Blog, Frisch und lecker, Logbuch // Faultier featured
Schreibe einen Kommentar

Vorbereitung des Faulseins

faultierbarthes

„Ich mag es hier nicht, nein, nein, ich mag es gar nicht“, sagt das Faultier. Wir sitzen in der Uni.
„Ich schon“, sage ich. Das Faultier guckt mich mit zusammen gekniffenen Augen an.
„Du bist total scheiße“, sagt es.
„Oh, danke“, sage ich.
„Ja, echt jetzt“, sagt es, „total beschissen. Früher, da mochte ich dich irgendwie. Da warst du locker und lustig. Jetzt bist du so ein Pisser, der total ernst über Roland Barthes Die Vorbereitung des Romans hockt sich dialektische Gedanken macht.“
„Weißt du überhaupt was dialektisch bedeutet?“, frage ich.
„Genau das meine ich“, sagt es. „Ist doch so richtig scheißegal. Komm wir schwänzen.“
„Nee“, sage ich, „heute nicht. Jetzt sind wir doch schon da.“
„Na und? Es gibt hier nicht mal eine Anwesenheitspflicht. Komm, wir verpissen uns jetzt und machen was Besseres, zum Beispiel nichts.“
„Nee“, sage ich, „nicht heute, ich mag lieber hier bleiben und was lernen.“
„WAS LERNEN? WAS LERNEN? Wir lernen jetzt was und zwar fürs Leben und zwar wie man sich verpisst, um Luftschlösser zu bauen und Tagträumereien zu fabrizieren.“
„Nee“, sage ich, „so eine Chance kommt nicht wieder, man muss mitnehmen, was geht, bevor die zwei Jahre rum sind und man ernsthaft arbeiten muss.“
„Ich wusste es“, sagt das Faultier und schüttelt bedächtig den Kopf. Dann neigt es ihn und nimmt seine Nase zwischen Daumen und Zeigefinger und flüstert mit brüchiger Stimme noch einmal: „Ich wusste es.“ Es schnauft.
„Du bist Opfer der Drohkulisse der Normalität.“
„Psst“, sage ich, „ich muss mich mal konzentrieren jetzt.“
Das Faultier schaut mich lange an. Dann springt es auf, hüpft auf meine Schultern und beginnt an meinem Kopf zu ziehen.
„Wir müssen hier raus“, schreit es, „jetzt sofort, wir müssen dich hier rauskriegen, du bist irre geworden, komm komm.“
„Ey, lass das, lass das.“ Ich schlage nach dem Faultier und verpasse stattdessen meiner Sitznachbarin eine Ohrfeige. Das Faultier lacht.
„Niemals“, schreit es.
„Dann mach halt, ich höre trotzdem weiter zu“, sage ich noch, da hält das Faultier mir schon die Ohren zu.
Ich kneife es ins Bein. Statt beleidigt runterzugehen, wie es mein Plan vorsieht, schnappt sich das Faultier meine Wasserflasche und entleert sie über meinem Kopf.
„Na Geil“, sage ich.
„So macht man das mit Leute, die wieder zur Besinnung kommen sollen“, sagt das Faultier achselzuckend, „du bist einer von denen. Also. Gehen wir dich jetzt trocken legen?“
„Jaaa“, knurre ich.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>