Monate: Mai 2015

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Nichtstun ohne Grund

Sie wollen ja immer, dass du etwas machst. „Und wie geht es jetzt weiter?“, fragen sie. „Was machst du jetzt, wo du den Bachelor in der Tasche hast?“ Und es wird einem klar, dass alles eine Illusion war. Dass du den Forderungen nicht entkommen wirst, nicht mal mit Professur in der Tasche oder sonst einer dieser gepriesenen Errungenschaften. Ausgenommen einer Festanstellung bei VW vielleicht. Da wähnt dich jeder in trockenen Tüchern. „Nichts“, sagst du. „Der Sommer klopft an der Tür. Ich mache ihm auf.“ „Ja aber irgendwie muss es doch weitergehen!?“, betonen sie voller Bestürzung. Sie sehen dich schon Formulare ausfüllen, die dir ein Leben auf Kosten ihrer Steuergelder möglich machen. Sie sehen dich keinen Beitrag leisten. Sie sehen deine Felle wegschwimmen. Und dich gleich hinterher den Bach runtergehen. „Hör mal“, möchtest du sagen und ihnen dabei zärtlich über die verängstigenden Köpfchen streichen, „ich verrate dir jetzt etwas Grundlegendes über das Leben: Es geht immer weiter. Unabhängig davon, ob man etwas tut oder nicht. Das interessiert das Leben ganz und gar nicht. Du kannst dich …

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Das Gold und das Grün.

Ich kann es nicht mehr hören. Haltet einfach die Schnauze. Wenn ich noch einmal von irgendeinem von euch „aber das geht doch nicht“ oder „du wirst noch sehen, das wird so nicht funktionieren“ höre, dann raste ich vollständig aus. Es interessiert mich auch überhaupt nicht. Ich habe nicht nach eurer Meinung gefragt. Warum nur? Warum nur meinst du, berechtigt zu sein, mir unter die Nase zu reiben, dass das alles nicht funktionieren wird? Was du davon hältst, wie ich mein Leben führe, hat keine Relevanz. Null. Nada. Deine langweilige 08/15-Meinung ist so prüde, so konformistisch und öde, es wundert mich, dass du beim Äußern derselben nicht selbst in sofortigen Tiefschlaf verfällst. Natürlich bemerkst du selbst nichts davon. Du bist dir sicher. Das ist schon mal das erste, das grundlegende Problem. Du bist dir so sicher, du weißt nicht mal wie man Zweifel buchstabiert. Das ist auch gut so, denn deine geistige Kapazität und deine innere Stärke sind so mickrig, dass du nicht einmal dem leisesten Zweifel gewachsen wärst. Du würdest daran schneller zugrunde gehen, als …

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Vergleichshulahoop

Jetzt sitzt man hier. Vor dem Raum des Aufnahmeprüfungsgespräches und wartet. Wie konnte das nur wieder passieren? Wie bin ich da bloß wieder hineingeraten? Ich starre die Farbflecken auf dem Fußboden an und schelte mich innerlich dafür, dass ich dieses Gespräch nicht besser vorbereitet habe. Bei dem Letzten, dem fürs Schreiben, war ich so müde und so durch vom Festival am Wochenende, ich hatte gar nicht die Kraft nervös zu sein. Jetzt bin ich es. Nicht mal, weil ich das Ganze hier so sehr will, sondern weil ich gleich mit fremden Menschen sprechen muss. Sie werden Fragen stellen, die ich mit Müh und Not beantworte, während mein Herz Happy Hardcore mäßig absteppt. Später werden mir gute Antworten auf diese Fragen einfallen. Richtige Antworten. Nicht nur Gestammel. Dann werde ich mich ärgern, hinter mir selbst zurück geblieben zu sein. Tausend Gedankenansätze, keiner hat Bestand. Warum jetzt Kunst? Welche künstlerische Position? Ich weiß, sie werden das fragen und ich weiß, ich werde keine Antwort wissen. Ich erinnere mich gerade an nichts, was vor dem Wochenende liegt. Na …

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Was wird, kann noch werden.

„Du bist wieder da“, schreit das Faultier und springt auf dem Bett auf und ab. Dann streckt es seine Arme nach mir aus. „Jetzt beginnt das süße Leben.“ Es grinst und nimmt einen Schluck aus seinem Flachmann und einen Zug von seiner Pizza. „Wo faulenzen wir zuerst?“, fragt es. „In der Sonne“, sage ich. „Ist gut“, sagt es, „wenn du mich Huckepack nimmst.“ „Ist gut“, sage ich. Es springt auf und raucht mir ins Ohr. „Versprich mir“, sagt es, „dass wir niemals wieder so etwas durchstehen müssen. Niemals.“ Ich spüre den Windzug seines Augenaufschlages an meiner Wange. „Kann ich nicht“, sage ich, „irgendwann wird wieder so etwas passieren. So ist das Leben.“ „Argh.“ Es zieht noch mal. „Das Leben ist nicht so. Das Leben wird so gemacht. Überhaupt ist Leben nicht, es wird. Und was wird, kann noch werden und zwar grundsätzlich erstmal alles und das heißt nicht so, sondern auch so oder so oder so oder so. Jetzt hast du doch deine Abschlussarbeit überstanden. Du hast getan, was den Behauptungen nach getan werden musste. …

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Auf einen Schnaps mit der Freiheit

Die Freiheit ist zu Besuch. Sie sieht nicht gut aus. Irgendwie verwahrlost. Und verstört. Die Haare hängen ihr strähnig ins Gesicht, die Augen sind verquollen so als hätte sie sehr lange sehr viel geweint, außerdem ist sie dürr, klapprig geradezu. Der Eindruck wird durch ihr Zittern verstärkt. Sie bittet mich um eine Decke, einen Kakao und eine Kippe. „Freiheit“, sage ich, „was ist denn los mit dir?“ „Ich bin nur noch ein Schatten meiner Selbst“, sagt die Freiheit. „Ja“, sage ich, „das sehe ich. So kennt man dich ja gar nicht. Sonst siehst du doch viel strahlender aus.“ „Na ja“, sagt die Freiheit, „zumindest meint man mich so zu kennen. Aber wenn man mal genau nachdenkt: so sah ich nie aus. Das war ja alles immer eher mehr Schein als Sein. Es sind schwere Zeiten für mich.“ Sie blickt zu Boden, stiert und sagt lange Zeit nichts. Rauch steigt vor ihrem Gesicht auf. Die Freiheit hustet. Es schüttelt sie. Sie nippt an dem Kakao. „Hast du auch etwas Alkoholisches?“ „Sicher“, sage ich und reiche ihr …