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Über ein schwieriges Verhältnis

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„Ach“, sagt das Schreiben, „ach. Heute nicht. Es steht mir nicht der Sinn danach.“ Es steht in einer Ecke des Zimmers, angelehnt, die Arme verschränkt, einen Fuß an die Wand gestützt. Es zieht eine Schnute.

„Nein“, sagt es, „nein. Es ist nichts. Gar nichts. Ich mag nur nicht.“ Dann wendet es sich ab, schmiegt Wange an Wand und malt mit dem Zeigefinger Kreise darauf, so betont zärtlich als wolle es einen Liebhaber eifersüchtig machen.

„Hm“, schnaubt es. Dann schweigt es. Lange.

Später finde ich es im Bett. Linke Ecke, Fußende, Embryohaltung.

„Nein“, sagt es, „immer noch nicht. Morgen vielleicht.“ Es schnipst gegen einen Fussel. Der Fussel bewegt sich nicht. „Vielleicht auch nicht“, sagt es.

Noch später begrüßen mich wummernde Bässe. Das Schreiben tanzt auf dem Wohnzimmertisch, in jeder Hand eine Kippe, eine im Mund und eine Flasche in der Arschtasche der Jeans. „Scheiß drauf“, grölt es und wirft die Hände hoch, „scheiß einfach drauf.“ Es springt auf und ab und reißt die Arme in die Höhe.
„Willste auch nen Schluck?“, fragt es mich lallend und hält mir die Flasche hin. Ich schüttle den Kopf und lege mich ins Bett; ohne es zu bemerken, immer noch ein wenig Kopf schüttelnd. Die Lage ist sehr verwirrend.

Nachts wache ich davon auf, dass sich das Schreiben an mich schmiegt. Es ist schweißnass und riecht nach Alkohol. Das ist nicht schlimm, ganz im Gegenteil, dieser süßliche Geruch weckt die besten Erinnerungen an die längsten Nächte. Sorge macht mir mehr das Zittern des Schreibens. Es atmet in mein Ohr.

„Nimm mich“, haucht es, „jetzt sofort. Ich will dich.“ Es meint das ernst, sehr ernst und um das zu betonen oder um meine Ernsthaftigkeit zu steigern, drückt es sich fest an mich und lässt die Hände wandern.

„Was ist eigentlich los?“, frage ich. Die falsche Frage in dieser Situation. Die ganz falsche Frage. So falsch wie jede Frage jetzt gerade falsch ist. Das Schreiben schnaubt und dreht sich weg und atmet schwer.
„Ach nichts, vergiss es“, sagt es.

„Tut mir Leid“, sage ich und puste ihm zärtlich in den Nacken, „ das war nicht so gemeint.“ Aber das Schreiben grummelt nur Unverständliches und zuckt mit den Schultern, dann steht es auf und torkelt aus dem Zimmer.

„Dann eben nicht, dann eben nicht“, lallt es noch, bevor es die Tür zuschlägt.

Am nächsten Tag steht es wieder in seiner Ecke und alles geht von vorne los. Das Wetter ist schön, die Tage sind lang, die Luft ist lau, das Schreiben muksch. Es erklärt sich nicht, es grummelt nur und es bleibt einem nichts übrig als auszuhalten.

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