Blog, Frisch und lecker, Notiert, Täglich
Schreibe einen Kommentar

Zürich

Menschen, die ich Pfeife rauchen sah: 1
Menschen mit Strohhüten, die ich sah: 12
Augenblicke in denen ich dachte „Verdammt, wie schön ist diese Stadt?“: zu viele für eine Strichliste

Alles ist so schön, dass es schon wieder kühl erscheint. Glatt und klar wie das Wasser der vielen Brunnen.

Ein Schwindel und eine Schwere. Drückende Müdigkeit. Die Augenlider wollen zu und der Kopf in einer ruckartigen Bewegung nach vorne fallen.

Im kühlen Luftstrom der Klimaanlage vor einem Einführungstext zu Francis Picaba auf dem kühlen Museumsboden im dezenten Kunstlicht fühle ich mich wieder frischer, weniger krank und so als könne ich selber hier sehr alt werden, konservatorisch gut aufgehoben.

zürich
Ich belausche die Menschen und bestaune sie. Bin Voyeur. Fühle mich viel weiter von zuhause entfernt als sechs Stunden Zugfahrt.

Es scheint, als brodle es unter der Oberfläche.

Zitate, die ich mochte:
„Ich bin weder Maler, noch Literat, noch Spanier, noch Kubaner, noch Amerikaner (…), noch Dada. Ich bin lebendig.“ (Francis Picaba)

„Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ (Francis Picaba)

„It’s almost impossible to break out of this norms.“ (Ein Aufsichthabender Museumsmitarbeiter zu einem Besucher über das Leben in Zürich)

„Ich möchte erfinden, mir Dinge ausgedenken, aus mir jeden Moment einen neuen Menschen machen und ihn dann vergessen, alles vergessen.“ (Francis Picaba)

Was für eine Entlasstung das Abschreiben ist, weil es wachhält und mich gleichsam so wirken lässt, als täte ich etwas, als sei ich sehr geschäftig.

Möglicherweise lässt sich die Dekadenz einer Gesellschaft daran bemessen wie viele Brunnden mit Trinkwasser in ihr stehend sprudeln.

Im Museum holt einen ständig der Tod ein. Oder die Lebendigkeit. Oder die überstrapazierte Lebendigkeit. Oder der verschobene Tod. Oder die Ewigkeit. WeißnichteinWechselbadwasdennnun?

IMG_5077
Was macht es eigentlich mit einem, wenn man sich in der Mitte des Ausstellungsraumes platziert? Zwischen Baselitz und Polke und mit einem leichten Kopf- oder größerem Körperdrehen auf die riesigen Werke blicken kann? Von Fern des Knatschen der Sohlen anderer Besucher.

Und plötzlich ist da so eine extreme Sehnsucht nach Zuahuse und kein Bock mehr auf Kunst und vielleicht ersticke ich gleich am Weiß der Wände und Grau des Bodens und den Arbeiten und Menschen, die beim Drogennehmen gefilmt wurden.


Ich erinnere mich an die Dunkelheit und die Angst.

Manchmal möchte man einfach Ruhe oder jemand, der alle mit seinem Wissen übertönt.

Der Schmerz über das Nichtzustandekommen von Möglichkeiten. Eine Melange aus Melancholie und Sehnsucht und die Zeit zurückdrehen wollen.

IMG_4999
Stille und manchmal lächeln.

Eine Performance, die ging so: Mann mit Klodeckel um den Hals redet schnell.
Eine andere so: Mann in der Ecke, stottert und erklärt sein Stottern und in der Ecke sein. Mann geht rückwärts aus der Ecke. Mann lehnt sich gegen Spiegel. Mann tanzt. Mann tastet Spiegel ab. Mann tanzt wie bei einem spirituellen LSD-Rave.

Als würde man relativiert. Aufregung, plötzlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.