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Perfect Sunday

Wenn ich groß bin, werde ich Sonntagsforscherin. In ausgedehnten Feldforschungsstudien werde ich die Zusammensetzung der perfekten Sonntagsmixtur ergründen. Weil so eine Studie Zeit braucht und so ein Forschungsobjekt intensiv untersucht werden will, ist während der Forschungsphase dann jeder Tag ein Sonntag.

 

Montag, Dienstag, Mittwoch: Alles Sonntag. Frei nach dem Motto: Sonntag ist, wann immer du willst, dass Sonntag ist.

Die oberste Prämisse für einen PS (perfekten Sonntag, klar) ist schnell benannt: freie Zeit. Ein Sonntag ist kein Sonntag, wenn nicht frei ist. Dann ist es nur einer dieser anderen elenden Jammertage. Die freie Zeit gewährleistet nämlich die unterschiedlichsten, den perfekten Sonntag konstituierenden Dinge:

  • Ausschlafen können (aber nicht müssen – müssen ist
    eh der natürliche Feind des PS)
  • Machen können, was auch immer einem gerade in
    den Sinn kommt

Und ab Punkt zwei, da wird es trickreich. Da fängt die Forschungsarbeit an. Bisher
steht Folgendes als Option auf meiner Liste:

  •  Flohmarkt.
    Nach alten Sachen und in alten Zeiten stöbern und vor allem: Menschen gucken.
    Und mehr noch: Menschen und ihren alten Kram angucken. Wie kam diese Frau zu
    dieser Kaffeemühle und warum verkauft sie sie jetzt? Wem gehören eigentlich all
    diese alten Fotoalben, die en masse angeboten werden? Und warum will da jemand
    unbedingt seine Kristallschnapsgläser loswerden? Auf dem Flohmarkt lassen sich
    eben nicht nur Dinge, sondern vor allem jede Menge Geschichten finden. Und hin
    und wieder dann auch mal ein echtes neues Lieblingsstück. Neulich mit dem alten
    Mann eine traumhafte Kommode gefunden. Schon mal reserviert und dann noch weitergeschlendert.
    Als wir wiederkamen, war sie weg. Jemand hat den dreifachen Preis geboten. Wer
    zuerst kommt… – auch das kann der Flohmarkt, dir Weisheiten über das Leben
    vermitteln.

 

  • Fotoalben
    kleben.
    Und all die anderen Sachen, zu denen man sonst beim besten Willen
    nicht kommt. All die liegen gebliebenen Frimelarbeiten. Aber nur die, die Spaß
    machen. Nix mit Pflichtveranstaltungen am PS.
  •   Hart gammeln. Im Bett versteht sich (das am besten den ganzen Tag nicht zu
    verlassen ist). Dabei ist vor allem die richtige Kleiderwahl zu beachten.
    Boxershorts geht klar. Jogginghose geht klar. Riesiges T-Shirt geht klar. Kapuzenpulli
    geht klar. Opaschlüpper geht klar. Alles, was super mega soft und gemütlich ist
    geht klar. Nackt geht auch klar (oh ja. hehe). Förderlich
    für so einen Gammeltag ist auch der richtige Compagnon. Ich nehm da gern den
    alten Mann. Oder L. Oder eins meiner beiden kleinen Geschwister (die kann man auch immer so gut kitzeln). Jedenfalls jemand, der gut riecht, mit einem kuschelt und
    einen gegebenenfalls mit guten Geschichten unterhält. Oder einem etwas vorliest.
    Das ist der Vorteil am alten Mann. Dafür sind all meine Lieblingsserien ebenso
    die Lieblingsserien von L. und deswegen ist sie  auch eine verdammt gute Gammelgesellschaft. Womit wir auch schon bei der Gestaltung eines solchen Tages im Bett wären. Man kann natürlich absolut nichts tun, außer da liegen und die Wolken beobachten und hin wieder eindösen und dann wieder aufwachen. Oder eben jede Menge Folgen der
    Lieblingsserie glotzen. Ich persönlich lese gerne die Zeit. Von vorne bis
    hinten (ok, naja, fast) und verwandele das Bett dabei in ein Meer aus
    Zeitungspapier. Dann duftet alles so schön nach Druckerschwärze. Dazu eine
    riesengroße Tasse Kaffee und ein Schokocroissant – ja, ja, ja (Klischeealarm, was?!) Und wenn ich dann keine Lust mehr habe, geht’s weiter mit dem Bücherstapel neben meinem Bett. Der alte
    Mann wiederrum zeichnet lieber oder spielt mit Photoshop rum, statt sich durch
    die Welt der Wörter zu quälen. Jedem das seine – das ist halt das gute, das große
    Versprechen des Sonntags.
    Und weil ich bei all der Schwärmerei schon wieder
    so eine derbe Sonntagssehnsucht entwickelt habe, werde ich diesen Post jetzt
    unterbrechen. Aufgrund einer InstantSonntagsAnberaumung… (auch das darf man an einem Sonntag: Dinge einfach unterbrechen.)

 

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