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Heldentage I

Dass da jetzt jemand war. Nebenan. Das war eine gute Sache.

Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Und zwischendrin manchmal eine Pause. Aber immer weiter. Irgendwann.

Selbst wenn sonst nichts geschah, einfach nichts passierte und man nie wusste, ob das jetzt das Ende war, der Stillstand der Zeit, oder nur ihr zäher Fluss, manchmal hörte man Schritte. Oder das Knarzen einer Tür.


In der Langsamkeit lag Eile oder war es umgekehrt? Es ging darum Schritte zu machen. Zum Ziel zu gelangen. Aber um Schnelligkeit? Das schien so fern. Alles. Dieser Rückwärtssog. Einen Schritt machen. Und dann den
nächsten machen. Das war alles.

Nie Musik, nie Gespräche, nicht mal Wortfetzen, keine Stimmen. Aber Bewegungen, deren Geräusche gut taten in der eigenen Bewegungslosigkeit. Das Knarzen der Türen wie ein Signal der Zeit. Ich bin noch da.

Wohin die Schritt gingen. Immer nach vorne. In welche Richtung spielte dabei keine Rolle. Egal in welche Richtig, es war wenigstens Bewegung.



Es sind keine Heldentage. Es sind Tage an denen es regnet, obwohl für jeden anderen die Sonne scheint. Es sind Tage an denen man nicht abhebt, wenn die eigene Mutter anruft, weil einen die Aufmunterungsappelle noch mehr ins Eck stellen würden. Da sitzt man dann. Lauscht hinaus und hinein und
hört zum Glück Schritte von oben. Manchmal ein Poltern. Es sind Tage an denen es kalte Pizza zum Frühstück gibt und ein Glas Cola. Der Sprudel fehlt.
 
Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Aus dem Stillstand kommen. Es sind Tage an denen schlaue Sprüche Kopfzerbrechen bereiten und gut gemeinte Weisheiten die falschen Weichen stellen. Rauf auf’s Abstellgleis. Es sind Tage, an denen alles schwerfällig erscheint und sonderbar. Es sind Tage, an denen man
seine Wochentagsschlüpper generalisiert, weil man gar nicht mehr genau sagen kann, ob heute Montag oder Mittwoch ist.


Fotoidee/Text:Lisa Fred
Foto: U. Ulusoy

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