Monate: Januar 2015

Abriss

[Logbuch] „Wir könnten eine Party feiern“, sagt Faultier. „Jetzt?“, frage ich. „Jetzt“, sagt es. „Warum?“, frage ich. „Mir steht der Sinn nach Abriss“, sagt das Faultier, „also schmeiß ein Brett von einem Drumnbasstune an und lass uns raven.“ Man kann es sich kaum vorstellen: Ein tanzendes Faultier. Ja, der Anblick ist selten, rar, aber doch: Es gibt ihn. Und wenn es denn mal tanzt, so ein Faultier, dann mit Herz, Seele und jeder Menge Körpereinsatz. Mit Armen wie Schlangen und Beinen aus Flummigummi. Mit zuckenden Augen und muckenden Gliedern, jedes will in eine andere Richtung. Mit wippender Nase und kickenden Füßen. Man kann es kaum vorstellen, aber wenn man es einmal gesehen hat, ein Faultier, das tanzt, dann kann man es nie mehr vergessen.

Täglich

Es schneit und niemand will mit mir vor die Tür gehen. Dabei ist es das Schönste überhaupt. Alleine Schneeflocken fangen geht auch, es bleibt auch mehr für einen selbst übrig, ist aber irgendwie nicht ganz so schön und beim Schneeengel machen wird man ganz alleine seltsam angeschaut und kann bloß so vor sich hin lachen. Das irritiert die vorbeikommenden Leute enorm. Was solls, yolo und so weiter. Kann man ja heute als Entschuldigung für alles verwenden. Natürlich ist der Schnee am nächsten Tag weg. Es graupelt nur noch und alles ist Grau in Grau. Dafür hat L. eine Überraschung parat: Sie hat es endlich vollbracht und ihre Unterwasserkamera zum Entwickeln gebracht. Jetzt steht sie mit dem Packen Fotos in meinem Zimmer. Gruß aus dem letzten Sommer, sozusagen. Bisschen das Fernweh befeuern, bisschen in Erinnerungen schwelgen. Bisschen davon träumen in Hängematten zu hängen und auftauchendes U-Boot zu spielen. Bisschen über seltsame, aber sorgsame Kopfbedeckungen lachen. Bisschen darüber staunen: So braun war man mal. Rototom, es war so schön mit dir.  

Anhören!

  Klikk auf das Bild (Bild via Porombkas Twitter) Heute mal watt zum Sinnieren. „Ökologie der Kreativität“ von Stephan Porombka. Der leider, leider, leider meine Uni verlassen hat, um in Berlin zu lehren. Deswegen muss ich manchmal fast ein bisschen weinen. Oder mit dem Gedanken spielen nach Berlin zu ziehen. Jedenfalls: Bedauern. Aber hin und wieder hat man Glück und ein solcher Vortrag findet sich im Internet.  <3

Gina goes green…

… Ich jetzt auch. Ja, ich bin eine begnadete Zeichnerin! Die liebe Gina von ofrootsandroads.com hat sich gleich mal zu Beginn des Jahres eine Challenge gestellt: Für die nächsten 90 Tage will ich mich komplett pflanzlich ernähren und dabei auch von möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln. Es soll viel mehr selbst gekocht werden und ich werde regelmäßig ein Chaos in der Küche veranstalten. Ich will mich nicht ständig davon leiten lassen, was gerade “einfach” oder “bequem” ist. Stattdessen, fordere ich mich selbst heraus, wohl wissend, dass es das Beste ist, was ich derzeit für meinen Körper und meine Seele tun kann. (den ganzen Artikel gibts hier) Damit hebt sie ihre Begeisterung für grüne Smoothies auf ein neues Level. Hier jetzt eine lange Abhandlung darüber zu schreiben, wie grundlegend, wichtig, bedeutend, essentiell Ernährung für jeden einzelnen ist, das kann ich mir wohl sparen. Das weiß doch jeder, oder? Oder vielleicht auch nicht. Ich zum Beispiel weiß es eigentlich und handle trotzdem oft nicht danach. Aus Gewohnheit, nehme ich an, und ja,ja, ich gestehe vor allem auch aus …

Täglich

Drei Springerstiefelglatzenlionsdaletypen am Bahnhof. Seit Neuesten sieht man das wieder öfter. Die offen aufgetragende Ideologie erscheint denen die sie tragen scheinbar wieder als salonfähig.  Überhaupt fragt man sich ja in Zeiten wie diesen wann und um Gottes Willen (lustige Wendung in diesem Kontext!) warum Menschenverachtung so vielen so cool erscheint*. Zumindest frage ich mich das.  Und am Liebsten würde ich das schreien.Einfach so, mitten im Bahnhof, Arme ausbreiten, leicht in die Knie gehen und mit voller Inbrunst „Warum“ brüllen. Mehrmals. Weil das die Frage ist. Warum. Warum. Warum. Vielleicht würde jemand vorbeikommen und es mir erklären, jemand der sehr, sehr, sehr weise ist. Vielleicht würde aber auch jemand vorbeikommen und mich wegsperren ohne mir was zu erklären. Ich habe ohnehin die Vermutung, dass niemand eine genaue und umfassende Antwort auf die Frage „warum“ geben kann. Dieses unerträgliche Gefühl, dass du in einer Welt lebst in der du nicht leben willst.  Und dann: Macht die Frau am Infoschalter der deutschen Bahn es möglich, dass du mit deinem Studententicket den ICE nehmen darfst, weil du aufgrund von …

Analoger Input.

Hier kommt eine Ladung Analoges, die hat für jeden was dabei! Sonnenuntergänge – für Romantiker. Spottet: Trends auf dem Flohmarkt – für Shopaholics und Retrofetischisten. Weihnachts- und Wandschmuck (gefunden in unserem Treppenhaus, ja, hier knutscht man noch im Treppenhaus) – für Dekorationstippssuchende. Partypeoples, die vorfreudigst auf meine Lesung warten – für alle anderen Partypeoples. Und das alles mit einem Augenzwinkern. Schön!        

Täglich.

L. und ich sind in unserer Höhle. Zeitzeltlochhöhle. Alles was draußen ist, zählt hier nicht. Nicht mal die Zeit. Und alles was drinnen passiert, spielt da draußen keine Rolle. Wie lange wir bleiben, wissen wir nicht. Am Liebsten für immer. Je nachdem wie lange der Abwehrzauber hält oder so. Aber er ist ziemlich stark, so viel kann gesagt werden. Weil wir einander haben und einandern lieben und dann ist es ziemlich leicht so einen Zauber zu zaubern.  Ich mache eine Körperreise. Über Youtube. Yoga ist mir zu anstrengend. Amiena Zylla sagt „Du hörst das Wasser“. Damit hat sie Recht. Ich höre tatsächlich Wasser. Die kaputte Dusche tropft. Der Handwerker, den die Vermierterin geschickt hat, kann das nicht reparieren. Das überrascht niemanden. Nicht mal den Handwerker. Ich frage: Woher weiß sie das, die gute Zylla? Anscheinend machen Körperreisen hellsichtig. Aber ich bin zu zapplig, um sie zu Ende machen und gehe wieder ins Bett.  Ansonsten passiert eigentlich nichts.

Täglich

Neuer Mitbewohner. Mit L. Ausflug zu Real gemacht. Total abgefeiert. Vom Produktangebot erschlagen. Wunderwarenwelt. Guck mal, alter, KÄSETHEKE. Konsumrausch: Papaya und Sternfrucht und Passionsfrucht gekauft. Alpro Soya reduziert. 1,45 Euro. Lieblingssorte (Apfelstrudel) Normalpreis. Kurz mit L. diskutiert ob einen Käse und Alpro Soya kaufen vertretbar oder eine ethische Farce ist. Darauf verwiesen, dass man jemanden, nur weil er eine gute Tat tut, nicht vorwerfen kann, nicht direkt das ganze Universum zu retten.   Um eins vor eins (nachts) U. Kaffee gemacht. Versucht Kaffeesatz aus dem Bodum im Müll zu entsorgen, wegen Horrogeschichten über von Kaffeesatz vertopften Rohren. Schnell aufgegeben, weil kein Löffel zum Auskratzen zur Hand. Auch egal, hier fällt ohnehin alles auseinander.  Mängelliste unserer Wohnung: Gummis in den Türrahmen fallen ab (sämtliche!), Hahn für Heißwasser in der Dusche lässt sich nur mit viel Druck zudrehen, ansonsten dreht er kurz ein bisschen ab und dann das Wasser wieder voll auf. Haustür schließt nicht mehr ohne das man abschließt, das Wasser lässt sich nicht abstellen, Licht im Hausflur kaputt. Jedes Mal abwägen: Im Falle eines Falles schweren …