Monate: März 2015

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Ne, ist nicht richtig.

Liebe Heidi Klum, oh du Wunder der Natur, das sich vor laufenden Kameras einen Döner reinschiebt und überlegt sich noch einen zweiten zu bestellen und dass bei deiner Magerkeit. Wie machst du das nur? Ist das wirklich, weil du rauchst? Oder, oh weia, war das nur gespielt mit dem Döner? Oder hast du’s danach im Busklo gelassen? Auf gleichem Wege raus wie rein? Ach ja, ist ja irgendwie doof, wenn der eigene Körper einem nicht gehört, andere sich anmaßen Entscheidungshoheit zu besitzen und ständig spekuliert wird, was da jetzt los ist: Ist das noch normal oder schon ungesund? Ist das nur eine Diät oder schon Magerwahn? Ist das, weil du für deinen jungen Lover „super“ aussehen willst? Da kann schon sehr ärgerlich sein, dieses Gefühl der eigene Körper gehört einem nicht und man sei Eigentum der Öffentlichkeit. Das macht wütend. Wut braucht Kanalisation. Wie bei allem gibt es da leichte und schwerere Methoden. Manche gehen joggen, manche brüllen ihre Partner an, manche boxen in Kissen, manche knirschen mit den Zähnen, manchen machen Yoga, manche trinken …

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Das ganze Leben ist eine Beule im kosmischen Gleichklang.

Gespräch mit meinem imaginären Freud: Freud: “Setzen Sie sich” Ich setze mich auf das nicht vorhandene Sofa Freud: “Was brennt ihnen auf der Seele?” Ich: “Hmpf” Freud: “Na ja. Sie müssen schon Klartext reden. Die Hosen runterlassen.” Ich: “Ich trage Opaschlüpper.” Freud: “Ich nehme an, dabei handelt es sich nicht um ihr eigentliches Problem.” Ich – druckse herum. Ich: „Bin ich tatsächlich ein armes Würstchen? Bin ich krank? Weil ich den Unterschied kenne? Weil ich weiß wie sich mein Bauch mit und wie sich mein Bauch ohne dieses Gefühl anfühlt? Oder bin ich einfach nur faul? Bin ich ein Simulant, weil ich diese Dinge – ja was? Empfinde? Zu empfinden denke? Weil ich sie nicht abstellen, sie nicht runterschlucken kann? Bin ich depressiv? Weil mir das Leben so grausam, so unfair, so chaotisch, so sinnlos erscheint? Weil ich nicht sagen kann, dass das hier wundervoll ist oder weil es so aussieht, als könne ich nicht sehen, was für ein Glück ich hatte, im Vergleich zu anderen? Weil es mir nicht gelingt, zu verhindern Schmerz zu …

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Schatzsucher sein.

“Heute war ich fleißig”, sagt das Faultier. “Was hast du denn gemacht”, frage ich es. “Ich habe Dinge gesucht.” “Wusste gar nicht, dass du was verloren hast.” “Ne”, sagt es. “Wie ne?” “Ne, ich habe ja auch nichts verloren.” “Wieso hast du denn dann etwas gesucht?” “Ich habe Dinge gesucht, die ich nicht verloren habe und nicht vermisst habe und von denen ich vorher auch nichts gewusst habe.” “Wofür?”, frage ich. “Ich bin Schatzsucher”, sagt es, “es ist mein Job Schätze zu suchen”, es grinst, zieht an seiner Pfeife und rückt sich mit der nicht die Pfeife haltenden Hand die Kapitänsmütze zurecht. “Ich dachte, Kapitän sein ist dein Beruf.” “Es ist immer nie gut wenn du denkst”, sagt es, “schau, es ist doch so: Wenn zwei Jobs so sehr Hand in Hand gehen wie Avocado und Tomate dann jawohl Kapitän und Schatzsucher sein.” “Avocado und Tomate?” Ich runzle die Stirn. “Also, weißt du, was manchmal wirklich doof an dir ist? Dass ich dir immer so viel erklären muss und zwar die unwichtigen Dinge, da stellst …

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Dönerbox

“Wahnsinn”, sage ich, “Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn.” Immer wieder. Ich bin ausgelassen und aufgeregt oder aufregend ausgelassen, elektrisiert euphorisch. Mein Herz scheppert mit einer 200ter Taktfrequenz in meinem Brustkorb und ich habe das Gefühl selbst zwei Tage Chillout würden mich nicht von diesem Trip runterholen. Zwischen den vielen Wahnsinns tanze ich mit zappligen Gliedern und klatsche so enthusiastisch in die Hände wie die schmachtenden Renterinnen auf Florian Silbereisens Schlagershows. Das Faultier popelt in der Nase und betrachtet mich dabei mit schief gelegtem Kopf. “Ist doch geil, oder? Oder? Oder?” Ich steppe zum Faultier und komme ihm nasenspitzennah. “ODER?”, frage ich noch mal. “Chill mal deine Basis”, sagt das Faultier und schnipst einen Popel aus dem offenen Fenster. “Fifty fifty”, sagt es. “Fifty fifty was?”, frage ich. “Fifty fifty, dass es jemanden trifft, der es verdient.” “Schön”, sage ich, “aber geil, oder? Supergeil sogar.” “Mhm”, sagt das Faultier, “ist toll.” “Ist es echt”, sage ich, “so lange, sooo lange habe ich gewartet und gewünscht und gewartet und geschrieben und wieder gewartet und wieder geschrieben und plötzlich stehst …

Suchbild. Finde die Vans.

Melonen schmeißen

Ich bin oft sehr wütend. Ich schmeiße dann Dinge durch die Gegend. Oder ich schreibe Texte darüber, wie ich Dinge durch die Gegend schmeiße. Dabei geht nicht ganz so viel kaputt. Einen davon hab ich gestern vorgelesen. Bisschen Bambule in Textform. Für alle anderen, die auch wütend oder traurig sind. Und für die mit Hinterkopfgrauhaarfetisch. Besonder für die. Mehr zum dem Programm “Partnerschaft für Demokratie” gibt’s zum Beispiel hier und zu der Auftaktverstaltung hier Das Foto ist nicht von mir, sondern von hier (Braunschweigheute)  

Weil ich kein aktuelles Bild von mir vom Weinen habe, hier ein Altes. Sieht ähnlich aus, nur das ich jetzt mehr Falten habe.

Über ein Fastpferd und Trauerspiele in der Badewanne.

Das hier ist eine Geschichte darüber, wie ich fast ein Pferd bekommen habe und dann doch nicht. Oder, wenn man so will, eine Geschichte darüber, wie scheiße das Leben ist. Klar, wer schon mal einen Text von mir gelesen hat, wird sich denken: Ist ja nichts Neues. Erzählt die ja gerne. Alles mies und so weiter. Die alte Leier. Aber jetzt, ja jetzt lieber Leser, jetzt habe ich Beweise und gestern, ich gestehe, war ich kurz davor das Gegenteil zu behaupten, aber dann kam alles ganz anders und was mir jetzt bleibt, ist mich an so semiklugen Kalendersprüchen festzuhalten oder doch noch religiös zu werden. Alles hat seinen Sinn. Die Wege des Schicksals sind unergründlich. Wenn sich eine Tür schließt… Ach komm. Fickt euch. Das Sinnvollste scheint mir da immer noch, den selbstgebrannten Sliwowitz (natürlich nicht hier selbstgebrannt, liebe Behörden, sondern dort, wo man echtes Handwerk noch schätzt, aber das ist jetzt ein anderes Thema, ich wollts nur gesagt haben, nicht das zu allem Übel morgen noch die Krippo klopft, kennt man ja, noch so …

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Das Nichts und ich.

Es gibt Tage, da ist nur noch Wut. Oder schlimmer noch das Nichts. Wut ist immerhin etwas. Wut kann man im besten Fall kanalisieren und im schlechtesten Fall explodieren lassen. Das Nichts kann man nur aushalten und eigentlich trifft es das nicht, das Nichts kann man nur abwarten. Das ist ein elendes Warten. Ein Warten ohne Ende in Sicht, weil wenn das Nichts einmal da ist, fühlt es sich stets so an, als würde es immer bleiben. Das Nichts lässt keine Antworten, keine Fragen, keine Träume, keine Ideen, keine Hoffnung am Leben. Das Nichts löscht alles aus. Man kann es beobachten, indem man versucht zu träumen während das Nichts da ist oder Pläne zu schmieden oder Ideen auszuarbeiten. Das Nichts wird es unmöglich machen. Den Anfangsgedanken, den bekommt man vielleicht noch zu fassen, aber dann steigt jenes säuerliche Gefühl in einem auf und man spürt wie sich jede Regung in einem zusammen zieht und ganz klein und schrumpelig wird. Der Geist, der erstickt, das ist das Nichts. Es ist der Widerhall von dumpfer Leere in …

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Instanbul. Ein Reisebericht ohne wirklichen Bericht, dafür mit viel Wut.

Der folgende Text ist weniger ein zusammenhängender Reisbericht, als ein Blick in mein Notizheft. Es ist nicht witzig und vielleicht auch nicht sonderlich gewitzt. Dafür war (bin) ich zu wütend, zu traurig, zu hoffnungslos. Ich könnte hier jetzt viel Spaß beim Lesen wünschen, damit wenigstens ein bisschen Ironie am Start ist. Aber ich denke, manchmal ist halt nur Schmerz. Und das ist okay. Ganz im Sinne Erich Fromms: Glücklich der, der ein Symptom hat. Instanbul. Was bleibt von dir du wahnwitzige Stadt? Der Geruch von Fisch? Die Angler auf der Brücke? Das Rufen des Muezzin? Der Geschmack von Simit? Die knalligen Farben von Gewürzen und die Mischung fremder Sprachen auf dem Bazar? Das Surreale der Prinzeninseln? Das Gaumenkitzeln von Baklava? Das Herzpochen nach drei türkischen Mokka? All das irgendwie. Aber vor allem: Die Sache mit den Frauen. Diese elende Sache mit den Frauen und meine Wut. Meine immer weiter schäumende Wut. Selbst bei Kleinigkeiten. Der Selbstverständlichkeit mit der sich die Männer von den Frauen bedienen lassen. Und ich sage gleich vorweg: Ich will nicht, dass …

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Die Relation von Zigarettenspitze und Traurigkeit.

Das Faultier sitzt in der Badewanne, es trägt seine Kapitänsmütze und weint. “Was ist los”, frage ich, “und warum sitzt du ohne Badewasser in der Badewanne?” “Ich bin unglücklich”, sagt das Faultier, “von Herzen und ohne Wenn und Aber.” Es zieht an seiner Zigarettenspitze. “Seit wann rauchst du?”, frage ich. “Seit ich so furchtbar traurig bin”, sagt es. “Ich finde zu echtem Traurigsein gehört eine Zigarettenspitze.” Ich nicke. Insgeheim glaube ich, das Faultier hat zu oft Frühstück bei Tiffany gesehen. “Und warum bist du unglücklich?”, frage ich. “Ich habe keinen Grund”, sagt das Faultier, “brauche ich auch nicht. Man kann auch einmal ohne konkreten Grund traurig sein. Besonders sonntags. Der Sonntag bietet sich geradezu an, zum Unglücklich sein und Rauchen.” “Na gut, wenn ich dir irgendwie helfen kann, sag Bescheid”, sage ich und mache Anstalten, das Badezimmer zu verlassen. “Duuu”, haucht das Faultier theatralisch. “Ja?”, sage ich. Es schaut mich mit großen, glasigen Faultieraugen an und blinzelt ein wenig. “Könntest mir helfen. Kannst du gucken, ob am Kiosk um die Ecke Champagner gibt? Es wäre …