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Das Nichts und ich.

Es gibt Tage, da ist nur noch Wut.
Oder schlimmer noch das Nichts. Wut ist immerhin etwas. Wut kann man im besten Fall kanalisieren und im schlechtesten Fall explodieren lassen.
Das Nichts kann man nur aushalten und eigentlich trifft es das nicht, das Nichts kann man nur abwarten. Das ist ein elendes Warten. Ein Warten ohne Ende in Sicht, weil wenn das Nichts einmal da ist, fühlt es sich stets so an, als würde es immer bleiben.
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Das Nichts lässt keine Antworten, keine Fragen, keine Träume, keine Ideen, keine Hoffnung am Leben. Das Nichts löscht alles aus. Man kann es beobachten, indem man versucht zu träumen während das Nichts da ist oder Pläne zu schmieden oder Ideen auszuarbeiten. Das Nichts wird es unmöglich machen. Den Anfangsgedanken, den bekommt man vielleicht noch zu fassen, aber dann steigt jenes säuerliche Gefühl in einem auf und man spürt wie sich jede Regung in einem zusammen zieht und ganz klein und schrumpelig wird. Der Geist, der erstickt, das ist das Nichts. Es ist der Widerhall von dumpfer Leere in Herz und Kopf. Wenn beim Blick in den Spiegel nur die Lächerlichkeit deiner Existenz zurückgeworfen wird und das Nichts neben dir steht und „naja so ist das Leben“ sagt.

Auch nachts ist es nicht besser. In dunklen Träumen greifen dunkle Gestalten nach mir. Ich kämpfe ständig gegen irgendwen oder irgendwas, schwer definierbar, und verliere immer. Die Wege sind verworren, die Dinge rätselhaft und unlösbar.
Manchmal, an den Morgen danach, die sich nicht nur anfühlen als hatte man nicht geschlafen, sondern als käme man von einem stattlichen Rave, tippe ich dem Nichts zaghaft auf die Schulter.

„Entschuldigung“, sage ich zu dem Nichts, „wie lange willst du denn noch so ungefähr bleiben?“ Das Nichts hat für diese Frage nur ein müdes Lächeln übrig.

„Ach Kleines“, sagt es, „du weißt doch wie das ist. Ich komme wann ich will und ich gehe wann ich will und nicht mal ich selbst kann vorher sagen, wann das ist.“ Und dann macht es weiter damit, alles nichtig zu machen.

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Manchmal, wenn es schlechte Laune hat, wird es hämisch.
„Versuch doch dagegen anzugehen“, sagt es dann und lacht sein giggelndes Psychothrillerlachen. Hätte es Haare, würde es sie mit Mittelscheitel tragen und sich ins Gesicht fallen lassen.
„Komm schon, versuch es. Du strengst dich gar nicht an. Los, gib dein Bestes.“ Es rollt mit den Augen und lacht und lacht.

Natürlich ist das ein Trick. Das Nichts weiß genau, dass all das nichts hilft. Liegen hilft und abwarten und möglichst flach atmen. Ich weiß das auch. Das ist mein Vorteil. Das Nichts und ich, wir kennen uns nicht erst seit gestern.

Also liege ich und atme flach und falls mich der Lauf der Dinge zwingt, doch etwas zu tun, weil man ja immer und ständig gezwungen wird, etwas zu tun, dann tue ich etwas und nur mein Geist legt sich hin und atmet flach. Ich kann das. Jahrelange Übung. Wer jetzt denkt: Ist doch nicht schwer – der hat keine Ahnung.

Erstens ist schon eine Kunst im Angesicht des Nichts nicht zu hyperventilieren und panisch durch die Gegend zu rasen wie ein Allergiker, der von einer Wespe verfolgt wird, und zweitens ist es die noch größere Kunst, trotz Bewegungslosigkeit und Stille nicht einzuduseln und langsam aber sicher die Scharfsinnigkeit einzubüßen. Denn es kommt der Moment, da das Nichts nachlässig wird. Dieser klitzekleine Moment des Schluderns, dieser winzige Riss in der Absolutheit des Nichts – den muss man abwarten und blitzschnell reagieren.

Und wenn man Glück hat und was auf dem Kasten kann man hindurch schlüpfen, raus aus dem Nichts, sich umdrehen und dem Nichts eine lange Nase machen oder einen F*** geben und „bis zum nächsten Mal, du dumme Sau“ schreien oder Kusshände in Richtung Nichts werfen und dann die geballten Fäuste zum Himmel strecken und „yeahyeahjippiejayeah Schweinebacke“ schreien. Denn wenn man erstmal raus ist aus dem Nichts, denn sind der Möglichkeiten viele.

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Es ist zum Haare raufen. Alles. Immer. Schreien hilft eigentlich nicht. Kann man aber ruhig trotzdem mal.

 

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