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Guess who’s back?

Das Schreiben ist zurück. Es hat gute Laune, es ist voller Tatendrang. Es sagt: Komm, wir scheißen auf die Anderen. Haben wir doch sonst auch immer gemacht. Es sagt: Jawohl, wir gehen es an. Es sagt: Wir müssen uns zusammenraufen, sonst gehen wir unter.
Es hat Recht. Die Zeit ohne es war anstrengend, zermürbend, deprimierend. Zu viel gegrübelt, zu viel in Frage gestellt. Wenn das Schreiben wankt, wankt alles. Pathos, vielleicht. Nur: Es muss etwas geben. Der Geist braucht Verankerung. Träume sind kein unnötiger Firlefanz und Hoffnung nicht bloß ein Schmuck- sondern Kernstück unserer Existenz. Wer alle Hoffnung und Träume verloren, verlegt oder verraten hat, dessen Geist muss zwangsläufig den Halt verlieren.

Es grüßt der Wahnsinn. Er lächelt dabei zuckersüß. Ist sehr nah. Keinen Meter entfernt. Schert sich nicht um Komfortzonen und dergleichen, liebt die Nähe, will intim werden. „Wir wären ein schönes Paar“, sagt er und „Willkommen am Abgrund“. Dort, wo er hindeutet – unten, oben, hier – dort wirbelt es, es tut sich ein Spalt auf, Gischt und Strudel. Springen erscheint ganz leicht, wie eine Erleichterung, das Lächeln des Wahnsinns- so schön. „Lass dich fallen“, sagt der Wahnsinn, „gib alles auf, komm zu mir, ich schaffe Klarheit, ich räume alles auf, es gibt keine Fragen mehr, wenn wir tanzen, lass uns tanzen.“ Er tanzt mir erhobenen Armen, wie mit einem unsichtbaren Partner, lächelt versonnen. Je länger das Schreiben fort ist, umso schöner der Wahnsinn, umso verlockender, umso näher. Flüstert einem ins Ohr, haucht und pustet und umgarnt. „Ich bin die Antwort, es geht ums fallen lassen, lass dich fallen.“ Aus dem Umgarnen wird ein Zerren und Reißen und den Kopf schon mal in den Abgrund halten, Ohren schlackern, festkrallen, will man fallen, will man nicht fallen. Man will oder muss oder beides oder woisteigentlichderunterschied?. Und just in dem Moment, in dem die Verzweiflung überhandnimmt, man bereits tobend seine Wohnung zerlegt und seine Freunde verprellt hat, weil der innere Druck zu groß geworden ist, weil man sich selbst nur noch hassen kann und deswegen auch alles andere, weil man stumm geworden ist und man an nichts schneller erstickt als am Stummsein, nichts mal an Sauerstoffmangel, just in dem Moment, in dem die Dämmerung anbricht und es für immer Nacht werden wird, kommt das Schreiben und die Ecke und sagt „Hi“.

Es guckt sich um, schaut verwundert aus der Wäsche, legt den Kopf schief, zieht eine Augenbraue hoch und fragt: „Wasn hier los?“ Man selber sinkt auf die Knie, schluchzend, und flüstert mit gebrochener Stimme: „Ich dachte, du kommst nicht mehr wieder.“ Das Schreiben grinst, kommt ran, haut mir auf die Schulter und sagt: „Ach komm, was für ein Quatsch. Wie lange kennen wir uns jetzt schon? Als ob ich dich verlasse.“
„Aber, aber…“ Ich schaue in meine Handflächen, wende sie, schaue.
„Aber du warst so lange fort.“
„So lang war es doch nicht, Mensch, Mensch, hättest du was gesagt, ich wäre früher gekommen. Kann man ja nicht wissen, dass du so durchknallst und alles platt machst hier. Nett sieht das aus, avantgardistisch irgendwie.“ Es deutet auf den Schutthaufen, der mal meine Wohnung war. „Viel mehr Platz jetzt, gefällt mir. Legen wir los?“

Also klettern wir auf den Schutthaufen, denn hier ist die Aussicht am Schönsten, und machen weiter, wo wir aufgehört haben.

„Als wäre nichts gewesen“, sagt das Schreiben.

„Was soll gewesen sein?“, frage ich, ohne einen blassen Schimmer wovon es spricht und ohne aufzuschauen. Dabei soll die Aussicht so schön sein.

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