Monate: Oktober 2015

Was kommt nach dem Katzenkrimi?

Akif Pirinçci tut mir Leid. Ich würde ihm, wenn es denn möglich wäre, nicht nur eine sondern sehr viele Dosen Mitleid kaufen. Er hat sich das redlich verdient, ja wirklich. Eine ganze Wagenladung würde ich ihm kaufen, vielleicht sogar zwei oder drei. Ich wäre nicht knauserig, ganz und gar nicht, ich würde ihn darunter begraben, so spendabel wäre ich. Ich denke, der Mann hat eine Menge Probleme. Als Schriftsteller zum Beispiel. Der Katzenkrimi war ja nicht sein erster Roman, aber der einzige, der wirklich Erfolg hatte. Katzenkrimi. Irres Wort. Mit der Alliteration als Berufsbezeichnung kann man sich bei Bauer sucht Frau bewerben ohne Bauer zu sein. Katzenkrimi- eine seltsame Sache. Nichts gegen Katzen und nichts gegen Krimis. Ich mag Hunde lieber und nichts steht für mich so sehr mit dem Wort „seichte Unterhaltung“ in Verbindung wie Katzen. Katzenvideos zum Beispiel oder Katzenmemes. Die sind immer süß und oooh und lustig und sehr populär. Wenn man ein bisschen gemein und sehr prätentiös sein will, dann kann man sagen ein Katzenkrimi, das sei Genreliteratur par excellence und …

Ende der Eissaison.

Es schwante mir schon länger, beim Blick aus dem Fenster und beim mittlerweile wieder rountinierten Griff zur Regenjacke: Der Sommer ist vorbei. Richtig klar wurde es mir aber erst, als ich bei der Eisdiele meines Vertrauens folgende, schockiernde Nachricht las. „Die Eissaison endet am 11 Oktober.“ Das Ereignis, dass dieser Din4 Zettel da in Times New Roman Großschrift ankündigte, ist nun bereits fünf Tage her. In Gedenken an diese gute Zeit und in Vorfreude auf die nächste Saison, hier die Dokumentation meiner letzten Eisspeisung. (Übrigens, kein Grund in Panik zu verfallen – zum Glück kennt Eis am Stiel keine Saison und viele Eisdielen machen ja gar nicht dicht, sondern vermindern nur ihr Angebot an Eissorten zu Gunsten von mehr Waffelvariatioen. Also aufatmen und losschnabulieren.) Ps. Ja, der mehr oder minder junge Herr, der diese Kameraaufnahmen gemacht hat, war offensichtlich mehr an der Mauer als an mir interessiert. Das mag an der altersbedingten Sehschwäche liegen oder daran, dass es sich hier um eine sehr schön Mauer handelt. Da kann man den Fokus dann schon mal drauf …

Diese Zeit gehört dir

Das Faultier und ich fahren zur Arbeit. Genauer: Wir pendeln. Mit dem Zug. „Der Mensch ist ja in den meisten Fällen doch mehr ein Unmensch“, sagt das Faultier. „Ja“, sage ich, „pendeln ist Krieg.“ „KRIEG“, schreit das Faultier und lässt sich von einem Gepäckhalter über einen der bräsigen Anzugmenschen im Fahrradabteil baumeln. Hinter ihm ein Schild mit „Für Fahrräder reserviert. Bei Bedarf Sitze bitte freigeben“-Aufschrift. Ich stehe mit meinem Fahrrad im Gang und versuche das Ruckeln des Zuges auszubalancieren. Das Faultier lässt einen fahren. Dann lacht es. „Nächstes Mal scheiße ich dir auf den Kopf mein Freund“, sagt das Faultier und hebt drohend einen Finger. Dann setzt es sich auf meine Schultern und wischt mir mit dem Pfotenrücken über meine Stirn. „Du schwitzt“, bemerkt es. „Ja“, sage ich, „die Crux des herbstlichen Fahrradfahrens. Man kann einfach nicht das Richtige anziehen. Entweder es ist zu kalt oder aber zu warm und dann schwitzt man wie verrückt und ölt und ölt und ist schon vor der Arbeit einmal komplett sanierungsbedürftig.“ Ich zupfe mir ein Faultierhaar aus dem …

Lieber Gott, mach mich fromm und gib mir eine Meinung aus Beton.

Jeden Morgen bete ich für eine Meinung aus Beton. Eine, die sich verkaufen lässt. Ich bete für weniger Trotz im Kopf und mehr Flexibilität. Gott, bitte mach, dass meine Meinungen erstens rentabel und zweitens stahlhart und unbiegsam sind. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Meine Meinungen verkaufen sich nicht gut. Ich bin weder gegen den Feminismus noch gegen Ausländer, ich war mit sechszehn nicht unentwegt drauf im Berghain und hatte nie Sex mit Avocadokernen. Mein provokatives Potential ist so low, das sogar Flo Rida mir Respekt zollt. Leider ist Provokation, entgegen aller Prognosen, die ich mir selber gegeben habe, irgendwann einmal vor Jahren, als ich noch in der Schule war, nicht out und es hat sie auch niemand als out deklariert. Sie hat auch nicht „als letzte Bastion der Schockrevoluzzer jeden Trumpfkartenstatus verloren“ und die zu Tode gelangweilten Kinder verlangen immer noch gierig nach der Beschreibung ihres Ist-Zustandes in einer amphetamingedopten Sprache. Die Meute steht drauf, alle möglichen oder vielleicht mehr unmöglichen Menschen fallen herein auf diese Fortschrittsillusion unter deren faszinierend-schillernder Oberfläche …