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Und man träumt und man träumt und man träumt

Einen Haken hinter etwas setzen, heißt nicht zwangsläufig, dass es danach weiter geht. Mit der Liste. Dem Papier. Oder dem Leben. Es heißt auch nicht, dass alles anders wird, nur weil man diese eine Sache erledigt hat. Oder mehrere. Oder alle. Oder weiß der Geier. Und der weiß vielleicht auch manchmal nicht. Wenn er da steht, vor seiner abgearbeiteten Liste und sich fragt, wo das Feuerwerk bleibt. Der große Moment der Erleichterung, die Euphorie, all das Neue, für das jetzt Platz ist. Dann wird ihm klar: Platz schaffen heißt nicht gleich, dass auch etwas diesen Platz einnehmen wird. Es bleibt: ein Loch. Man kann hineinstarren oder fallen. Oder drüber hüpfen, wenn die Sprungkraft reicht. Man kann auch so lange alte Socken hineinwerfen, bis das Loch kein Loch, sondern ein Haufen alter Socken ist. Inwieweit das hilfreich ist, bleibt die andere Frage. Vielleicht fühlt man sich davon auch furchtbar genötigt, jetzt endlich mal die Wäsche zu machen und schon ist man wieder drin in der nächsten to-do-Listen-abhaken-cypher.

Was hatte ich erwartet? Dass die Welt an meine Tür klopft, glaube ich. Leider tut sie das so gut wie nie. Sie ist so eine, die kommen und klopfen lässt. Mag sein, dass sie dir die Tür öffnet, aber durchgehen musst du schon selbst. Egal, was du erreichst, was du abhakst, was du schafft: du wirst immer ein Bittsteller an den Toren dieser Welt bleiben. Dein Leben wird sich nicht einfach so in einen dieser Abenteuerreisenzeltamseeuntersternenhimmeltumblrblogs verwandeln.

Man fragt sich: warum? Wenn das Erreichen von Zielen nicht zu Zufriedenheit führt, waren es dann die falschen Ziele? Vermutlich. Aber auch diese Erkenntnis – reingefallen zu sein, erreicht zu haben, was man erreichen sollte und zu bemerken, dass das Gefühl dazu absolut unspektakulär ist – bringt einen auch nicht weiter.

Und man liegt da, hört Lieder, die dieses Kitzeln wecken, erst nur im Solar Plexus und dann Strahleninvasion bis in die Fingerspitzen und man träumt vom Tanzen und man träumt vom Reisen und man träumt vom durchs Ghetto reiten und man träumt und man träumt und man träumt.

(Foto:Charlotte Krusche)

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