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Über Freeletics und darüber beim Sport nicht auszusehen wie Britney Bitch, sondern ein oller Heckenpenner.

[Logbuch]

Freeletics ist eine Wunderwaffe mit Arschlochattitüde 

„Alter“, sagt das Faultier, „das ist doch nicht mehr normal. Alle anderen Menschen sind damit befasst, Kekse in sich reinzustopfen und du machst Kniebeugen und Klimmzüge wie Arnold Schwarzenegger auf Koks.“
Ich antworte nicht, weil mir die Luft fehlt. Schweißperlen auf meiner Stirn. Das Faultier steckt einen halben Schokoweihnachtsmann in den Mund.
„Weißt du, als du anfangen hast, da dachte ich noch: Ok, das ist jetzt so eine Phase. Das geht eine Woche so und dann ist gut. Aber das geht jetzt seit elf Wochen so und neun davon diese kranken Übungen, von denen mir schon beim Zugucken ganz schummerig wird.“

Ich mache eine Pause.
„Du hast Schokolade am Mund“, sage ich.
„Du hast den Glanz von Selbstoptimierungswahn in den Augen“, sagt es.

Vielleicht hat es Recht. Mein Ziel war, wieder fitter zu werden. Die Treppen hochzukommen, ohne oben fast umzufallen. Mehr Energie und…

„Einen strafferen Arsch“, sagt das Faultier, „Muskeln aus Stahl. Schreib es, wie es ist. Du bist übergelaufen. Du bist jetzt ein ATHLETE. Du zwingst dich vier bis fünf Mal die Woche Workouts in Bestzeit zu machen. AUFGEBEN IST KEINE OPTION.“ Es lacht und verputzt den Rest des Weihnachtsmannes.



Freeletics ist – für alle zu denen der Trend noch nicht übergeschappt ist – ein Sporprogramm, das aus  Fitnessübungen besteht, von denen viele schon Jane Fonda rauf und runter turnte. Situps, Kniebeugen, Liegestütz, Klimmzüge, Hampelmänner undsoweiterundsofort. Aber auch Langstreckenläufe und Sprints. Kombiniert in Workouts, die dein Coach dir jede Woche neu zusammenstellt. Fünfzehn Wochen lang. 



„Don’t believe the Hype“, sagt das Faultier, „Sport ist Mord, es bleibt dabei. Haben wa noch Schoko?“

„Aber“, sage ich, „es funktioniert.“

Das tut es tatsächlich. Es ist so: Freeletics ist ein Arschloch, das dich zu schweißtreibenden, kräfteraubenden Sachen zwingt und dabei behauptet, es sei zu deinem Besten. Die ganze Pein wird unterstrichen von obskuren Leitsätzen: „Aufgeben ist keine Option“ „Du bist ein Free Athlete. Du bist stark, körperlich und mental.“ „Der Winter ist eine Chance, keine Ausrede“ und Videos in denen HARTtrainierte Menschen zu epischer Motivationsmusik die Übungen vorturnen. Man könnte sagen, das sei Fitnesswahnindoktrination vom Feinsten und ja, ja, da hätte man nicht Unrecht. Andererseits hat es auch was sehr Erheiterndes. Mein absolutes Hightlight sind die Veränderungsvideos einiger ausgewählter Athleten, die mit Freeletics zusammenarbeiten. Das ist Pathos vom Feinsten.

Die App bietet dir neben dem Coach und Trainingshinweisen auch die Möglichkeit sich mit anderen zusammenzutun und gemeinsam zu trainieren.
Für mich ist das allerdings nichts. Ich bin der absolute
Einzelgängersporttyp. Ich muss ungehehmt fluchen und leiden können.
Mitsportelnde Menschen oder auch nur Zuschauer verleiten mich entweder
dazu, meine Aggression (ja VERDAMMT, 150 Burpees machen so aggro wie
Bushido im Streit mit Kay one) auf sie umzuleiten oder wehleidig zu
werden. Also: Für die Trainingszeit Faultier raus.



Letztendlich  ist Freeletics vor allem eins: Verdammt effektiv. Und, was die Umsetzung angeht, easygoing. Man kann es überall machen, wo ein bisschen Platz ist und entweder ein Baum mit erreichbaren Ästen oder eine Klimmzugstange. 

Sporty Spice?

Eine Sache, die mich in der Zeit meiner noch frischen Sportlerkarriere wirklich beschäftigt hat, ist die: Wie schaffen es all diese Instagramposergirls beim Sport so auszusehen, wie sie aussehen und warum tun sie das? Woher haben sie all diese Sportklamotten, um für jedes Workout auszusehen wie Britney in der Zeit vor der Kopfrasur? Ich habe vielleicht eine Sporthose, die stylisch aussieht. Die restlichen sind alt und ausgebeult. Allerdings will ich auch gar nicht aussehen, als würde ich mich für den Bestdressed-Award bewerben. Sportzeit ist Heckpennerstylezeit. Sportzeit ist Zwiebellookzeit. Sportzeit ist Uraltsweaterzeit. Sportzeit ist Sockenüberderhosezeit. Sportzeit ist Unmöglichefarbkomobizeit. Sportzeit ist Ungeschminktzeit. Sportzeit ist Rotfleckenimgesichtundschweißgestankzeit. Sportzeit ist Ichschnodderimnotfallinmeinenärmeloderrotzgleichaufdiestraßezeit.Ja, das ist eklig. Aber ja, das ist irgendwie auch geil. Nicht für andere vielleicht. Aber für sich selbst.

Willst du bei Freeletics rocken, nimm die Hose in die Socken!

 

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