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Übers Schreiben schreiben

 

Illustration von JMB. Für mehr klickt hier

Schreiben oder nicht schreiben? Das ist nicht die Frage. Warum schreiben? Das ist nicht die Frage.*

Wie schreiben – das ist die Frage. Immer und immer und immer wieder und zudem in mehrerlei Hinsicht. Da wäre einmal wie schreiben im Sinne von was schreiben und das Was auf welche Art schreiben. Welcher Inhalt und welche Form. Da wäre außerdem wie schreiben im Sinne  von wo und unter welchen Umständen und mit welchen Hilfsmitteln. Und natürlich auch auf welche Art und Weise: Mit Konzept oder ohne, einfach drauf los oder wohlüberlegt, einmal runtergefetzt oder tausende Überarbeitungen. Dann das Wie im Sinne welchen Mediums. Online oder offline, Buch oder Blog, Flugblatt, Zeitschrift, Toilettentür. Wie auch als Frage nach dem anderen Modus operandi: Hauptberuflich, nebenberuflich, als Hobby. Obwohl einem das als komische Frage erscheinen mag, denn Schreiben als Beruf abgeleitet von Berufung – das klingt viel zu amtlich, so nach etwas von außen Legitimiertem und das ist es ja erstmal nie (und man kann es zwar so einordnen, aber es wird dann immer nur den Grad deines Verdienstes vielleicht, oder der Zeit, die du mit Schreiben verbringen kannst ausdrücken, nicht aber die Bedeutsamkeit der Tätigkeit an sich).

Es ist stattdessen immer erst etwas (furchtbar) Inneres, das das Außen scheut und begehrt im aufreibenden Wechsel eines Heiß-Kalt-Schauers oder eines Aprilwettertages. Dennoch scheint es einem wie eine Berufung, ein Befehl fast, aber innerer Natur, nur dass die Ausführung oft feinste Freude bereitet. Manchmal auch Kummer, so ist es nicht. Das rührt dann aber weniger von der Tätigkeit her, als von den Umständen des Alltages, dieser zwanghaften Wirklichkeit, die Bodenhaftung und Broterwerb, Sicherheit und Steuern fordert. Wie aber etwas Vernünftiges, etwas mit klarer Aussicht, Perspektive erlernen und verüben, wenn die einzig erstrebenswerte Perspektive einzig und allein das Schreiben ist?

Die Antwort ist so schnell und einfach wie vielleicht wahnsinnig: Gar nicht. Alles außer das Streben danach die Berufung zum Beruf zu machen ist im Grunde, gefühlt ganz sicher, eine Farce. Doch so leicht ist das nicht. Wie schreiben ist also auch die Frage nach dem Überlebenskampf. Nach wie schreiben und gleichzeitig eine warme Mahlzeit haben. Dass da Zweifel aufkommen, nicht an der Idee wohl aber an ihrer Umsetzbarkeit, das ist kaum verwunderlich. Phasen der Mutlosigkeit, umwerfende Gefühle der Unmöglichkeit – nicht selten überkommt es einen.

Dann aber gibt es auch gegenteilige Gefühlswallungen, Zeiten, manchmal Moment nur, in denen es machbar scheint und man für diese Annahme nur ein wenig Größenwahn verbraten muss. Momente, in denen das eigene Schaffen Resonanz erzeugt. In denen es sich der Außenwelt öffnet und die Außenwelt antwortet.

Wenn es zum Gespräch anregt zum Beispiel, wenn man dir Lob ausspricht (natürlich, auch das Ego mag Futter) oder wenn es deiner Arbeit weitere Arbeiten entstehen.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich hab mich mehr als einen Keks gefreut, als der gute JMB einen meiner Blogtexte ( Blaupause) illustriert hat. Der Junge hat Talent und seine Arbeiten jede Menge Flow, deswegen kann es nur jedem ans Herz gelegt werden, mal auf seiner Seite vorbeizuschauen! Und zwar hier: http://baalart.tumblr.com/

Im Sinne meines beschwingten Gemüt: Eine wunderschöne Woche an alle. Die Sonne scheint! Lasst es krachen.
*Wenn du immer schon schreibst, seit du es kannst, und das ist sozusagen die bedauerliche Wahrheit, denn immerhin kommt es überein mit einem Klischee und klingt deswegen immer wie erfunden, dann stellt sich die Frage nach dem Ja oder Nein nicht. Nicht die nach dem Warum. Nicht, wenn du es so geliebt hast, wenn es dir zur ästhetischen Praxis wurde, zu deiner Art Welt zu sehen und zu deinem Versuch sie zu verstehen. Nicht, wenn du es immer noch so liebst, wenn es deine Form ist Position zu beziehen und in Beziehung mit der Welt zu treten. Beim, im, fürs Schreiben bist du.

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