Blog, Prosa
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Keine Heldentag II

Es sind Tage an denen die Ideen fehlen. Die Pläne. Es sind Tage, an denen die Visionen fehlen, davon, wie man aussehen will. Davon, wer man sein will. Dass man das auch immer wissen soll. Es sind Tage, an denen die
Antworten auf die Fragen fehlen, die gar nicht erst gestellt werden. Das Schwierige an einer Antwort ist immer die Frage. Einem fallen keine ein.

Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Und zwischendrin manchmal
eine Pause.

Wann hat es angefangen?

Jedenfalls lange bevor in der Wohnung nebenan jemand war. Irgendwann war zwischen all den Dingen, die man so tat, plötzlich die Frage aufgetaucht: Warum eigentlich? Die fegte in ihrer Intensität und ihrer Nichtbeantwortbarkeit alles hinweg. Den Boden, den Himmel, die Ecken, die Kanten. Den Antrieb, den Auftrieb, das Für und Wieder.

Nach etwas streben: Warum eigentlich?
Sich verschwenden: Warum eigentlich?
Alles mitnehmen: Warum eigentlich?
Für etwas brennen: Warum eigentlich?
Gegen etwas sein: Warum eigentlich?
Lieben: Warum eigentlich?
Hassen: Warum eigentlich?

Dann: Rien ne va plus. Die Welt hörte auf sich zu drehen, dafür die Gedanken im
Kreis. Ein großes, farbloses Nichtstun stülpte sich über den Alltag.

Welchen man in Folge nur noch damit verbrachte auf dem Boden zu sitzen und die eigene Nasenspitze zu betrachten. Dass man das ohne Hilfsmittel nur von links oder rechts, immer nur von einer Seite machen konnte, machte allerdings alles nur noch schlimmer.

Bewegungslosigkeit ist wie Sprachlosigkeit auch ein seltsamer Zustand, der nicht selten durch markerschütternde Erfahrungen evoziert wird. Ein in sich gekehrtes Entsetzen, das nicht zu entweichen weiß oder will oder beides. Eine Überforderung. Wovon? Lähmung in jeder Hinsicht. Lähmung.

Einen Schritt machen. Und dann den nächsten machen. Und zwischendrin manchmal
eine Pause. Das ging nur, weil jetzt nebenan einer wohnte. Es sind keine Heldentage. Aber es sind immerhin Tage, an denen man den anderen hört.

 

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