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Blumentopflayouterin und andere Zukunftsperpektiven

Wie immer über Weihnachten: Sehnsuchtsvolles Warten auf deine Rückkehr. Vertreibe mir die Zeit damit häßliche Skizzen von deinem Kaktus anzufertigen und ihm neue Muster für seinen Blumentopf zu entwerfen. Zukunftsperspektive: Blumentopflayouterin. 

Gestern seltsames Gespräch über meine partnerschaftliche Entwicklung geführt. Werde in letzter Zeit ständig mit Ansichten konfrontiert, die ich gefühlt einer längst vergangenen Zeit zugeordnet hätte.

 „Und was ist bei euch der nächste Step?“
„Wie der nächste Step?“
„Na ja, zusammen ziehen oder so?“
„Achso. Ja. Da ist noch nichts geplant. Also wenn dann sowie nur mit L.“
„Wie? Nur mit L.?“
„Na ja sie ist meine Beste. Ohne sie zieh ich nirgendwo hin.“
„Aber du kannst doch nicht ewig mit deiner besten Freundin zusammen wohnen.“
„Doch. Kann ich.“
Abwinkende Handbewegung : „Ach vermutlich wird sich das eh von allein auseinanderleben.“

  Direkt dramatisches Szenario vor Augen: Wir verabschieden uns voneinander, du schenkst mir zum Abschied den Kaktus. Er wird mein einziger Gesprächspartner während langer Arbeitstage von U. sein. Während meiner Arbeitspausen kann ich niemanden im Nebenzimmer besuchen. Niemand wird da sein und mir in Krisensituationen Händchen halten (so wie es eben nur DU kannst, was in der Natur der Sache liegt, wir kennen uns eben schon über die Hälfte unseres Lebens), niemand wird meinen weirden Humor teilen (und nur in Lachen ausbrechen, weil ich „JA“ sage), niemand wird sich neben die offene Badezimmertür setzen, während ich bade, und mir Artikel aus Klatschblättern vorlesen. 

Es wird furchtbar erwachsen sein. So ganz ernst und wiemanesebensomacht. Und allein das Gefühl wird reichen, dass ich irgendwann vor Verzweiflung meinen Kopf auf den Kaktus haue. (Was einzig und allein eine Menge Schmerz und die Tatsache zur Folge hat, dass der Kaktus zerstört und ich damit ganz auf mich allein gestellt bin. )Weil wiemanesebensomacht ist langweilig. Wiemanesebensomacht ist gar nicht die beste Option. Es ist einfach Gewohnheit. Gewohnheit heißt aber selten: So ist es am Besten, sondern so braucht man nicht mehr nachdenken, denn der Plan steht ja schon.

Für mich ist Zusammenleben mit dir die beste Option. Es tut mir gut. Es hält mich im Gleichgewicht. Du kennst mich besser als jede Person auf dieser Welt. Boys kommen und gehen. Du bleibst. Mir fällt kein einziger Grund ein, warum es ohne dich besser sein sollte.Wenn ich jetzt, heute, gefragt würde, mit wem ich mir vorstellen kann, den Rest meines Lebens zu verbringen, ich würde deinen Namen nennen. 

Seltsamerweise verstehen die Wenigsten das. Es ist, als sei mit seinem Partner zusammen zu ziehen immer noch der Olymp des Wohnens.  Die unumstritten beste Lösung. Traute Zweisamkeit, trautes Heim. Alternative Lösungen führen zu hochgezogenen Augenbrauen und „ach das geht doch nicht“ Kommentaren. Mein Liebster unter denen ist: „Aber was ist, wenn ihr mal eine Familie gründen wollt.“ Ich bin ja jetzt in so einem Alter und zudem noch eine Frau, da fangen die Fragen an. Da geht man automatisch davon aus, dass ich Mutter werden will und vermutlich bald, weil na ja, ich hab ja ne Vagina und jetzt ist beste Alter und ab 25, die sinkt die Fruchtbarkeitskurve schon wieder. 


OH NEIN! Stimmt ja, die Uhr tickt. Jetzt wo du es sagst, werde ich direkt nach Hause laufen und mich bespringen lassen und mir dann ein gemütliches Nest einrichten.


Alles Quatsch, wie du so gerne sagst.

Selbst wenn ich eine Familie gründen wollen würde, wäre das viel cooler mit dir. Weil man einander unterstützen kann und die Kids gleich Homies haben.

Zitat Laurie Penny: „Ich lebe in einer Wohngemeinschaft mit
Frauen und Männern. Wir sind nicht alle in Beziehungen, überlegen uns
aber, wie wir gemeinsam Kinder aufziehen können oder die Finanzen
organisieren. „

Allerdings hat auch sie mit Vorurteilen zu kämpfen: „Meine Eltern haben kein Verständnis dafür, weil uns die
Sprache für diese Liebes- und Lebensform fehlt. Aber wir benutzen für
die Liebe ja auch nur ein einziges Wort. Die alten Griechen hatten
verschiedene Ausdrücke für alle möglichen Formen der Liebe und daher
auch andere Lebenskonzept.“ (Interview aus der TAZ

Es gibt eben nicht nur einen Weg. Es gibt verdammt viele Wege, Konzepte, Vorstellungen. So viele, wie das Vorstellungsvermögen hergibt.

Das Gute ist: Wir haben die gleichen Vorstellungen. Wir sind Komplizen, in dem, was wir sind, in dem, was wir wollen und darin, anderen mit ihren Vorträgen zu somachtmaneseben in die Schranken zu weisen. So machen die es eben, aber wir nicht. Unsere Vision ist eine andere. Das macht sie nicht schlechter. Möglicherweise macht es sie sogar besser. 



Ich glaube dran. Du glaubst dran. Und der Kaktus würde auch dran glauben, wäre er nicht zu sehr damit beschäftigt sich über seinen neuen Blumentopf zu freuen.

1 Kommentare

  1. markus sagt

    schön geschrieben.
    und schön gelebt.
    menes wissens hat niemand vor betreten des planeten eine vereinbarung unterschrieben, daß er „normal“ sein wird.
    anders ist eigentlich immer gut – nicht als selbstzweck, sondern wenn es sich so besser anfühlt.
    risiko: wenn man sich nicht den vorgaben/erwartungen/normen unterwirft, ist man selber zuständig für die definition der wünsche und ziele. das kann anstrengend sein.
    aber es lohnt sich …

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