Alle Artikel mit dem Schlagwort: Täglich

Was möchtest du denn gerne?

Sie hat es wieder getan. Einen Text geschrieben, ihn mir geschickt und jetzt und hier also ein neuer Text von Kyra. Den Anderen findet ihr hier! „Was möchtest DU denn gerne?“, fragt sie mich und ich gucke aus dem Fenster. Auf der Veranda pickt eine Taube, pick, pick, ins Holz hinein, vielleicht sind da ja Würmer drin, oder Körner, oder Sonnenblumenkerne. Aber wo sollen die herkommen, im Garten gibt es keine Sonnenblumen und Sonnenblumenkernschalenspuckende Jugendliche in Bomberjacken und Turnschuhen gibt es hier auch nicht. Das möchte ich gerne der Taube sagen. “Ich möchte gerne der Taube sagen, dass es auf dieser Veranda keine Sonnenblumenkernschalenspuckende Jugendlichen in Prollklamotten gibt,“, antworte ich und ich merke, dass das nicht die Antwort ist, die ich geben sollte. Mist. Die Frau in dem anderen Sessel seufzt. Sie will nicht, dass ich es höre, deswegen seufzt sie sehr leise, aber ich höre es doch. Ich bin vielleicht nicht besonders gut darin, heraus zu finden, was ich will, aber ich bin sehr gut darin, heraus zu finden, was ich soll. Und jetzt …

[Wer wir sind//Ein Manifest der Möglichkeiten]

Wir sind die Schmuddelkinder. Wir sind die mit den Ausstiegsfantasien. Wir sind die Spielverderber. Wir sind die, die nicht mitmachen wollen. Wir sind die, die schon als kleine Kinder immer Grashalme im Haar hatten und bis heute nicht dazu gekommen sind, die rauszukämen. Wir sind die Anderen. Wir sind die ohne Plan. Oder eigentlich nicht. Eigentlich haben wir einen Plan. Aber keinen Passenden. Denn wir sind die, die die Welt nicht mehr verstehen. Nie verstanden haben. Nie verstehen werden. Wir sind die, die alles anders sehen. Wir sind die, die nicht mitmachen wollen. Wir sind die Schmollbacken. Wir sind die verlorenen Kinder. Wir sind die Irrlichter und Nimmermüden. Wir sind die Kindsköpfe und Querdenker. Wir sind die in Schieflage und die in Partylaune. Wir sind die Träumer. Wir sind die Tänzer. Wir sind die sanften Großstadtgangster. Wir sind die Suburbanundergroundartisten. Wir sind die Seifenblasenfänger und Schmetterlingsdompteure. Wir sind die, die man sich nicht im wildesten Traum vorstellen kann. Wir sind die Rebellen und die Antihelden. Wir sind die Idealisten und ewigen Zweifler, beides in einem. …

Täglich

Es schneit und niemand will mit mir vor die Tür gehen. Dabei ist es das Schönste überhaupt. Alleine Schneeflocken fangen geht auch, es bleibt auch mehr für einen selbst übrig, ist aber irgendwie nicht ganz so schön und beim Schneeengel machen wird man ganz alleine seltsam angeschaut und kann bloß so vor sich hin lachen. Das irritiert die vorbeikommenden Leute enorm. Was solls, yolo und so weiter. Kann man ja heute als Entschuldigung für alles verwenden. Natürlich ist der Schnee am nächsten Tag weg. Es graupelt nur noch und alles ist Grau in Grau. Dafür hat L. eine Überraschung parat: Sie hat es endlich vollbracht und ihre Unterwasserkamera zum Entwickeln gebracht. Jetzt steht sie mit dem Packen Fotos in meinem Zimmer. Gruß aus dem letzten Sommer, sozusagen. Bisschen das Fernweh befeuern, bisschen in Erinnerungen schwelgen. Bisschen davon träumen in Hängematten zu hängen und auftauchendes U-Boot zu spielen. Bisschen über seltsame, aber sorgsame Kopfbedeckungen lachen. Bisschen darüber staunen: So braun war man mal. Rototom, es war so schön mit dir.  

Täglich

Drei Springerstiefelglatzenlionsdaletypen am Bahnhof. Seit Neuesten sieht man das wieder öfter. Die offen aufgetragende Ideologie erscheint denen die sie tragen scheinbar wieder als salonfähig.  Überhaupt fragt man sich ja in Zeiten wie diesen wann und um Gottes Willen (lustige Wendung in diesem Kontext!) warum Menschenverachtung so vielen so cool erscheint*. Zumindest frage ich mich das.  Und am Liebsten würde ich das schreien.Einfach so, mitten im Bahnhof, Arme ausbreiten, leicht in die Knie gehen und mit voller Inbrunst „Warum“ brüllen. Mehrmals. Weil das die Frage ist. Warum. Warum. Warum. Vielleicht würde jemand vorbeikommen und es mir erklären, jemand der sehr, sehr, sehr weise ist. Vielleicht würde aber auch jemand vorbeikommen und mich wegsperren ohne mir was zu erklären. Ich habe ohnehin die Vermutung, dass niemand eine genaue und umfassende Antwort auf die Frage „warum“ geben kann. Dieses unerträgliche Gefühl, dass du in einer Welt lebst in der du nicht leben willst.  Und dann: Macht die Frau am Infoschalter der deutschen Bahn es möglich, dass du mit deinem Studententicket den ICE nehmen darfst, weil du aufgrund von …

Täglich.

L. und ich sind in unserer Höhle. Zeitzeltlochhöhle. Alles was draußen ist, zählt hier nicht. Nicht mal die Zeit. Und alles was drinnen passiert, spielt da draußen keine Rolle. Wie lange wir bleiben, wissen wir nicht. Am Liebsten für immer. Je nachdem wie lange der Abwehrzauber hält oder so. Aber er ist ziemlich stark, so viel kann gesagt werden. Weil wir einander haben und einandern lieben und dann ist es ziemlich leicht so einen Zauber zu zaubern.  Ich mache eine Körperreise. Über Youtube. Yoga ist mir zu anstrengend. Amiena Zylla sagt „Du hörst das Wasser“. Damit hat sie Recht. Ich höre tatsächlich Wasser. Die kaputte Dusche tropft. Der Handwerker, den die Vermierterin geschickt hat, kann das nicht reparieren. Das überrascht niemanden. Nicht mal den Handwerker. Ich frage: Woher weiß sie das, die gute Zylla? Anscheinend machen Körperreisen hellsichtig. Aber ich bin zu zapplig, um sie zu Ende machen und gehe wieder ins Bett.  Ansonsten passiert eigentlich nichts.

Täglich

Neuer Mitbewohner. Mit L. Ausflug zu Real gemacht. Total abgefeiert. Vom Produktangebot erschlagen. Wunderwarenwelt. Guck mal, alter, KÄSETHEKE. Konsumrausch: Papaya und Sternfrucht und Passionsfrucht gekauft. Alpro Soya reduziert. 1,45 Euro. Lieblingssorte (Apfelstrudel) Normalpreis. Kurz mit L. diskutiert ob einen Käse und Alpro Soya kaufen vertretbar oder eine ethische Farce ist. Darauf verwiesen, dass man jemanden, nur weil er eine gute Tat tut, nicht vorwerfen kann, nicht direkt das ganze Universum zu retten.   Um eins vor eins (nachts) U. Kaffee gemacht. Versucht Kaffeesatz aus dem Bodum im Müll zu entsorgen, wegen Horrogeschichten über von Kaffeesatz vertopften Rohren. Schnell aufgegeben, weil kein Löffel zum Auskratzen zur Hand. Auch egal, hier fällt ohnehin alles auseinander.  Mängelliste unserer Wohnung: Gummis in den Türrahmen fallen ab (sämtliche!), Hahn für Heißwasser in der Dusche lässt sich nur mit viel Druck zudrehen, ansonsten dreht er kurz ein bisschen ab und dann das Wasser wieder voll auf. Haustür schließt nicht mehr ohne das man abschließt, das Wasser lässt sich nicht abstellen, Licht im Hausflur kaputt. Jedes Mal abwägen: Im Falle eines Falles schweren …

Über Freeletics und darüber beim Sport nicht auszusehen wie Britney Bitch, sondern ein oller Heckenpenner.

[Logbuch] Freeletics ist eine Wunderwaffe mit Arschlochattitüde  „Alter“, sagt das Faultier, „das ist doch nicht mehr normal. Alle anderen Menschen sind damit befasst, Kekse in sich reinzustopfen und du machst Kniebeugen und Klimmzüge wie Arnold Schwarzenegger auf Koks.“ Ich antworte nicht, weil mir die Luft fehlt. Schweißperlen auf meiner Stirn. Das Faultier steckt einen halben Schokoweihnachtsmann in den Mund. „Weißt du, als du anfangen hast, da dachte ich noch: Ok, das ist jetzt so eine Phase. Das geht eine Woche so und dann ist gut. Aber das geht jetzt seit elf Wochen so und neun davon diese kranken Übungen, von denen mir schon beim Zugucken ganz schummerig wird.“ Ich mache eine Pause. „Du hast Schokolade am Mund“, sage ich. „Du hast den Glanz von Selbstoptimierungswahn in den Augen“, sagt es. Vielleicht hat es Recht. Mein Ziel war, wieder fitter zu werden. Die Treppen hochzukommen, ohne oben fast umzufallen. Mehr Energie und… „Einen strafferen Arsch“, sagt das Faultier, „Muskeln aus Stahl. Schreib es, wie es ist. Du bist übergelaufen. Du bist jetzt ein ATHLETE. Du zwingst …

Dinge, die ich tun werde, wenn die Bachelorarbeit fertig ist…

mich heillos abschießen, meine Alkoholabstinenz beenden und drei Tage wach und dann eine Woche Kater* knutschen, knutschen, knutschen das Bett eine Woche nicht verlassen in meinem Ganzkörpereinhornkostüm eine Woche auf dem Frankfurterplatz tanzen und Glitzer streuen  L. zwingen, in meinem Teddykostüm auf dem Frankfurterplatz zu tanzen und Konfetti zu werfen mich in die Bibliothek setzen und Trivialliteratur lesen nur noch schreiben, was ich will mit dem Teppich und Fred über die Dächer der Stadt fliegen und in Schornsteine rülpsen die Anleitung der Canon AEwasweißich solange durchlesen  bis ich endlich Fotos damit machen kann all meine Buntstifte anspitzen zu Ehren der Vice einen Modeblog eröffnen draußen aufm Frankfurter mit den „Feierfreudigen“ einen heben Alle Stafeln Greys Anatomy rückwärts gucken, das ist dann so eine Art „Der seltsame Fall der Meredith Grey“ Zu jeder einzelnen Socke in meiner Sockenschublade das passende Gegenstück finden ein Haus bauen das Design des Blogs upgraden den Backofen reinigen Fred ne Hängematte häkeln

Bachelortagebuch II

Überall Bücher. Auf dem Tisch, auf dem Fußboden, im Bett. Schlafe dazwischen, esse dazwischen, lebe dazwischen. Besser wäre, ich würde darin leben. Aber weil ich die ganzen Bücher ausgeliehen habe, kommt es mir schon so vor, als hätte ich super viel geschafft. Dieser Trugschluss ist der beste Freund der Prokrastination. So nach dem Motto: Jetzt erstmal erholen. Ich habe schon so viel geschafft… Jedes Mal wieder, wenn ich auf die Bib zulaufe, mein Erstaunen ob ihrer exorbitanten Häßlichkeit. Die Ästhetik des Architekten ist und bleibt ein Faszinosum. Darüber sollte mal jemand eine Bachelorarbeit schreiben. Dieser Waschbeton, dieser fleckige orange Teppich, dieses Schwerfällige des Baus. Und ich glaube, in der ersten Etage hat jemand von außen gegen des Fenster geschissen. Es sieht zumindest so aus. Und ich frage mich: WIE? Highlight des Tages: Pizza Magaritha für 2,80 Euro (Die Kleine).  Der Pizzabäcker guckt auf seinem Tablet eine Serie und scheint dabei sichtlich Spaß zu haben. Zumindest lacht er laut und ausgiebig. Spiele mit dem Gedanken Pizzabäckerin zu werden. Überhaupt häufen sich derartige Fluchtgedanken: Markthändlerin, Kellnerin, Harzt …

Arsch auf Grundeis

Alle Bilder von Melis Sivasli Arsch auf Grundeis.  Hinter der Bühne tanzen sie. Ich nicht. Ich bin schon froh, dass ich mich noch auf den Beinen halten kann. Wünsche mir inständig und quasi als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk eine „bad-ass-nichts-kann-mich-schocken-cold-as-ice-attitude“. Sie kommt nicht. Offensichtlich hat der Weihnachtsmann gerade besseres zu tun. Stattdessen nehme ich alle zwei Sekunden einen Schluck Wasser, aber statt dass mein Mund aufhört trocken zu sein, bekomme ich nur Angst gleich ganz dringend auf die Toilette zu müssen und genau deswegen meinen Auftritt zu verpassen. Ich lehne mich an die Heizung und drücke meine Hand gegen die Brust, damit mein Herz nicht vor Aufregung raushüpft. Während ich noch überlege, ob es gut wäre, wenn ich anfangen würde – jetzt sofort – harten Alkohol zu konsumieren und ob ich mir dafür einen Flachmann zulegen sollte, sagen sie mich an. Also: Backen zusammen kneifen und raus da. Erste Feststellung: Das Gute am Spotlight ist, dass man das Publikum nicht sehen kann. Zweite Feststellung: Niemand bewirft mich mit Tomaten. Dritte Feststellung: Es ist schön hier zu stehen …