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[Wer wir sind//Ein Manifest der Möglichkeiten]

Wir sind die Schmuddelkinder. Wir sind die mit den Ausstiegsfantasien. Wir sind die Spielverderber. Wir sind die, die nicht mitmachen wollen. Wir sind die, die schon als kleine Kinder immer Grashalme im Haar hatten und bis heute nicht dazu gekommen sind, die rauszukämen. Wir sind die Anderen. Wir sind die ohne Plan. Oder eigentlich nicht. Eigentlich haben wir einen Plan. Aber keinen Passenden. Denn wir sind die, die die Welt nicht mehr verstehen. Nie verstanden haben. Nie verstehen werden. Wir sind die, die alles anders sehen. Wir sind die, die nicht mitmachen wollen. Wir sind die Schmollbacken. Wir sind die verlorenen Kinder. Wir sind die Irrlichter und Nimmermüden. Wir sind die Kindsköpfe und Querdenker. Wir sind die in Schieflage und die in Partylaune. Wir sind die Träumer. Wir sind die Tänzer. Wir sind die sanften Großstadtgangster. Wir sind die Suburbanundergroundartisten. Wir sind die Seifenblasenfänger und Schmetterlingsdompteure. Wir sind die, die man sich nicht im wildesten Traum vorstellen kann. Wir sind die Rebellen und die Antihelden. Wir sind die Idealisten und ewigen Zweifler, beides in einem. Wir sind die mit der Gier nach dem endlosen Augenblick. Wir sind die, denen die Dinge unter die Haut gehen. Wir sind die, die anecken. Denn wir sind die mit den Ecken und Kanten. Wir sind die, die ständig Fragen stellen, weil uns keine Antwort total plausibel erscheint.

Wir sind die, die es nicht wahrhaben wollen. Wir sind die, die gegen die totale Entzauberung kämpfen. Wir sind die, die immer gesagt bekommen, so könne es nicht gehen. Wir sind die, die es dann erst recht machen. Wir sind die, die es immer wieder versuchen. Das Unrealistische, das Unaussprechliche, das Undenkbare. Wir sind die Bananen, die nach Erdbeeren schmecken und die es hier nicht zu kaufen gibt. Wir sind die, die Verwirrung stiften, weil so viele denken, Bananen müssten nach den Industrienormdingern schmecken, die man an jeder Ecke bekommt, 1,29 Euro für fünf Stück. Wir sind die, die staunend den Kopf gen Himmel richten, ob der wahnwitzigen Tatsache, dass es uns gibt, auf diesem winzigen Punkt in diesem riesengroßen Universum. Wir sind die, die auf den Barrikaden stehen. Mit brennenden Fackeln, brennenden Worten, brennenden Herzen. Wir sind die, deren Standarteinstellung Reaktanz ist. Wir sind die, deren Mittelfinger immer oben sind. Wir sind die, die auf die Kacke hauen. Nur jetzt oder gar nicht. Wir sind die, die Freiheit fordern. Wir sind die, die glauben, dass das Leben verflucht noch eins nichts ist und alles und dass es Rausch sein muss. Im positivsten Sinne. Dass es frei zu gestalten sein muss. Wir sind die, die sich nicht eingrenzen lassen wollen. Wir sind die, die nicht in Schubladen gesteckt werden wollen. Wir sind die, die sich nicht messen lassen wollen. Wir sind die, die wissen, dass alles nur Konstrukt ist. Wir sind die, die sich Straßen aus Zucker wünschen und glitzerndes Glück und tiefdunkle deepblaue Traurigkeit und von allem viel und alles mit voller Wucht. Wir sind die, die Nase trotzig in den Wind halten und dem Salzwasserduft Richtung Meer folgen. Wir sind die, die alles fordern. Wir sind die, die in der Bahnhofsvorhalle auf dem Fußboden ein Sit-In mit den Secruitys abhalten. Wir sind die, die auch mit sechzig noch Eiskugeln mit Streuseln bestellen. Wir sind die, die Opaschlüpfer mit Einlass tragen, obwohl wir weder Enkel noch einen Penis haben. Wir sind die, die dem Druck des perfekten Lebenslaufes und alle den Carpe Diem Wandtattoos den Rücken zukehren und stattdessen mit aller Kraft die Faust in die Luft recken für Menschlichkeit, für Liebe, für Fairness und Gerechtigkeit, für verdammt noch mal Frieden. Wir sind die, die an einem Strang ziehen, aber jeder mit der eigenen Hand. Wir sind die, die jede Menge Feste feiern und ein wildes, aber zärtliches Miteinander zelebrieren. Wir sind die, die auf dem Marktplatz Rhabarber anpflanzen. Wir sind die, die die Städte zurück erobern und wieder zu lohnenswertem Lebensraum machen. Wir sind die, die aufhören, das Wertvollste zu veräußern, was wir haben: Zeit. Wir sind die, die Phantasie als Waffe der Wahl einsetzen. Wir sind die, die Betäubungsmittel verbahnen und sehendes Auges in die Hölle unseres Dasein blicken, um all den Schmerz und die Wut, all die Enttäuschung, all das innere Grauen mit Spucke verrühren und daraus ein Fundament für unsere Utopien zu gießen. Wir sind die, die lieben wie verrückt und an jeder Ecke und zu jeder Stunde um diese Liebe kämpfen. Wir sind die, die im Lichterrausch nach den Sternen greifen und die Unendlichkeit bezwingen. Was übrig bleibt sind die zuckenden Blitze im Bass der endlosen Gegenwart.

*Wir sind vielleicht auch die, die nichts davon sind. Wir sind die, die all das sein könnten. Wir sind die, die einfach nur damit anfangen müssen. Aber wir sind auch die, die lieber rumliegen und der Zeit beim Verinnen zuschauen, während wir uns fragen, wer wird sind.IMG_4097

2 Kommentare

  1. Wundervoll! Einfach nur anstiftend, mitreißend, ich hoffe Du hast nichts dagegen, wenn ich Deine Worte weiter in die Welt trage. Wir sollten noch viel mehr solche Menschen erreichen. Danke! 😀

    • Lisa Krusche sagt

      Ich danke Dir! Klar, immer raus damit in die Welt – aber nicht vergessen die Quelle anzugeben 😀 😉 Alles Liebe, L.

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