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Goldengirl

Hey Goldengirl,


das hier ist so eine Art Liebesbrief. Vielleicht nicht ein typischer Liebesbrief, im Sinne der allgemeinen Art von Liebe, die es vermutlich gar nicht gibt. Es ist eben eine von vielen Arten zu lieben. Du wirst schon damit umzugehen wissen. Da fängt’s schon an. Das du’s weißt. Du weißt eben, was man wissen muss. Zumindest glaube ich das. Ich weiß nämlich gar nicht, was du weißt, wie du weißt. Wer was übrig hat für Kategorien, der würde dir bestimmt den „Bekannte“-Stempel aufdrücken. Du bist kaum mehr als das und du bist weit mehr als das. Getroffen habe ich dich drei Mal (die guten Male), zwei Mal (die schlechten Male).


Die guten Male, da haben wir uns kennen gelernt. Sind nach einem Seminar noch einen Kaffee trinken gegangen. Haben geredet und geredet und geredet. Das war direkt auf der gleichen Welle surfen. Das war Schlüssel-Schloss-Prinzip. Das war echt und ehrlich und gut. Das war über alles reden können. Das war Themenfeuerwerk und Hand in Hand gehen mit Worten.

Waren bei mir. Haben Dinge ausgeheckt. Ideen gezündet. Pläne geschmiedet. Danach brummte mir der Kopf. Vor lauter Gedanken. Und der Bauch. Vor lauter Euphorie. Es war wie Limonade mit viel Brause. Wie Wassereis bei vierzig Grad. War wie mit Tüllrock in den Pool springen. War Prickelpulver auf der Zunge.


Seien wir mal ehrlich: Ich hab dich nicht bloß nett gefunden. Ich hab mich Hals über Kopf in dich verliebt. Verknallt. Verschossen. Aber volle Lumme. Wie Hulle. Mensch, du. Du hast mir den Kopf verdreht. Bist mir unter die Haut gefahren und mitten ins Herz. Mit deinen Worten und Gedanken. Mit deinen wilden Haaren und dem Glitzerherz an deiner Jacke. Mit deinen Federn und Fotos und Gold. Da wollte ich dich behalten. Da, wo die Liebe sitzt. Neben den anderen paar Menschen, die mir die Welt bedeuten.


Kaffee im Café und immer noch dieses Pritzeln wegen der Gelegenheit teilzuhaben an dir. Das war so fresh, du hast mich angekurbelt wie heiß kalt duschen, hast mich mehr auf Trab gebracht als ein starker Espresso am Morgen. Wär mein Leben Kürbissuppe, du wärst der Spritzer Orangeningwersaft. Und ich dachte mir so: Honigschnute, lass uns die Welt erobern. Wir boxen uns gemeinsam durch und alle die uns blöd kommen bewerfen wir mit Glitzer. Wir feiern bis morgens und bemalen unsere Augen golden, dann sieht man die Schatten nicht, und lachen über alle anderen, die es genauso machen. Wir nähen uns Superheldenkostüme, bauen uns ein Tipi und trinken Blutsbrüderschaft mit Bananenmilch. Wir klauen uns Ponys und reiten bis zum Horizont. Wir schippern über die See der guten Gelegenheiten und angeln ein paar fette Fische. Wir grinsen der Tristesse ins Gesicht, und wenn’s uns doch mal übermannt sammeln wir unsere Tränen und düngen damit Pusteblumen, die wir in den Gegenwind halten, dann haben wir jede Menge Wünsche frei. Wir choreografieren uns  einen eignen Begrüßungstanzhandshake, in dem auf jeden Fall rückwärts Purzelbaum vorkommt, und malen uns Herzchen zwischen Daumen und Zeigefinger.


Wir verschaffen uns einen Überblick über die Dinge, aber behalten ihn nicht. Egal. Dann trainieren wir eben unsere Oberarme, mit denen wir wie wild rudern, um den Weg der verschwommen Sicht wieder wett zu machen. Wir überwinden Hindernisse, aber laufen gegen Mauern. Egal. Bauen uns eine Leiter aus Streichhölzern und zünden oben ein Licht an. Wir pusten jede Menge Ballons auf, bis wir aus der Puste sind. Egal. Es reicht, um gen Himmel zu fliegen, aber irgendwann ist die Luft raus. Egal. Denn wir haben Notfallpläne in der Tasche aus denen wir Papierflieger bauen, womit wir sanft zu Boden gleiten. Wir machen riesige Kaugummiblasen und spucken die zerkauten Teile all den Hatern vor die Füße.


Ich leihe dir meinen Hut, damit dir nicht so kalt wird mit den kurzen Haaren und du leihst mir deinen Mut, damit mir nicht so kalt wird mit der vielen Angst. Und wir tanzen und wir lachen und ich sage dir, wie schön du bist und hin und wieder gebe ich dir einen Kuss auf die Stirn, weil du jemand bist, der das wirklich verdient hat.


Ich  weiß das. Ich weiß eben, was man wissen muss. Zumindest glaube ich das. Ich weiß nämlich gar nicht so viel, wie du weißt. Weil irgendwann waren wir noch zwischen Tür und Angel. Kurz getroffen, unterwegs, „Hallo und wie geht’s?“ und direkt gleich weiter. Kurze Treffen, kurze Worte. Haben uns aus den Augen verloren. Vielleicht findest du mich doof, das weiß ich nicht, es kann schon sein. Hab dich ja nie gefragt: „Und, was hältst du so von mir?“


Du bist jetzt in der großen Stadt auf der Suche nach etwas. Hab ich gehört und direkt Herz in die Hose. Man mag das affig finden. Haben uns doch kaum gekannt. Aber Affen finde ich schon immer putzig und dich eben von Anfang an toll. Deswegen vermiss ich dich, Zuckermädchen. Jedes Mal, wenn ich eine Wimper finde, wünsche ich mir, ich hätte dir gesagt, wie schön du bist, innen und außen, und dass ich dich wirklich mag. Ich wünsche mir, ich hätte dich einmal mehr angelächelt und mit dir zum dem Beat deines Herzens getanzt.


Vielleicht hat es nicht sollen sein. Vielleicht hab ich es vermasselt. Vielleicht bist du auch ganz anders, als ich denke. Aber was ich denke, das wollte ich dir gerne noch mal sagen: Danke und schön, dass es dich gibt und du da warst, hier bei mir, und schön, das bist du, und tanzen kannst du so bezaubernd, da wird einem schwindelig und schwummerig, und ich glaube, aus dir wird mal was Großes, aber im Sinne von was Gutes, und was heißt wird, eigentlich bist du’s schon längst.


Und ich hoffe, du findest das Etwas, das du suchst und falls es das besondere Etwas ist, vergiss nicht, dass du das schon längst hast. Ich weiß es, ich hab‘s gesehen und gefühlt und falls das nicht ausreicht: Immer, wenn ich Sternschnuppen sehe, heb ich die Wünsche für dich auf. Zwei hast du schon frei.  Drei waren es eigentlich, aber den ersten hab ich verbraten: Ich hab mir gewünscht, dass es dir gut geht und dass das Herz noch an deiner Jacke klebt und du putzmunter Luftsprünge machst irgendwo da draußen und weswegen auch immer, aber auf jeden Fall vor Glück. 

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