Blog, Frisch und lecker, Logbuch // Faultier featured
Schreibe einen Kommentar

Nase in den Wind und eine Bottle voll rum

[Logbuch]
„Aaarrrgh. Ich raste aus. Ich raste aus. Ich raste aus“, Fred läuft durch die Wohnung, die Hände über dem Kopf, die Augen aufgerissen. Zappelglieder.
„Mir ist so langweilig. Mir war noch nie so langweilig. Es ist furchtbar. Schrecklich. Hör sofort auf an der Bachelorarbeit zu schreiben. Ich ertrage es nicht mehr, dir dabei zu zusehen, wie du in irgendwelche Bücher starrst. Ich bin so faul, es macht mich mürbe. UND ICH BIN EIN VERDAMMTES FAULTIER.“ Es springt vom Sofa auf den Sessel auf den Tisch und wieder zurück. „Ich will was unternehmen, ich will was machen, ich will was anderes sehen als dein uninspiriertes Wissenschaftsgesicht. Schreib einfach irgendwas auf die Seiten und dann hauen wir ab. Oder wir hauen gleich ab. Irgendwohin wo das Meer türkis ist und der Strand weiß und die Menschen schön, die Musik groovy und die Drogen gut. Damit wir die Pflichten vergessen können, OK?!“
„Kannst du mal das Licht anmachen, bitte?“
„Das ist alles? Das ist alles, was du auf meinen grandiosen Plan zu antworten hast?“, Fred massiert sich die Schläfen.
„Welcher Plan?“, frage ich.
„Wir stechen in See. Schippern per Binnenschiff bis an die Küste und dann weg. Bottle voll Rum und Nase in den Wind. Sommer, Sonne, Sangria.“
„Ah, nää“, sage ich und lese weiter.
„Du bist blöd“, sagt das Faultier.
„Mach doch Winterschlaf“, sage ich.
„Ah, nää“, sagt das Faultier, „mach du doch Winterschlaf.“
„Ich mach Bachelorarbeit. Das ist das Gleiche nur anders. Man frisst sich dick, bewegt sich nicht und hat keine Kontakte zur Außenwelt.“
„Langweilig“, sagt es und stupst in meine Backe. Noch mal und noch mal und noch mal.
„Gleich klatscht es, aber kein Beifall!“
„Welche Farbe hat dein Gefühl?“, das Faultier lächelt schelmisch und pikst weiter.
„Faultierblutrot“, sage ich.
„Die Bachelorarbeit verursacht bei dir massive anger-management-issues, Fräulein. Lass das mal lieber vom Herrn Doktor überprüfen.“
„Hmpf.“
„Vielleicht würde es auch reichen, wenn du ein paar Minuten von der Arbeit ablassen und beispielsweise mit mir Boote gucken gehen würdest. Hafenspaziergänge reinigen die Seele. Echt jetzt. Käpt’n Faultier Ehrenwort.“
„Ah, na gut“, sage ich. Das Faultier grinst sein Siegergrinsen, läuft die Küche und kommt wieder. Es reckt den Arm in die Höhe. Siegerpose. In der Hand keinen Pokal, sondern eine Flasche voll Rum.
„Ahoi Sexy“, sagt es, „auf gehts. Stechen wir in See.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.