Blog, Warum nicht
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Geburtstagwünsche für Lieblingsmenschen sprüht man eigentlich an Hauswände. Wenn man genug Mumm hat. Alle anderen tun so als sei einen Blogeintrag zu verfassen genauso cool.

{Warum nicht den liebsten Menschen sagen, dass man sie gern hat. Deswegen hier: Ein Text über Wünsche für deinen Geburtstag, warum ich auf weniges stolz bin, aber auf uns und was unsere Freundschaft mir bedeutet. Alles gewürzt mit viel Liebe und einer dreifachen Prise Dankbarkeit.}

Es gab bisher (noch) kein Geschenk für dich, weil ich total pleite bin. Na ja ich habe vielleicht noch zehn Euro, aber ich werde morgen etwas essen müssen, das weiß ich jetzt schon. Ja! Ich kann in die Zukunft schauen. Du siehst: Eine Hiobsbotschaft und eine fantastische Offenbarung. Das fetzt gut los hier. Und – so viel sei versprochen, an dieser Stelle Trommelwirbel und so fort – es geht noch besser weiter. Oder vielleicht auch nicht. Das liegt in deinem Ermessen (falls das hier tatsächlich die größte gequirlte Scheiße überhaupt ist, genehmige ich dir hiermit mich freundlichst anzulügen). Jedenfalls ist es so: Ich dachte mir, wenn du schon (noch) kein Geschenk von mir bekommst, dann muss etwas anderes her. Ganz ohne geht nicht. Das widerstrebt irgendwie meinen Grundsätzen bezüglich der Celebration von Geburtstage. Da ich nicht basteln kann (trotz Bastelag bei Frau O. übrigens. Die konnte mir diesbezüglich gar nichts beibringen. Ich nehme an, sie war in Gedanken immer damit befasst, sich Strategien zu überlegen mit denen sie dich bändigen kann) oder singen (zumindest angeblich. Aber: Don’t believe the hype…) bleibe ich – ganz der Schuster mit seinen Leisten – beim Schreiben. Und ich tu es ganz klassisch:

Alles Gute zu deinem 24ten Geburtstag.

Das ist natürlich auf den ersten Blick eine öde Floskel. Aber nur so lange man nicht nach dem Warum fragt (ich glaube, das gilt – nebenbei bemerkt – für ziemlich viele Dinge). Also: Warum wünsche ich dir alles Gute? Und Obacht: Nun wird es ein wenig (oder sehr) kitschig (zumindest falls man einer dieser Personen ist, die das Aussprechen von Gefühlen schon für kitschig halten. ZU denen zähle ich mich eher nicht. Her mit den Gefühlen! In diesem Sinne: Weiter geht’s.)

Ich wünsche dir alles Gute, weil du es wirklich verdient hast (ja, ja, wer bin ich darüber zu urteilen, am Ende hat jeder Mensch alles Gute verdient, aber scheiß auf die, hier geht’s um dich). Du hast es wirklich verdient, weil du so schön bist. Nehmen wir mal deine Grübchen. Oder die Art wie du mit leuchtenden Augen über Computerspiele dozierst. Oder überhaupt dozierst. Deinen Humor. Dein Unvermögen Geduld im Aufbauen von Ikeamöbeln aufzubringen und dein Unvermögen über Dinge zu sprechen, die dich bedrücken. Wie du dir stattdessen die Haare raufst bis sie in alle möglichen Richtungen abstehen – womit man dann trotzdem Bescheid weiß. Die Tatsache, dass du beim Feiern meistens hinten tanzt. Wie du riechst, wenn du frisch geduscht hast (oder ist das deine Creme? Egal, jedenfalls immer gleich, nach dir eben). Wie oft du mir schon ein sehr guter Freund warst ( und es sicher auch anderen bist, aber für die kann ich nicht sprechen, also scheiß auf die, hier geht’s um uns. Und weil es nämlich uns gibt, kann ich auch sagen: Scheiß auf die. Weil ich mich darauf verlassen kann, dass du da bist).

Ich weiß nicht, ob ich schon jemals gesagt habe wie viel es mir bedeutet dich an meiner Seite zu wissen. Wahrscheinlich nicht. Es ist auch schwer in Worte zu fassen, weil so etwas wie „sehr viel“ nichts als ein schwammiger Allgemeinplatz ist (und die gilt es – wir wissen dank Herrn K. – zu vermeiden). Man könnte auch sagen: „Ich bin so unendlich dankbar, dass wir so viele gute Momente hatten und dass wir unsere paar Scheißmomente gemeistert und alle Scheißmomente, die mit dem Leben im Allgemeinen zu tun hatten gemeinsam durchgestanden haben“. Ich hadere aber mit der Formulierung „unendlich dankbar“, obwohl sie war ist. Sie klingt einfach nicht so schmissig. Und du hättest eine schmissige Formulierung verdient. Und eine Ode. Eine Blaskapelle ( oder zwei. Eine Richtige, die dir ein Ständchen kredenzt und eine Barbusige, die dir – nun ja – ebenfalls ein Ständchen kredenzt). Einen Goldregen. Tausend Heliumluftballons in deiner Lieblingsfarbe und doppelt so viele Torten. Und natürlich auch dein Klassiker: Straßen aus Zucker und Brunnen aus deinen Rum und Whiskey fließt.

Manchmal wenn ich dich so angucke wie du etwas sehr Banales tust, Schwämme auskochen zum Beispiel, dann bin ich einfach nur stolz. Und das bin ich selten, weil ich diese Empfindung irgendwie illegitim finde oder seltsam oder einfach als eine, die mir nicht liegt. Im Bezug auf dich aber ist sie weder illegitim noch seltsam noch fällt sie mir schwer. Es macht mich stolz, dass wir immer noch so gut befreundet sind. Es macht mich stolz dich in meinem Leben zu haben. Das, da bin ich mir sicher, hätte ich dich nicht, um einiges beschissener gelaufen wäre. Es gibt einfach so ein paar Momente, tja, da wäre ich ohne euch wohl vollends durchgeknallt. Man könnte auf die Frage wie viel es mir bedeutet, dich an meiner Seite zu wissen als vielleicht – und unter der Prämisse der Vermeidung von Allgemeinplätzen – sagen: Existentiell viel. Du bist ein Teil meiner Familie. Und zwar einer der Guten. Ich habe dich sehr, sehr, sehr lieb. Deswegen:

Alles Gute.

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