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Astronaut müsste man sein.

[Logbuch]
„Wie weit kannst du fliegen?“, frage ich den fliegenden Teppich.
„Sehr weit“, sagt er, „so weit du willst eigentlich. Einmal um die Welt. Oder zweimal. Hin wieder muss ich allerdings eine Pause einlegen, mich ausschütteln und die Flusen entfernen. Das könntest du allerdings auch beim Fliegen machen.“
„Der Flusenroller ist der Kopfkrauler des Teppichs“, sagt das Faultier.
„Ja, aber ich meine: Fliegst du nur weltweit oder noch weiter?“
„Du meinst, ob ich das Universum zu meinem Flugraum zähle? Ob ich Sterne ansteuern kann und den Mond?“
„Ja.“
„Nein.“
„Schade“, sage ich.
„Hast du wieder zu viele Nachrichten gelesen?“, fragt das Faultier.
„Hm.“
„Lass das doch.“
„Verdrängen ändert nichts. Das Elend ist da. Ich kann mir die Augen zuhalten: Es ist immer noch da. Hier auf diesem Planeten. Dem einzigen, den wir haben. Dem wir nicht entkommen können und der vermutlich bald explodieren wird.“
„Schön wärs“, sagt das Faultier, „ich glaube nicht, er wird eher langsam ausbluten, verkohlen, ersticken an der Ignoranz und der Dummheit seiner Bewohner.“
„Vielleicht wird auch nur die Menschheit untergehen“, sagt der fliegende Teppich, „das wäre doch was. Dann wäre endlich wieder Friede, Freude, Eierkuchen.“
„Und wenn wirs doch mal versuchen, das mit dem Mond?“
„Ich bin nur ein fliegender Teppich“, sagt der fliegende Teppich, „keine Rakete. Der Zauber, der mich zu dem macht, der ich bin, der wirkt nur hier. Da draußen, im All, da wäre ich nicht mehr als ein Stück Materie. Vermutlich könnte ich nicht mal mehr fliegen und würde ohnehin sofort verkohlen.“
„Na gut“, sage ich, „dann lege ich stattdessen meinen Kopf auf den Tisch und weine ein bisschen.“
„Ok“, sagt das Faultier, „ich lese noch kurz Zeitung um in Stimmung zu kommen und dann mache ich mit.“

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