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Liebesbrief Vol. Ichweißesauchnichtmehr

Ich weiß nicht, der wievielte Liebesbrief das hier ist. Ich hab vergessen, wie oft ich dir schon meine Liebe auf dem Papier gestanden, mich in Zuneigungsbekundungen und in Kitsch gewälzt habe. Aber es ist egal. Nicht die Nummer zählt, sondern dass ich dir immer noch schreibe, dir immer noch zuschreien will: Ich liebe dich. Jeden Tag und niemals weniger, sondern immer mehr. Ich liebe dich und wiemansoschönsagt jede Faser meines Körpers, aber vor allem jede Synapse meines Geistes verzehrt sich nach dir. Ohne dich sein ist ohne Balance einen Drahtseilakt meistern. Zum Absturz verdammt. Bei allem, beim Leben.

Pathos? Ja, Pathos. Du hast es verdient. Her mit all dem Pathos dieser Welt, her damit, hier her.
Es ist komisch, dieser fremde Mensch in unserem Zuhause. Es ist komisch dieses Fremde, wo woher unser Zuhause war.

Es ist komisch, dass es kein Zuhause mehr ist. Ich klammere mich fest, an den Resten von dir. Dem dreckigen T-Shirt, das du gelassen hast, dem Bisschen Creme in der fast ausgedrückten Tube. Wenn der Neue weg ist, draußen, die Stadt erkunden, die jetzt auch seine ist, dann rede ich mit deinen Möbel. Wir quatschen so über dieses und jenes und alles, was mit dir zu tun hat.

„Mach uns doch mal auf und zu“, sagen die Schubladen und sind dann doch enttäuscht, weil ich es nicht so mache wie du.

„Leg dich doch mal auf mich drauf“, sagt das Bett und ist dann doch enttäuscht, weil ich es nicht so mache wie du.

„Setz dich doch mal an mich dran“, sagt der Schreibtisch und ist dann doch enttäuscht, weil ich es nicht so mache wie du.

Und die Blumen nölen, wenn ich sie gieße, denn das hättest du niemals getan. Und die Jalousien nörgeln, wenn ich sie hochziehe, denn auch das ist ganz unüblich. Und die Dielen ätzen, wenn ich darüber gehe, weil ich schwerer bin als du.

„Ich weiß“, maule ich, „ich bin nicht sie. Ich weiß es ja auch. Wenn es so wäre, wär ja alles kein Problem. Dann wäre ich wir beide gleichzeitig, aber so ist es nicht.“

Dann ziehe ich eine Flappe und die Möbel strecken mir die Zunge raus und dann streiten wir uns, jedes Mal, es artet immer in Streit aus. Wir machen uns so lange Vorwürfe bis einer weint und am Ende weinen alle und manchmal weht ein kalter Wind durch das offene Fenster und wir fühlen uns einsam und wir stellen uns vor, du würdest uns in den Arm nehmen, aber du bist nicht da und keine Vorstellung, so präzise sie auch immer sei, kann dich ersetzen.

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