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24//06//2016

Was kann man eigentlich tun in dieser Welt, die einem von Tag zu Tag immer fremder erscheint? Was kann man einer Entwicklung entgegenstellen, die in eine Richtung geht, die man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht ausgemalt hätte? Was macht man mit dieser Ungewissheit, mit der Angst, dass alles immer düsterer wird, kälter, unwirtlicher? Wie geht man um mit dem Gefühl, dass die schrecklichsten aller Geister auferstehen und durch die Länder wüten und sie zu etwas machen, womit man nichts zu tun haben möchte? Wie reißt man das Ruder rum?

Es schleicht sich ein Gefühl der Ohnmacht ein. Als müsse man das jetzt einfach aushalten, als könne man gar nicht tun, als zählten die eigenen Vorstellungen nichts. Als seien sie ohnehin unrealistisch, verklärt, naiv. Dabei ist das Gegenteil der Fall, daran glaube ich fest. Ich glaube an die Liebe. Ich glaube an die Freiheit. Ich glaube an die Grenzlosigkeit. Ich glaube an die Machtlosigkeit (als etwas Gutes). Ich glaube daran, dass man Ängsten anders begegnen kann, anders begegnen muss als mit Hass. Und ich glaube, dass man an diesem Glauben stärker festhalten muss als jemals zuvor, auch wenn das so verdammt schwer ist. Und ich will glauben, dass es einen Weg gibt. Einen Weg, die Dinge zu ändern. Die Welt so zu gestalten, dass leben möglich ist und dass das Leben nicht zu einem einzigen Akt des Ertragens wird.

An Tagen wie gestern und in Zeiten wie diesen scheint das eine Sache der Unmöglichkeit – und doch wieso sollte es das sein? Wenn das Gegenteil möglich ist, wenn die Kräfte des Hasses, der Abschottung, der Negation, der Verleugnung, der Lüge, der Verdrängung Veränderungen herbeiführen können, Erschütterungen auslösen und Zerstörung ausrichten – warum sollte es ihren Konterparts nicht möglich sein das Umgekehrte zu erreichen?

Es mag auf den ersten Blick beschwerlicher scheinen, weil Liebe, Offenheit, Toleranz, Bewusstheit, Wärme oftmals ein ungleich größerer Kraftakt sind. Weil sie mehr Mut brauchen, mehr Einsatz, mehr Stärke, mehr Willen, mehr Anstrengung und viel zu oft mehr Rechtfertigung gegen die Stimmen der anderen und manchmal auch die eigenen, die sie als Humbug abtun. Was der wahre Humbug ist. Denn Hass ist destruktiv, Isolation ist destruktiv, Verleugnung ist destruktiv, Verdrängung ist destruktiv. Und diese destruktiven Kräfte führen – das lehrt uns die Geschichte genauso wie die Gegenwart – immer nur zur Zerstörung. Nie, nie, nie machen sie etwas größer, besser, stärker. Es mag vielleicht für einen kurzen Augenblick den Anschein erwecken, nur um sich dann mit voller Wucht als fataler, unbeschreiblich furchtbarer Fehler zu erweisen, der zu nichts als dem Untergang führt und alles mit sich in die Vernichtung reißt.

Der Weg mag also ein beschwerlicherer sein, aber das Ziel ist das bessere, das schönere, das freiere, das friedlichere, ach im Grunde noch viel drastischer: Nur so kann es überhaupt ein wirkliches Ziel geben. Denn was nützt schon ein kurze Phase von Macht, eine kurze Phase von gefühlter Bedeutsamkeit, ein kurzes Gefühl von Triumph, was nützt all das Oberwasser, wenn man kurz darauf darin ertrinkt?

Nun, was nützt all das Palaver, was nützt es, wenn man selbst den Glauben hat, aber so viele andere alles ganz anders sehen? Was ist man dann anderes als ein einsamer Töpel, dessen Ansichten nicht interessieren, weil die Masse sie einfach planiert in ihrer gefühlt unaufhaltsamen Bewegung in diese beschissene Stoßrichtung?
Also was kann man tun? Wie reißt man das Ruder rum? Wie kämpft man für seine Vorstellungen von der Welt? Was kann man tun?

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