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Die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig – mein Erfahrungsbericht

Am letzten Dienstag war meine Absolventenfeier an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (allein das ist ja schon eine sehr nette Sache). Ich habe da Kunstwissenschaft studiert und bin im letzten Jahr dann endlich einmal fertig geworden mit dem Studium. Zeit für ein Resümee und Zeit für eine Empfehlung. Insgesamt war ich bisher an zwei Universitäten und eben an der HBK. Ich kann also ein bisschen vergleichen und aus jedem dieser Vergleiche ging bisher die HBK als Sieger hervor. Ich habe mich damals, für das Studium an der HBK, mehr mit dem Bauch als mit Kopf entschieden und nach den vielen Jahren ist und bleibt diese Hochschule meine Herzenshochschule. Natürlich ist mein Eindruck total subjektiv und anderen mag es nicht gefallen haben, aber mir eben schon – und dafür gibt es Gründe.

1. Ich war hier immer ein Mensch, mit einem Namen und einem Gesicht.
Das gilt nicht für die Dozenten, sondern beispielsweise auch für die Mitarbeiter beim Prüfungsamt. Das habe ich an anderen Unis ganz anders erlebt. Dort bleibt man Teil einer Masse und wird bloß durch seine I-Nummer identifiziert. An der HBK ist vieles sehr persönlich. Ich mag das. Ich habe mich hier aufgehoben statt verloren gefühlt.

2. Die Mitarbeiter sind über die Maße hilfsbereit.
Ich habe an der HBK nicht ein einziges Mal den Stress gehabt, den ich an anderen Unis hatte. Egal, um was es ging: Anerkennung von Kursen, die ursprünglich nicht im Studienprofil angegeben waren, schnelles Anrechnen und Ausdrucken von Leistungsständen, Anträge wie die auf ein Parallelstudium, den richtigen Ansprechpartner finden – alles ging hier immer super fix und ohne dieses Gefühl, im Dschungel der Unibürokratie festzustecken. Ich habe vom Prüfungsamt sogar total nette Erinnerungsemails bekommen, dass ich im Professionalisierungsbereich noch Credits offen habe oder dass ich, wenn ich die entsprechenden Unterlagen einreiche noch ordentlich sparen kann mit meinen Parallelstudium. Solche Sachen finde ich nicht selbstverständlich, dafür umso schöner. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Leute wirklich hinterher sind, mich zu unterstützen und das bestmögliche für die Studierenden herauszuholen. An dieser Stelle viel Liebe an das I- und Prüfungsamt.

3. Es gibt Professorinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen. Mehr als eine.
Trauriger Weise scheint das noch lange kein Standard zu sein. In Hildesheim sind in meinem Studiengang bis auf eine wissenschaftliche Mitarbeiterin alle Dozenten und Professoren eben genau das: Dozenten und Professoren. Das ist für einen Studiengang, der noch so jung und eigentlich innovativ und frisch sein sollte, irgendwie total peinlich und daneben. An der HBK musste ich über so etwas nicht nachdenken. Ich kann natürlich nicht hinter die Strukturen blicken und weiß nicht, was da wie abläuft. Aber ich als Studentin hatte eben immer beides: Professorinnen und Professoren.

4. Die Atmosphäre – der Ort, die Räumlichkeiten.
Ich kann gar nicht genau sagen, warum – aber ich liebe die Atmosphäre an der HBK. Ich mag den Geruch, ich mag die Penner, die im Winter in der Empfangshalle schlafen, ich mag den Weidenhof im Sommer, ich mag den Lichteinfall in den Ateliers in der Blumenstraße, ich mag die Bibliothek, Gott, diese Bibliothek. Ich mag, dass alles überschaubar aber nicht eng ist. Die vielen Plakate und Flyer, die Farbkleckse und Sachen bei denen man immer nicht weiß: ist das Kunst? Kann das weg? Die HBK mag architektonisch kein Kracher sein, aber es ist etwas Anderes, etwas Inneres was sie schön macht. Ihre Aura oder so etwas.

5. Die HBK schafft Möglichkeiten und Freiräume.
Klar, es gibt hier Pflichtmodule. Aber ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich selber Schwerpunkte setzen kann. Ich habe dementsprechend viele Seminare zum Schreiben gemacht. Auch super: Die Möglichkeit Seminare an der Bundesakademie Wolfenbüttel zu nutzen – ohne selber bezahlen zu müssen. Ich habe das öfter gemacht und es war jedes Mal echt lehrreich. Eine weitere tolle Möglichkeit: Die Exkursionen. Florenz, Paris, Venedig – das Angebot ist toll und die Kunstwerke über die man spricht einmal in Wirklichkeit zu sehen sehr erhellend. Auch hier hatte ich das Gefühl, dass die Uni sich bemüht ihren Studenten etwas zu bieten.

6. Neue Perspektiven, neue Gedankenräume
Als ich angefangen habe zu studieren, wusste ich wirklich null, was Kunstwissenschaft eigentlich ist. Klar habe ich das Studienprofil überflogen, aber eben nur das und nicht mehr. Für mich war der Studiengang ein Glückstreffer. Ich habe das Studium immer als sehr vielfältig wahrgenommen und als eine theoretische Schnittstelle. Kunstwissenschaft ist ein bunter Mix gewürzt mit Philosophie, Gender Studies, Soziologie und man kann echt viel entdecken und vor allem Lernen. Mich hat dieses Studium verändert, es hat meinen Blick nicht nur geschärft, sondern für vieles auch erst geöffnet. Ich könnte heute nicht denken, wie ich denke, hätte ich dieses Studium nicht gemacht und ich könnte Kunst nicht betrachten wie ich sie betrachte, hätte ich dieses Studium nicht gemacht.

7. Kein Kurs vor 9:45
Ich hatte so gut wie nie einen Kurs vor 9:45. Da ich es nicht so habe mit dem Frühaufstehen, ist das  für mich ein absoluter Traum. Ich bin mir gaaaanz sicher, dass war Absicht. Die HBK kennt einfach ihre Studenten. Die wissen, was geht und was uns gut tut. Ausschlafen gehört definitiv dazu.

8. Überschaubare Seminargrößen
„Je kleiner, desto feiner“ trifft es ganz gut. Die Seminargröße ist sicher ein Grund für das persönlichere Verhältnis zu den Dozenten und Mitstudierenden. „Klasse statt Masse“, you know.

9. Freiheit in der Themenwahl
Die Wahl der Hausarbeitsthemen war natürlich immer ein wenig ein den Rahmen des Seminarthemas gebunden. Trotzdem konnte ich hier immer etwas wählen, was mich interessiert. Besonders frei war die Wahl meines Bachelorarbeitsthemas. Ich finde das sehr, sehr wichtig, weil es die eignen Interessen fördert und die Möglichkeit bietet sich zu spezialisieren, man einfach (ich zumindest) motivierter an etwas arbeitet für das man ein ehrliches Interesse hegt und es das eigenständige wissenschaftliche Arbeiten fördert. Gerade was Abschlussarbeiten angeht, habe ich so einige andere, abschreckende Beispiele zu hören bekommen.
Meine liebste Herzensdame hatte sich schon ein spannendes Thema überlegt, aber niemand wollte sie betreuen und als sie dann endlich einen Betreuer hatte, nach einer langen und nervenaufreibenden Odysee, bei der sie von einem Dozenten zum anderen geschickt wurde, musste sie dann ein von dem Dozenten vorgebebens Thema bearbeiten. Das führte zu einer Motiviation weit unter dem Nullpunkt – sie kam sich vor wie ein Kunsstücke turnender Affe. Und statt wirklich etwas mitzunehmen und sogar Spaß an der Sache zu entwickeln, war sie einfach nur abgenervt und abgeturnt. Das hätte ganz leicht vermieden werden können – wären Universität und Lehrende bereit ihren Studierenden den entsprechenden Freiraum zu gewähren.
Ich hatte diesen Freiraum und zudem eine wirklich gute Betreeung. Ich hätte mich wirklich jederzeit bei meinem Dozenten melden können. Auch wenn ich dieses Angebot nicht häufig in Anspruch genommen habe, weil ich eher so ein Einzelkämpfer bin, ist es doch ein gutes Gefühl so eine Unterstützung im Hintergrund zu haben. „Schlechte Noten“, hat mein Betreuer immer gesagt, „sind auch immer Mitschuld des Betreuers.“ Hach. Ja. Am Ende hat das alles dazu geführt, dass ich eine Thema wählen konnte, das Haupt- und Nebenfach sowie meine persönlichen Interessen verbunden hat, ich während des Bachelorschreibens wirklich etwas gelernt habe und jetzt mit dem Ergebnis echt zufrieden und ja, stolz auf die Leistung bin.

 

Insgesamt überwiegen für mich wirklich und ehrlich die positiven Seiten der Uni. Klar gibt es auch hier Schwachstellen und Probleme, zum Beispiel die finanzielle Schieflage oder dass der Vizepräse einfach sowas von keine Reden halten kann (#truestorynotsorry), weil er seltsame Pausen macht und gefühlt immer die falschen Themen zu den falschen Anlässen anspricht.

 

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