Monate: Februar 2016

Wir sind dann mal weg.

„Sooo“, sagt das Faultier, „ich wäre dann soweit.“ Es sitzt auf meinem Reiserucksack. Der Rucksack ist gepackt. „Bereit wofür?“, frage ich. „Wir hauen ab“, sagt es und in seiner Stimme ist kein Zweifel, dafür viel Befehl. „Achso“, sage ich. „Ja“, sagt es und rückt seine Kapitänsmütze zurecht, „wir setzen uns ab, verlassen die Ratten auf das sie mit dem sinkenden Schiff untergehen werden. Wir nehmen den Landweg gen Norden. Und kommen lange Zeit nicht wieder.“ „Was heißt lange Zeit?“, frage ich. „So lange bis erneut die Stunde null geschlagen hat. Bis dieses Land es wieder einmal geschafft hat, alle Menschlichkeit aus jeder Faser zu tilgen und mitten in die Katastrophe zu rennen, die alles in Schutt und Asche legen wird.“ Ich schaue mich um. Das Faultier auch. Dann schaut es wieder mich an. „Vielleicht kommen wir auch niemals wieder. Höchstens für den ein oder anderen kurzen Besuch, dann wenn nach dem Wiederaufbau die Häuser wieder stehen, aber die Schande immer noch überall zu spüren ist.“ „Und wenn es nicht so kommen wird?“, frage ich. „Ach“, …

Ressourcenmanagement

Im Bewerbungsgespräch fragt mich der Personaler nach meinen Schwächen. „Ich weiß nicht so genau“, sage ich, „da muss ich überlegen. Ihre Schwäche ist auf jeden Fall das Ausdenken kreativer Fragen, so viel ist sicher.“ Er guckt ein bisschen säuerlich, wahrscheinlich weil er nicht der Einzige mit einer Schwäche sein will. Außerdem ist er ein Mann und in seiner Welt haben Männer nur Stärken zu haben, eine Schwäche, wie sähe das denn aus, das geht nicht, da muss man doch was machen können, was dagegen kaufen zum Beispiel. „Das wird nicht helfen“, sage ich, „da kann man nichts machen außer sich selbst lieben lernen.“ Aber Liebe, das wissen wir beide ohne darüber zu reden, dass ist nichts für ihn, das ist ihm zu esoterisch. Es ist schon immer so anstrengend seiner Freundin einmal im Jahr einen Strauß Rosen zu kaufen und Valentinstag war gerade erst, er ist immer noch ein bisschen erschöpft davon. „Oder sie arbeiten hart und vielleicht fällt ihnen dann eine neue Frage ein. Das wäre ja auch eine Möglichkeit.“ „Ich weiß“, sagt er, …

Die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig – mein Erfahrungsbericht

Am letzten Dienstag war meine Absolventenfeier an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (allein das ist ja schon eine sehr nette Sache). Ich habe da Kunstwissenschaft studiert und bin im letzten Jahr dann endlich einmal fertig geworden mit dem Studium. Zeit für ein Resümee und Zeit für eine Empfehlung. Insgesamt war ich bisher an zwei Universitäten und eben an der HBK. Ich kann also ein bisschen vergleichen und aus jedem dieser Vergleiche ging bisher die HBK als Sieger hervor. Ich habe mich damals, für das Studium an der HBK, mehr mit dem Bauch als mit Kopf entschieden und nach den vielen Jahren ist und bleibt diese Hochschule meine Herzenshochschule. Natürlich ist mein Eindruck total subjektiv und anderen mag es nicht gefallen haben, aber mir eben schon – und dafür gibt es Gründe. 1. Ich war hier immer ein Mensch, mit einem Namen und einem Gesicht. Das gilt nicht für die Dozenten, sondern beispielsweise auch für die Mitarbeiter beim Prüfungsamt. Das habe ich an anderen Unis ganz anders erlebt. Dort bleibt man Teil einer Masse und …

Morning Glory

Ich bin ein Morgenmensch. An Tagen an denen ich frei habe, ausschlafen kann, die Sonne in mein Zimmer scheint, wenn ich aufwache – und mir jemand Kaffee ans Bett bringt. All die anderen Tage, die vielen betrüblichen anderen Tage, die an denen Aufstehen eine Pflicht ist, an denen man selber in die Küche wanken muss, um sich den Kaffee zu machen, an denen draußen nichts scheint, weil der Himmel eine betongraue Fläche ist, all diese Tage bin ich morgens ein Zombie. Ein menschenhassender, sein Leben verfluchender Zombie. Ich verstehe diese ganzen Menschen nicht, die morgens schon voller Power sind, vor der Arbeit noch eine Runde joggen gehen und dergleichen absurden Mumpitz veranstalten. Was ich auch nicht verstehe: Diese menschenverachtenden Zeiten zu denen Dinge anfangen. Arbeit zum Beispiel. Dafür war ich immer sehr stolz auf die HBK. Da hatte ich noch nie einen Kurs vor 9:45. Darüber kann man reden. Das kann man machen. Da schmerzt es schon nicht mehr so sehr. Alles vor halb zehn sollte abgeschafft werden. Es ist einfach nicht gesund. Auch wenn …

Ließe sich nicht schreiben: Macht euch frei von allem?

Immer wieder oder eigentlich unentwegt, nur manches Mal unbewusster als sonst, denke ich, dass alles auf einen großen Knall zuläuft. Es mag noch etwas dauern, der Schrecken sich auf das Grausamste dehnen, und doch wird das Ende kommen. Es ist zu viel Hass dort wo Liebe sein sollte und zu wenig Liebe dort wo der Hass ist und wenn man so etwas schreibt, erntet man mehr abschätzig „du Naivchen“-Blicke, als bejahendes Nicken. – Neulich überkam mich so eine Sehnsucht nach dem Regen, also nach dem „im-Regen-stehen“ und danach bis auf die Unterhose durchzuweichen. Mir wurde klar, dass ich weitaus mehr Zeit damit verbringe, von drinnen nach draußen zu schauen und Regentropfen Fensterscheiben hinablaufen zu sehen, als umgekehrt. Diese Erkenntnis verklumpte in meinem Bauch und ich fühlte mich schlagartig sehr traurig. Ich musste sofort die Wohnung verlassen, denn ich drohte, es kam mir zumindest so vor, sonst zu ersticken. Draußen stand ich zwischen den parkenden Autos, vor der Kneipe und dem Supermarkt und nichts fühlte sich falscher an, als in Schuhen auf Pflastersteinen zu stehen und …