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Sport oder nicht Sport – das ist nicht die Frage

[Logbuch]
Ich mache Sport. Seit langer Zeit mal wieder.
Fred betrachtet diese Bestrebungen mit Argwohn.
„Was tust du?“, fragt es mit einem Finger in der Nase.
„Ich ertüchtige mich körperlich“, entgegne ich.
„Schön gesagt ist noch lange nicht wettgemacht“, sagt das Faultier. Skepsis im Blick. Das kann es wie niemand sonst. Die kann ich gut verstehen. Ich war selber skeptisch. Aus mehreren Gründen.

Erstens: Sport machen ist verdächtig. Man macht sich ja immer gleich verdächtig, ein willenloses Wesen mit nichts als dem Wunsch nach Magerkeit und neuen Nikeair zu sein.Ist ja heute alles nicht mehr so leicht. Was ist noch freiwillig und was ist gesellschaftlicher Zwang? Wann mache ich einen Haufen auf ein blödes Ideal und wann in mein eigenes Gesicht, weil tatsächlich ich mich nicht wohlfühle und zwar unabhängig von den ganzen Tighgaphypern da draußen? Dabei ist wirklich nichts unmotivierender als Instagramseiten auf denen potentiell kaum noch lebensfähige Mädchen (oder sind’s doch Knaben? Ein Unterscheid ist kaum mehr zu erkennen (Shitstormkommentar aus dem Off (Wie medienverwahrlost ist man eigentlich, wenn man immer schon die Shitstormkommentare der anonymen Hater mitdenkt?): Das sagt die nur, weil sie selber so eine fette Planschkuh ist. Das ist der pure Neid. )) die Lücke zwischen ihren spackeligen Beinchen präsentieren und sich dafür gegenseitig teils gönnerhaft, teils neidvoll dafür abhypen, als hätten sie soeben ein Mittel gegen AIDS gefunden oder die Weltformel gelöst. Da will man aus Trotz lieber direkt so richtig fett werden. Einen Doppelwhopper bitte noch. Mit Extrakäse.

Dabei will ich gar keine Thighgap, um Gottes Willen. Ich hätte einfach wieder gern mein Fitnesslevel von Anfang des Jahres. Als mir jede meiner Jeans gepasst hat. Ich wiederhole: Jede. Außerdem bin ich da ohne zu Keuchen die drei Etagen zu unserer Wohnung raufgehopst. Auch hier Wiederholung, wegen so schön: Raufgehopst. Oben gestanden. Normal Luft bekommen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich war fit. Das wär ich gern wieder.

Zweites: Ich bin faul. Schlimmer als das Faultier. Ich bin wie ein superalter, unmotivierter Fernfahrer, genährt von vierzig Jahren Toasthawai on the road, der nicht mal dann auf ein Fahrrad steigt, wenn es ein E-Bike ist. Ich guck halt lieber zum tausendsten Mal Grey’s Anatomy, als durch den Park zu pesen, als sei der Leibhaftige höchstpersönlich hinter mir her. Nur verträgt sich das nicht mit dem Wunsch nach mehr Fitness. Die Erwartungen sind groß, die Motivation gering. Und mit Faulheit ist auch so: Je fauler man ist, umso fauler wird man. Ein Teufelskreis par excellence.

Mein Traum wäre ein Personaltrainer, der mir jeden Tag in den Hintern tritt und mich außerdem mit seinem übertriebenen Körper daran erinnert, dass zu viel Sport auch nicht schön ist. Aber da ich davon finanziell so weit entfernt bin, wie Lothar Matthäus davon, eine Frau fürs Leben zu finden, wird das wohl erstmal nichts.

Wahrscheinlich müsste ich einfach loslegen. Einfach raus da und nicht so viel denken. Nikemäßig: Just do it. Diese ganzen Selbstoptimierungsslogans sind aber eigentlich auch ganz und gar nicht motivierend. Just do it, deine Mutter. Womit ich wieder beim Unmotivationsfaktor Nummer eins wäre: Trotz. Könnte ich ewig drüber sinnieren. Was ich auch lieber täte, als Sport zu machen. Allerdings:
Der Geist ist fitter, wenn der Körper fit ist. Ist ja auch alles eine Suppe eigentlich. Wer gerade geht, fühlt sich auch gerader. Wer mehr lächelt, ist glücklicher. Körper folgt Geist, aber Geist folgt auch Körper.

„Und deswegen“, erkläre ich dem Faultier, „ist manchmal einfach loszulaufen, einfacher als ewig drüber nachzudenken.“
„Oh Nein!“, flüstert es betroffen und mit, dem Gefühl entsprechender, brüchig schwindender Stimme, „es ist schon soweit fortgeschritten, dass du nur noch in pseudoweisen Sportmetaphern sprichst, oder?“
„Volltreffer“, sage ich und das Faultier rümpft die Nase.
„Na, dann immer schön am Ball bleiben. Hauptsache, du jagst das Leder in die Maschen“, sagt es, „aber pass auf, dass du dir selbst kein Beinchen stellst.“

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