächspartner während langer Arbeitstage von U. sein. Während meiner Arbeitspausen kann ich niemanden im Nebenzimmer besuchen. Niemand wird da sein und mir in …

Über Freeletics und darüber beim Sport nicht auszusehen wie Britney Bitch, sondern ein oller Heckenpenner.

[Logbuch] Freeletics ist eine Wunderwaffe mit Arschlochattitüde  „Alter“, sagt das Faultier, „das ist doch nicht mehr normal. Alle anderen Menschen sind damit befasst, Kekse in sich reinzustopfen und du machst Kniebeugen und Klimmzüge wie Arnold Schwarzenegger auf Koks.“ Ich antworte nicht, weil mir die Luft fehlt. Schweißperlen auf meiner Stirn. Das Faultier steckt einen halben Schokoweihnachtsmann in den Mund. „Weißt du, als du anfangen hast, da dachte ich noch: Ok, das ist jetzt so eine Phase. Das geht eine Woche so und dann ist gut. Aber das geht jetzt seit elf Wochen so und neun davon diese kranken Übungen, von denen mir schon beim Zugucken ganz schummerig wird.“ Ich mache eine Pause. „Du hast Schokolade am Mund“, sage ich. „Du hast den Glanz von Selbstoptimierungswahn in den Augen“, sagt es. Vielleicht hat es Recht. Mein Ziel war, wieder fitter zu werden. Die Treppen hochzukommen, ohne oben fast umzufallen. Mehr Energie und… „Einen strafferen Arsch“, sagt das Faultier, „Muskeln aus Stahl. Schreib es, wie es ist. Du bist übergelaufen. Du bist jetzt ein ATHLETE. Du zwingst …

Dinge, die ich tun werde, wenn die Bachelorarbeit fertig ist…

mich heillos abschießen, meine Alkoholabstinenz beenden und drei Tage wach und dann eine Woche Kater* knutschen, knutschen, knutschen das Bett eine Woche nicht verlassen in meinem Ganzkörpereinhornkostüm eine Woche auf dem Frankfurterplatz tanzen und Glitzer streuen  L. zwingen, in meinem Teddykostüm auf dem Frankfurterplatz zu tanzen und Konfetti zu werfen mich in die Bibliothek setzen und Trivialliteratur lesen nur noch schreiben, was ich will mit dem Teppich und Fred über die Dächer der Stadt fliegen und in Schornsteine rülpsen die Anleitung der Canon AEwasweißich solange durchlesen  bis ich endlich Fotos damit machen kann all meine Buntstifte anspitzen zu Ehren der Vice einen Modeblog eröffnen draußen aufm Frankfurter mit den „Feierfreudigen“ einen heben Alle Stafeln Greys Anatomy rückwärts gucken, das ist dann so eine Art „Der seltsame Fall der Meredith Grey“ Zu jeder einzelnen Socke in meiner Sockenschublade das passende Gegenstück finden ein Haus bauen das Design des Blogs upgraden den Backofen reinigen Fred ne Hängematte häkeln

Der Wahnsinn der Zeiten

Durch den Park joggen. Vor Augen die eben gelesenen Nachrichten. Eine Art mehrdimensionale Sicht in der sich scheinbare friedliche Alltäglichkeit mit anderswo stattfindendem Elend mischt.  Frage mich die ganze Zeit, was Erich Kästner davon gehalten hätte, das Pegida-Demonstranten seine Sprüche auf ihre Plakate schreiben.  Da wohnt einer der Verbrennung seiner eigenen Bücher bei* und wirst posthum für die „deutsche Sache“ instrumentalisiert. Wenn es nicht so unendlich traurig wäre, wäre diese infame Dummheit ja schon wieder lustig. Wie weitermachen? Einfach weitermachen und tun, was getan wird, ohne das es noch wirklich getan werden kann*. Ich beruhige mich mit: Hier ist es ja noch friedlich. Aber das ist erstens abgefuckt und zweitens eine schlechte Lüge. Dieser Drang jetzt sofort mit allem aufzuhören, mich auf irgendeinen Platz zu setzen und vor mich ein Plakat mit „Jetzt lasst doch die Scheiße“ aufzustellen und vielleicht noch eine Kerze – Kerzen kommen immer gut – und nicht weiterzumachen, bis entweder die Welt eine ist, in der ich mir wieder eine Zukunft vorstellen kann oder ich halt von einem Panzer überrollt werde. …

Bachelortagebuch II

Überall Bücher. Auf dem Tisch, auf dem Fußboden, im Bett. Schlafe dazwischen, esse dazwischen, lebe dazwischen. Besser wäre, ich würde darin leben. Aber weil ich die ganzen Bücher ausgeliehen habe, kommt es mir schon so vor, als hätte ich super viel geschafft. Dieser Trugschluss ist der beste Freund der Prokrastination. So nach dem Motto: Jetzt erstmal erholen. Ich habe schon so viel geschafft… Jedes Mal wieder, wenn ich auf die Bib zulaufe, mein Erstaunen ob ihrer exorbitanten Häßlichkeit. Die Ästhetik des Architekten ist und bleibt ein Faszinosum. Darüber sollte mal jemand eine Bachelorarbeit schreiben. Dieser Waschbeton, dieser fleckige orange Teppich, dieses Schwerfällige des Baus. Und ich glaube, in der ersten Etage hat jemand von außen gegen des Fenster geschissen. Es sieht zumindest so aus. Und ich frage mich: WIE? Highlight des Tages: Pizza Magaritha für 2,80 Euro (Die Kleine).  Der Pizzabäcker guckt auf seinem Tablet eine Serie und scheint dabei sichtlich Spaß zu haben. Zumindest lacht er laut und ausgiebig. Spiele mit dem Gedanken Pizzabäckerin zu werden. Überhaupt häufen sich derartige Fluchtgedanken: Markthändlerin, Kellnerin, Harzt …

Arsch auf Grundeis

Alle Bilder von Melis Sivasli Arsch auf Grundeis.  Hinter der Bühne tanzen sie. Ich nicht. Ich bin schon froh, dass ich mich noch auf den Beinen halten kann. Wünsche mir inständig und quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk eine „bad-ass-nichts-kann-mich-schocken-cold-as-ice-attitude“. Sie kommt nicht. Offensichtlich hat der Weihnachtsmann gerade besseres zu tun. Stattdessen nehme ich alle zwei Sekunden einen Schluck Wasser, aber statt dass mein Mund aufhört trocken zu sein, bekomme ich nur Angst gleich ganz dringend auf die Toilette zu müssen und genau deswegen meinen Auftritt zu verpassen. Ich lehne mich an die Heizung und drücke meine Hand gegen die Brust, damit mein Herz nicht vor Aufregung raushüpft. Während ich noch überlege, ob es gut wäre, wenn ich anfangen würde – jetzt sofort – harten Alkohol zu konsumieren und ob ich mir dafür einen Flachmann zulegen sollte, sagen sie mich an. Also: Backen zusammen kneifen und raus da. Erste Feststellung: Das Gute am Spotlight ist, dass man das Publikum nicht sehen kann. Zweite Feststellung: Niemand bewirft mich mit Tomaten. Dritte Feststellung: Es ist schön hier zu stehen …

Bachelortagebuch

Tausend Notizen, aber kein Plan. Alles, was den letzten Stunden lesen in meinem Kopf hängen geblieben ist: Blake und die betrunkene Fee. Ich stelle mir eine betrunkene Fee vor, die auf meiner Fensterbank umherspaziert (eher: torkelt), wilde Reden schwingt, mit Feenstaub um sich schmeißt und irgendwann das Röckchen runterzieht, den nackten Hintern ans Fenster drückt und lautstark alles und jeden beleidigt. Komme nicht umhin, das eine ziemlich starke Vorstellung zu finden. Kann aber in meinem Geisteszustand, der dem der Fee vermutlich erschreckend ähnlich ist, nicht mehr beurteilen, ob sie dies wirklich ist. Die besoffene Fee weiß dazu keinen Rat.