Monate: Juli 2015

Nebel

Obwohl ich nicht rauche, drehe ich mir eine Zigarette. Und noch eine. Und noch eine. Ich starre aus dem Fenster. Draußen wird es dunkel. Du lehnst am Herd. Hinter dir steigt Wasserdampf auf. Gleich werden die Fenster beschlagen. Zünde mir eine Zigarette an, nur um etwas zu sagen und mich in der Handlung zu verankern, um nicht gleich fortgespült zu werden vom dem, was du sagst. Außerdem unterstreicht das Rauchen meine Gestik, ich versuche auch ein gewichtiges Gesicht zu machen. Die Ästhetik des Alltäglichen. „Alles ist aus Glas“, sagst du, „vor allem wir.“ Schnipse gegen meine Zigarette um abzuaschen. Die Asche fällt auf den Boden. Du siehst blass aus. Die Luft wird schon ganz neblig und feucht von dem aufsteigenden Wasserdampf. Kochst du eigentlich wirklich oder lässt du nur Wasser aufsteigen? Deine Augen fixieren mich. Ob du nicht schwitzt? Du musst Rücken doch schon ganz nass sein. Selbst mir setzten sich Wasserperlen im Gesicht ab. Könnte dir die Wirbelsäule hinabstreichen, den herabrinnenden Schweißperlen folgend. Atme aus. Der Rauch zieht bloß einige dünne Fäden, statt in …

Sommer!

Sommer ist eine coole Sau. Sommer zeigt dir wie man lebt. Sommer kommt vorbei und knallt dir erst einmal einen Haufen Farben vor die Füße. Und Sommer sorgt für die Beleuchtung, denn Sommer strahlt wie verrückt. Sommer sagt: „Komm, wir machen Liebe“ und keiner lacht, sondern alle machen mit. Sommer haucht den Dingen Leben ein und klopft die graue Schicht Lethargie vom Leben wie Staub von einem Teppich. Sommer überredet dich dazu lange wach zu bleiben und statt Gemüse Eis zu essen. Sommer bricht mit dir im Freibad ein und bläst dir einen während du an der Motorhaube deiner Schrottkarre stehst. Blick auf die Felder. Weil Sommer es kann. Und du zahlst es doppelt zurück, weil du Sommer liebst. Denn Sommer pflanzt Sommersprossen und Lichtreflexe und Lächeln; und gärtnern findest du sexy, irgendwie. Sommer steht auf Freikörperkultur und zieht ständig blank. Sommer macht Köpper und Salti vom Dreier und Arschbombe, dass alle Randglotzer aussehen wie nasser Hund, und dich fast vergessen, was du am Leben hasst. Sommer stellt dich unter Sprenger auf weiten Feldern und …

Geburtstagwünsche für Lieblingsmenschen sprüht man eigentlich an Hauswände. Wenn man genug Mumm hat. Alle anderen tun so als sei einen Blogeintrag zu verfassen genauso cool.

{Warum nicht den liebsten Menschen sagen, dass man sie gern hat. Deswegen hier: Ein Text über Wünsche für deinen Geburtstag, warum ich auf weniges stolz bin, aber auf uns und was unsere Freundschaft mir bedeutet. Alles gewürzt mit viel Liebe und einer dreifachen Prise Dankbarkeit.} Es gab bisher (noch) kein Geschenk für dich, weil ich total pleite bin. Na ja ich habe vielleicht noch zehn Euro, aber ich werde morgen etwas essen müssen, das weiß ich jetzt schon. Ja! Ich kann in die Zukunft schauen. Du siehst: Eine Hiobsbotschaft und eine fantastische Offenbarung. Das fetzt gut los hier. Und – so viel sei versprochen, an dieser Stelle Trommelwirbel und so fort – es geht noch besser weiter. Oder vielleicht auch nicht. Das liegt in deinem Ermessen (falls das hier tatsächlich die größte gequirlte Scheiße überhaupt ist, genehmige ich dir hiermit mich freundlichst anzulügen). Jedenfalls ist es so: Ich dachte mir, wenn du schon (noch) kein Geschenk von mir bekommst, dann muss etwas anderes her. Ganz ohne geht nicht. Das widerstrebt irgendwie meinen Grundsätzen bezüglich der …

Über ein schwieriges Verhältnis

„Ach“, sagt das Schreiben, „ach. Heute nicht. Es steht mir nicht der Sinn danach.“ Es steht in einer Ecke des Zimmers, angelehnt, die Arme verschränkt, einen Fuß an die Wand gestützt. Es zieht eine Schnute. „Nein“, sagt es, „nein. Es ist nichts. Gar nichts. Ich mag nur nicht.“ Dann wendet es sich ab, schmiegt Wange an Wand und malt mit dem Zeigefinger Kreise darauf, so betont zärtlich als wolle es einen Liebhaber eifersüchtig machen. „Hm“, schnaubt es. Dann schweigt es. Lange. Später finde ich es im Bett. Linke Ecke, Fußende, Embryohaltung. „Nein“, sagt es, „immer noch nicht. Morgen vielleicht.“ Es schnipst gegen einen Fussel. Der Fussel bewegt sich nicht. „Vielleicht auch nicht“, sagt es. Noch später begrüßen mich wummernde Bässe. Das Schreiben tanzt auf dem Wohnzimmertisch, in jeder Hand eine Kippe, eine im Mund und eine Flasche in der Arschtasche der Jeans. „Scheiß drauf“, grölt es und wirft die Hände hoch, „scheiß einfach drauf.“ Es springt auf und ab und reißt die Arme in die Höhe. „Willste auch nen Schluck?“, fragt es mich lallend und …