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Täglich

Neuer Mitbewohner.

Mit L. Ausflug zu Real gemacht. Total abgefeiert. Vom Produktangebot erschlagen. Wunderwarenwelt. Guck mal, alter, KÄSETHEKE.

Konsumrausch: Papaya und Sternfrucht und Passionsfrucht gekauft.

Alpro Soya reduziert. 1,45 Euro. Lieblingssorte (Apfelstrudel) Normalpreis.

Kurz mit L. diskutiert ob einen Käse und Alpro Soya kaufen vertretbar oder eine ethische Farce ist. Darauf verwiesen, dass man jemanden, nur weil er eine gute Tat tut, nicht vorwerfen kann, nicht direkt das ganze Universum zu retten. 

 Um eins vor eins (nachts) U. Kaffee gemacht. Versucht Kaffeesatz aus dem Bodum im Müll zu entsorgen, wegen Horrogeschichten über von Kaffeesatz vertopften Rohren. Schnell aufgegeben, weil kein Löffel zum Auskratzen zur Hand. Auch egal, hier fällt ohnehin alles auseinander.

 Mängelliste unserer Wohnung: Gummis in den Türrahmen fallen ab (sämtliche!), Hahn für Heißwasser in der Dusche lässt sich nur mit viel Druck zudrehen, ansonsten dreht er kurz ein bisschen ab und dann das Wasser wieder voll auf. Haustür schließt nicht mehr ohne das man abschließt, das Wasser lässt sich nicht abstellen, Licht im Hausflur kaputt.

Jedes Mal abwägen: Im Falle eines Falles schweren Wasserschaden riskieren oder die unglaubliche unfreundliche Hexe einer Sekretärin des Vermieters anrufen.

Jedes Mal für erstes entscheiden.

Träume von einer schöneren Wohnung. Haus im Grünen. Meinetwegen auch mit kaputten Türrahmen. Aber dafür Wasser abstellbar. Und Pony im Garten.

Litschi gegessen (frisch, nicht aus der Dose).

Morgens nicht aus dem Bett gekommen. Eine Stunde lang immer wieder eingeschlafen. Wirre Träume in denen ich mich für freie Kunst bewerbe und seltsame Auswahlverfahrengespräche führe. Bis U. mir endlich Kaffee ans Bett bringt. Keine Ode der Welt könnte beschreiben, was das braune Gold mir bedeutet.  Vielleicht trifft es das: Wäre ohne nicht lebensfähig. Draußen Sport gemacht, dabei Hose komplett eingesaut. Schwindel. Fast umgefallen, dann aber doch nicht. Den Gedanken: Was soll diese Scheiße eigentlich durch drüber Lachen vertrieben.

Laune ansonsten insgesamt eher mäßig. Bachelorarbeit zerrt an meinem Nerven. Werde das Gefühl nicht los, sie niemals zu schreiben. Der totale Mangel an Relevanz macht mir zu schaffen. Elfenbeinturm Wissenschaft. Eben irgendwie doch. Dieses Abgeschottete des Themas gleichzeit schön und scheiße finden. Mein Thema interessiert sich nicht für Tagespolitik.

Wenn man schon beim Stichwort ist: Tagespolitik. Facebookseite überflutet von „Pegida“-Diskussionen, Beiträgen, Kommentaren. Pro Contra Ping Pong unter jedem Beitrag. Weicheimodus: Nicht mehr in der Lage mich damit auseinanderzusetzen. Nicht mehr in der Lage drüber nachzudenken. Nicht mehr in der Lage das für bahre Münze zu nehmen. Einfach abschalten. Funktioniert am Ende auch nicht. Was für eine verkackte Welt. Ich wäre so gerne alt und hätte schon alles hinter. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg geboren. Relativ harte, aber auch gute Zeiten erlebt. Kinder, Enkel, vielleich bald noch Urenkel. Man macht sich noch Gedanken, aber nicht mehr so viele Sorgen, weil man statistisch gesehen nicht mehr allzuviel Zeit auf dieser Welt hat.

Stattdessen muss ich mir theoretisch eine Zukunft ausmalen. Ach, Fuck you. (Und da funktioniert auch das mit dem Haus und dem Pony und dem Garten nicht mehr.)

Haferbrei mit kandierten Äpfel und Zimt gemacht. Wohlfühlsessen. Wärmt die Magengegend. Hat das Gemüt wieder ein bisschen ins Lot gebracht. 

Serien gucken. L. singt die Serienmelodie. 
Niemand singt so scheiße wie du, sage ich.
Ich muss ja üben, sagt sie,  bis ichs kann und dann du so: Woah, voll gut.

Wann das letzte Mal voller Tatendrang aufgewacht? Mit Kribbeln im Bauch, Vorfreude und all dem Firlefanz? 
Keine Ahnung. Stattdessen: Bachelorarbeit, Bachelorarbeit, Bachelorarbeit. 
Selbsthass ist kein sehr guter Begleiter. Selbsthass trägt einen nicht über den Tag. Selbsthass spornt nicht zu überragenden Leistungen an. 
L. kommt morgens in mein Bett, um später wieder in ihr Bett zu gehen und zu schlafen.  Dann mit ungekämmten Haaren im Wohnzimmer sitzen.
Ich bin son Penner, sagt sie. 
Ich lache.
Wer ist das nicht dieser Tage? 
Assimilation mit dem Umfeld. Wären wir ins Östliche gezogen, mit all den Biobäckern und Froyoshops, wir würden jetzt unsere Kinder in Wägen schuckelnd Latte Machiato trinken und uns über die Vorteile von Stoffwindeln unterhalten.
Aber wir leben halt hier, im „Ghetto“.
U. erzählt mir wilde Geschichten zum Einschlafen, die ihn gleichzeitig weiter weg und näher ran rücken. Das geht. Geschichten können das. 

Pflichtlektüre und freiwillige Lektüre.

Der Sanitärbeauftrage im Baumarkt lacht, als ich ihm das Foto von unseren Amaturen zeige. 
Hab ich noch nie so gesehen, sagt er. 
Das war ja zu erwarten. Mein Plan einen auf Bob der Baumeister zu machen, statt mit der Sekri zu telefonieren geht also nicht auf.
Erschreckend entspanntes Telefonat.
Es klärt sich auch die Sache mit den Blutspuren im Treppenhaus. Mieter oben hat betrunken in ein Glas gefasst. Pulsaderschnitt. Deswegen hat es so gespritzt.
Nichts Dramatisches also, sagt sie. 
Na dann, sage ich, besser nicht ins Glas fassen in Zukunft, was?! 
Haha.
Schlechte Sprüche zwecks Anbiederung. Leider nett sein müssen, wegen was wollen und so.   
Was sind wir nur alles für verlogene Vögel.
Kaktus gekauft. Damit L.s einen Kumpanen hat. Außerdem kleine, sehr kleine weiße Übertöpfe. Pinke Krone. Keine Ahnung, woher die Faszination für Kakteen plötzlich kommt. Muss das Alter sein. Mutiere zum verschrobenen Kauz (oder die immer schon vorhandenen Strukturen verfestigen sich).

Die helle Kammer noch mal gelesen. Als besonders interessant jene Passagen gefunden, die nichts mit der Bachelorarbeit, wohl aber mit dem Herumstromern in virtuellen Welten zu tun hat. Das Private wird als solches öffentlich konsumiert (Vgl. Roland Barthes, Die helle Kammer, Suhrkamp 14. Auflg. 2012, Seite 109) und so weiter und so fort.

Over and out. 

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