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Die Verwahrlosung.

fred lisa

“Harumph.”
Ich lese.
“HARUMPH.”
In der Mitte des Zimmers steht das Faultier. Es sieht irgendwie verklebt aus. Als hätte es sehr lange nicht mehr geduscht und sehr viele geschmolzene Bonbons in seinem Fell.
“Faultier”, sage ich, “was ist mit dir?”
“Ich bin verwahrlost”, sagt es und guckt sehr vorwurfsvoll.
“Warum guckst du so?”
“WARUM ICH SO GUCKE? DAS FRAGST DU MICH NOCH? WARUM ICH SO GUCKE? Weil da Dinge in meinem Fell kleben und meine Nase sich irgendwie verkrustet anfühlt und du willst, du willst überhaupt ganz und gar nicht wissen, was es mit einem macht, wenn man unter meinen Armen schnüffelt. Nichts Gutes, gar nichts Gutes.” Es schüttelt sich, sehr viel Staub fällt dabei ab, für einen kurzen Moment ist es nicht mehr zu sehen.
“Das kommt davon”, sagt es.
“Wovon?”
“Vernachlässigt zu werden.”
“Ach”, sage ich, “ach, das ist meine Schuld?”
“Klar”, sagt das Faultier und sieht mich mit diesem amerikanischer-Highschool-Film-Oberzicke-Blick an.
“Wann hast du dich denn das letzte Mal wirklich mit mir beschäftigt?”
“Das war…” Ich kratzte mir am Kopf.
“Das war, also, am…”
“Genau!”
“Ok, Mist, tut mir Leid. Soll ich dir ein Bad einlassen?”
“Ja”, sagt das Faultier, schon ein bisschen versöhnlicher.
“Und einen Kakao kochen, Apfelstrudel backen und den Kopf kraulen.”
“Jetzt übertreib aber mal -” Das Faultier hebt den Fuß und wackelt ein bisschen damit, Dreck rieselt herab.
“Ok”, sage ich, “ok.”

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