Alle Artikel mit dem Schlagwort: Notiert

vögel

Was möchtest du denn gerne?

Sie hat es wieder getan. Einen Text geschrieben, ihn mir geschickt und jetzt und hier also ein neuer Text von Kyra. Den Anderen findet ihr hier! „Was möchtest DU denn gerne?“, fragt sie mich und ich gucke aus dem Fenster. Auf der Veranda pickt eine Taube, pick, pick, ins Holz hinein, vielleicht sind da ja Würmer drin, oder Körner, oder Sonnenblumenkerne. Aber wo sollen die herkommen, im Garten gibt es keine Sonnenblumen und Sonnenblumenkernschalenspuckende Jugendliche in Bomberjacken und Turnschuhen gibt es hier auch nicht. Das möchte ich gerne der Taube sagen. “Ich möchte gerne der Taube sagen, dass es auf dieser Veranda keine Sonnenblumenkernschalenspuckende Jugendlichen in Prollklamotten gibt,“, antworte ich und ich merke, dass das nicht die Antwort ist, die ich geben sollte. Mist. Die Frau in dem anderen Sessel seufzt. Sie will nicht, dass ich es höre, deswegen seufzt sie sehr leise, aber ich höre es doch. Ich bin vielleicht nicht besonders gut darin, heraus zu finden, was ich will, aber ich bin sehr gut darin, heraus zu finden, was ich soll. Und jetzt …

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24//06//2016

Was kann man eigentlich tun in dieser Welt, die einem von Tag zu Tag immer fremder erscheint? Was kann man einer Entwicklung entgegenstellen, die in eine Richtung geht, die man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht ausgemalt hätte? Was macht man mit dieser Ungewissheit, mit der Angst, dass alles immer düsterer wird, kälter, unwirtlicher? Wie geht man um mit dem Gefühl, dass die schrecklichsten aller Geister auferstehen und durch die Länder wüten und sie zu etwas machen, womit man nichts zu tun haben möchte? Wie reißt man das Ruder rum? Es schleicht sich ein Gefühl der Ohnmacht ein. Als müsse man das jetzt einfach aushalten, als könne man gar nicht tun, als zählten die eigenen Vorstellungen nichts. Als seien sie ohnehin unrealistisch, verklärt, naiv. Dabei ist das Gegenteil der Fall, daran glaube ich fest. Ich glaube an die Liebe. Ich glaube an die Freiheit. Ich glaube an die Grenzlosigkeit. Ich glaube an die Machtlosigkeit (als etwas Gutes). Ich glaube daran, dass man Ängsten anders begegnen kann, anders begegnen muss als mit Hass. Und ich glaube, …

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27//05//2016

-Wie das Gefühl sich die Intuition abzutrainieren oder abtrainieren zu sollen mich total blockiert. Wie alles, was ich bewusst konstruiere sich wie eine Lüge anfühlt. Wie ich also wieder lernen muss, mich dazu anzuhalten, intuitiv zu handeln. Was für ein Wahnsinn. – “Wir haben zu spielen.” Es ist doch total unmögich, alles ernst zu nehmen. -Es ist so eine Unverschämtheit, das es scheitert zwischen Menschen, obwohl man es doch will. Oder wollte. Und dann vermisst man plötzlich, zwischendurch, mit voller Wucht. Risse im Alltag. Allein darüf muss man schon wieder lieben. Für die Risse. -Menschen, Menschen, Menschen. Wenn man zu viel Zeit mit ihnen verbringt, weiß man wieder, warum man das nicht wollte. -Nach einem Tag allein und der Ruhe des Bei-sich-selbst-seins fühlt sich alles so wohlig an. Wie nach einem Tag in der Sonne in die Kühle der Wohnung kommen. -Jemand erzählt, was über mich erzählt wurde. Ich kann es nicht leiden und keinen Abstand halten. Versuche es mit Säten, die ich mir vorbete. Wichtig ist nur, was du von dir denkst. Es taugt …

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Summerjam

Nicht mehr lang, dann gehts los. Ich möchte mich fast dazu versteigen, es als die allerbeste Zeit im Jahr zu titulieren. Bis es endlich losgeht, vertreibe ich mir die Zeit damit, Listen zu schreiben. Zum Beispiel eine Liste der absolut fabelhaften, aber nicht notwendigen Dinge, die es für ein Festival braucht: Eine Luftmatratze Ein Kopfkissen Eine Bettdecke in Jackenform Ein Trampolin Eine Hängematte Ein Fahrrad Eine Gartendusche/ einen aufblasbaren Swimmingpool Marshmallows und Gaskocher  Seifenblasen-/Wasserpistole Ein Schlauchboot Einen Generator Eine Zuckerwattemaschine  Was es hoffentlich nicht braucht, ist ein Regenschirm, wobei ich beim Blick aus dem Fenster nicht sicher sagen kann, ob dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Es ist herbstlich grau und es nieselt. (Vielleicht hätte ich dem Herbst doch nicht von meiner gelegentlichen Sehnsucht schreiben soll. ). Fred sagt, ich solle noch Faultier auf die Liste schreibe. Es sei nämlich nicht notwendig, aber absolut fabelhaft ein Festivalfaultier als Begleitung zu haben. “Ob dem wirklich so ist, das wird sich noch zeigen”, sage ich. “Deine Mudder wird sich noch zeigen”, sagt Fred, der Witze gerne dann …

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Bücherliebe

This book is a must – Warum ich lieber für Übergewicht bezahle, als mein Leben mit dem Kindle leichter zu machen: Es ist der Geruch. Jedes Buch riecht anders. Je nach Papier und Verpackung. Je nachdem, ob es neu gekauft oder aus der Bibliothek ausgeliehen wurde.  Und ganz egal, wonach es nun genau duftet, wenn man ein Buch aufschlägt, die Nase zwischen den Seiten vergräbt und tief einatmet – Schon der Geruch ist für mich eine Verheißung. Schon der Geruch bringt mein Herz zum Hüpfen, schon der Geruch gehört zu meinem Leseerlebnis. Der Kindle riecht kaum. Ein bisschen nach Plastik. Und nach dem Ende der Welt, wie ich sie liebe. Aber das könnte auch Einbildung sein. Ich weiß, jung wie ich bin, erwartet man anderes von mir. Tituliert als ‚digital native‘ unterstellt man mir grenzenlose Technikbegeisterung, das IT- Know How von Bill Gates und den Innovationswillen von Steve Jobs. In Wahrheit bin ich altbackener als meine eigene Oma und trotziger als meine pubertierende Schwester: „NEIN! Ich will den Kindle nicht – und auch kein anderes, …

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Baklava

Nachts mit M. durch die Straßen gegeistert. Das ist wahrscheinlich das beste am Studium: Man kann zu den unmöglichsten Zeiten zu Abenteuer aufbrechen, weil man auch nur zu den unmöglichsten Zeiten Uni hat. Bei mir fängt kaum ein Kurs vor halb zwölf an. Kunsthochschule eben, die kennen ihre Pappenheimer. Und wahrscheinlich sind die Dozenten selbst auch zu tiefenentspannt oder nachtaktiv oder verpeilt, um schon morgens um acht gepfefferte Vorträge über ästhetische Positionen im 20. Jahd. oder Biopics oder die Kniffe des Keilrahmens zu halten (was natürlich eine reine Hypothese ist, ich will hier ja niemandem unterstellen, er sei ein Morgenmuffel, obwohl er morgens schon mit mehr Elan unterwegs ist als eine Disneyprinzessin beim Singen.). Auch wenn sonst nicht so viel los war, weil in einer Montagnacht, die Meisten wohl doch eher friedlich schlummern, wir waren frohen Mutes und voller Tatendrang. Also rin in die Liebslingslatschen und raus in die Dunkelheit. Sterne zählen, auf leeren Straßen tanzen, die wenigen Passanten erschrecken und zur Stärkung Baklava eintüten (#irgendeinimbisshatimmerauf). Traurigerweise ist mir mein Lieblingszuckerstück entglitten und auf die …