Monate: Oktober 2016

Ist es Vatertag? Ist es Karneval? Nein, es ist Erstsemesterauftakt.

Es folgt: der Gastbeitrag einer fabelhaften Autorin. Kyra Mevert ist nicht nur eines meiner Lieblingsmädchen, schwer talentiert auf der Theaterbühne und auch dahinter, bei der Arbeit mit alten und vor allem jungen Menschen, voller Hoffnung, Mut und Trotz, sondern auch großartig im Jonglieren mit Worten. Und, jetzt, endlich, hier! Ein Text von ihr! (Falls ihr mehr wollt, Texte oder Theater, dann wendet euch an mich. Ich leite euch weiter <3) Als Studienanfängerin hatte ich einen Traum. Die Studierenden in meiner Vorstellung sitzen auf grünen Wiesen unter blühenden Linden, sie lesen Proust, Tolstoi oder Brecht, sie leben in alternativen Wohnprojekten, teilen Zahnpasta und Liebe, sie rauchen mehr als Nikotin, trinken viel Wein, lassen sich die Haare lang wachsen oder raspelkurz schneiden, sie organisieren Demonstrationen und rebellieren gegen die Umstände. Sie wollen anders sein als alle, vor allem als ihre Eltern. Und sie sehen gut dabei aus, ja sie tun das mit Stil. 11.10.2016 in Braunschweig. Ein Dienstagvormittag in den Herbstferien, Dauerregen. Tief hängende Wolken, der Himmel ist grau, die Laune mies. Plötzlich fallen mir an unterschiedlichen …

Neu an Bord!

Ich werde alt. Es ist wie es ist. Ich bin der dreißig näher als der zwanzig, die Falten werden tiefer, der Geist langsamer, die freundlichen Menschen an Clubtüren fragen einen jetzt nicht mehr nach dem Perso, die Zeit rast und man selber wird zu langsam, um noch hinterher zu kommen. Diese Einsicht sackte langsam und als sie sich setzte, kam die Erkenntnis: Ich brauche Hilfe. Jemanden, der mir die Lesebrille zurecht rückt und mich daran erinnert, abends mein Gebiss rauszunehmen. Jemanden, der mir erklärt, was da draußen passiert, während ich drinnen meine grauen Haare zähle. Jemanden, der Schwung in die Sache bringt. Zum Glück bin ich ein vorausschauender und höchstorganisierter Mensch und habe deswegen schon vor Jahren, neunzehn an der Zahl, solch eine Unterstützung geordert. Nach einigen Startschwierigkeiten, in denen die Sache eher nach Hinten losging und ich ernsthafte Zweifel an der Einsetzbarkeit der betreffenden Person hegen musste – beispielsweise als sie in der Windelentwöhnungsphase auf meine Barbiesachen kackte – wurde sie doch noch zu der besten Besetzung für diesen Job. Jetzt also, proudly presenting …

Der Tag an dem ich mir eine Kuh klaute

Ich fand Sophia in Nartum. Ein sehr, sehr kleiner Ort in der Nähe von Bremen. Es gibt hier nicht nichts, aber nicht viel. Das Moor ist in der Nähe, es wird viel Mais angebaut und an vielen Grundstücken stehen kleine, überdachte Stände an denen man Eier kaufen kann oder Kürbisse. Ich war schon eine ganze Weile unterwegs, erst im Wald und dann im Dorf. Um mir den Kopf freipusten zu lassen, weil Bewegung gut tut und auch ein bisschen in der Hoffnung irgendwo Empfang zu haben, denn ich taumelte so langsam meiner Vereinsamungsgrenze entgegen. Die Stimmen meiner Liebsten nicht zu hören macht mich immer irgendwann kirre und dann fange ich an mit mir selber zu reden oder mit Buntstiften Hilfebotschaften auf Zettel zu kritzeln oder mich mitten auf den Sportplatz zu legen, die Arme weit von mir gestreckt und „what shall we do with the drunken sailor“ zu singen. Kurz vorher, also vor dem Sportplatz, denn Empfang gibt es hier einfach nicht, danke an O2, sah ich sie. Sie lugte da so aus der Tür. …